Monastère MD Znamenié - Ein Stück Russland in der Auvergne

Mitten in der sanften Vulkanlandschaft des Cantal, fernab großer Verkehrsachsen, erhebt sich ein Bauwerk, das auf den ersten Blick überrascht. Das Monastère de la Mère de Dieu Znaménié nahe Marcenat erscheint als ungewöhnliche Präsenz, die sich dennoch vollständig in ihre Umgebung einfügt. Schon von Weitem ist die schimmernde Kupferkuppel sichtbar, deren Silhouette eher an die Weiten Russlands als an die Hochflächen der Auvergne erinnert. Genau diese unerwartete Verbindung macht den Ort so faszinierend.

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Die Wiedergeburt eines vergessenen Ortes

Gegründet wurde das orthodoxe Frauenkloster im Jahr 1988 und ist eine Zweigstelle des Moskauer Erzbistums. Damals war das Dorf La Traverse nahezu verlassen, die Gebäude dem Verfall überlassen und das Leben aus dem Tal verschwunden. Die Wahl fiel bewusst auf diesen abgeschiedenen Ort, dessen Ruhe und Einsamkeit als besonders geeignet für Gebet, Meditation und klösterliches Leben galten. Mit der Ansiedlung der Gemeinschaft begann eine langsame, stille Wiederbelebung des Dorfes, das seither wieder eine geistige und kulturelle Mitte besitzt. Eine prägende Rolle spielte der Higoumène Barsanuphe Ferrier (1935 – 2018), der den Aufbau des Klosters leitete und bis zu seinem Tod die spirituelle Ausrichtung prägte. Die offizielle Weihe der Kirche erfolgte 1996 und markierte den Abschluss einer langen Phase des Umbaus und der gemeinschaftlichen Findung. Bis heute bleibt das Kloster eng mit der russisch orthodoxen Kirche verbunden und ist eines der wenigen seiner Art in Frankreich.


Von der Scheune zum Sakralbau

Architektonisch erzählt das Kloster eine Geschichte der Verwandlung. Die Kirche entstand aus einer ehemaligen Scheune aus dem frühen 19. Jahrhundert, die über mehrere Jahre hinweg mit großer Sorgfalt und unter Mitwirkung der Schwestern selbst umgestaltet wurde. Der Grundriss folgt der klassischen Kreuzform der orthodoxen Sakralarchitektur, während die zentrale Kuppel den Raum nach oben öffnet und den Blick auf das Himmlische lenkt. Die kupferne Bedachung, die mit der Zeit eine natürliche Verfärbung annimmt, bildet einen bewussten Kontrast zur dunklen Vulkanerde und den grünen Weiden der Umgebung. Inspiriert wurde der Bau von russischen Klöstern auf dem Berg Athos in Griechenland, dem geistigen Zentrum des orthodoxen Mönchtums, dessen Einfluss sich sowohl in der äußeren Form als auch in der inneren Symbolik widerspiegelt.

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Im Inneren der Kirche sind die Wände reich mit Ikonen und Fresken geschmückt, die nach traditionellen Techniken gefertigt wurden. Besonders eindrucksvoll ist das Fresko in der Kuppel, die Christus als Pantokrator („der Allmächtige“, ein aus dem Griechischen stammender Begriff) zeigt und das Zentrum der Kirche beherrscht. Dieses monumentale Werk wurde von den monastischen Schwestern selbst angefertigt, die in der anspruchsvollen Technik der Freskenmalerei von ihrem Gründer Higoumène Barsanuphe, unterrichtet wurden. Als Absolvent der Beaux Arts verband er künstlerisches Können mit spiritueller Lehre und gab dieses Wissen an die Gemeinschaft weiter. So wurde die Malerei zu einem Akt des Gebets, bei dem handwerkliche Präzision und stille Reflexion untrennbar miteinander verschmelzen. Licht, Farben und Weihrauch verbinden sich zu einer sinnlichen Erfahrung, die auch Besucher ohne religiösen Hintergrund tief berührt.


Leben im Rhythmus des Klosters

Das Leben im Kloster folgt einem klar strukturierten Rhythmus aus Gebet, Arbeit und Stille. Die Gemeinschaft der Nonnen widmet sich neben den täglichen Gottesdiensten einer Vielzahl praktischer Tätigkeiten, die das Kloster wirtschaftlich tragen. Dazu gehören die Imkerei, die Gartenarbeit und die Herstellung traditioneller Produkte wie Honig, Lebkuchen und Marmeladen. Ebenso wichtig ist das Kunsthandwerk, insbesondere die Ikonenmalerei, die weit über die Region hinaus geschätzt wird. In der kleinen klostereigenen Boutique können Besucher diese handgefertigten und hausgemachten Produkte kaufen und damit einen Einblick in das klösterliche Leben gewinnen.

Das Kloster kann im Rahmen von Besichtigungen besucht werden, bei denen eine der Schwestern die orthodoxe Liturgie, die Architektur und die Bedeutung der Ikonen erläutert. In den wärmeren Monaten ist das Kloster regelmäßig geöffnet, außerhalb dieser Zeiten sind Besuche nach Anmeldung möglich. Wer hierherkommt, sucht meist mehr als eine Sehenswürdigkeit. Die abgeschiedene Lage, die Stille und die spirituelle Atmosphäre des Ortes laden zur inneren Einkehr ein und machen den Besuch zu einer besonderen Erfahrung.


Auf leisen Pfaden im Cézallier

Die Wanderung „Autour du Bonjon“, eine rund fünf Kilometer lange und gut markierte Rundstrecke mit blauem Wegweiser, beginnt in unmittelbarer Nähe des Klosters. Auf dieser Strecke kann man das orthodoxe Kloster aus einer anderen Perspektive erleben und die Stille der Auvergne genießen. Außerdem kommt man am der Cascade du Saillant, sowie dem gleichnamigen Schloss vorbei.

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