Salers liegt im Herzen des Cantal, in der Region Auvergne-Rhône-Alpes, und beeindruckt durch sein unverwechselbares mittelalterliches Erscheinungsbild. Dunkles Lavagestein, schiefergedeckte Dächer und verwinkelte Gassen prägen das Stadtbild, während prächtige Bürgerhäuser, historische Plätze und lebendige Traditionen von der reichen Geschichte des Ortes zeugen. Zwischen alten Stadttoren, der Kirche Saint-Mathieu und der Place Tyssandier-d’Escous lässt sich das Leben vergangener Zeiten noch erahnen. Zugleich ist Salers ein kulinarisches Zentrum, Heimat von Käse, Rindern und dem berühmten Enzian-Likör. Der Ort bietet Ausblicke auf die Vulkane und Täler des Parc Régional des Volcans d’Auvergne und macht somit Geschichte, Geschmack und Natur auf jedem Schritt erlebbar.
Salers trägt seit 1982 das Label „Les Plus Beaux Villages de France“ und zählt damit zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Gleichzeitig ist der Ort als „Site Remarquable du Goût“ anerkannt, ein Label, das die Besonderheit der kulinarischen Produktion bestätigt.Geschichte hinter Lavasteinen und Türmen
Die genauen Ursprünge von Salers sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Lange Zeit behaupteten die Barone des Ortes, ihre Familie stamme aus Italien, auf Grund der Ähnlichkeit des Ortsnamens mit der Stadt Salerno und wegen der Reliquien des Heiligen Matthäus, die beide Orte besaßen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Barone aus der Region Murat abstammten, auch wenn Quellen dafür fehlen.Im 11. Jahrhundert war Salers ein kleiner Ort mit einem Donjon, der zwischen den beiden Kirchgemeinden Saint-Paul und Saint-Bonnet lag. Die Familie Salers beteiligte sich aktiv an den Kreuzzügen. Später kam es zu familiären Konflikten, die dazu führten, dass die Herrschaft im 14. Jahrhundert zwischen der Familie Salers und den Pesteils geteilt wurde und die Vormachtstellung der Barone geschwächt wurde.
Ab 1428 begann die Stadt ihren oberen Teil zu befestigen. Die heute noch erhaltenen Tore des Beffroi und der Martille gehörten zu einem Verteidigungssystem, das ursprünglich vier Zugänge umfasste. Die Errichtung der Mauern erfolgte, weil die Bürger die wiederholten Plünderungen durch englische Söldner leid waren.
Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wuchs die Bekanntheit von Salers, als das königliche Gericht der Monts d’Auvergne hierher verlegt wurde. Dadurch zogen zahlreiche wohlhabende Familien in den Ort, und die meisten der heute noch bestehenden Steinhäuser rund um die Place Tyssandier d’Escous wurden in dieser Zeit errichtet. Salers entwickelte sich von einem rein bürgerlichen Ort zu einer Stadt, die auch eine lokale Verwaltungs- und Juristennoblesse hervorbrachte.
Die Religionskriege Ende des 16. Jahrhunderts machten auch vor Salers nicht halt. Ein Angriff der Hugenotten im Jahr 1586 wurde abgewehrt, wobei viele Mitglieder einflussreicher Familien ihr Leben verloren. Anschließend widmete man die Stadt dem Heiligen Geist. Ein Gemälde in der Kirche Saint-Mathieu erinnert an diese Ereignisse und ist gleichzeitig ein Zeugnis des Wiederaufbaus der Kirche, der von Géraud Vitalis veranlasst wurde.
Im 17. Jahrhundert verlor der Baron François de Salers seinen Titel, nachdem er eigenmächtig die Hinrichtung eines Gegners veranlasst hatte. Sein Schloss wurde vollständig zerstört, und die Rechte an der Baronie gingen an die Familie de Scorailles, die diese bis zur Französischen Revolution innehatte.
Nach der Revolution verlor Salers einen Teil seiner politischen Bedeutung, blieb jedoch als Zentrum des landwirtschaftlichen Handels und für die kulturelle Vermarktung von Käse, Rindern und regionalen Produkten bedeutsam.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde modernisiert. Ein ehemaliges Kloster wurde abgerissen, um Platz für das neue Schulgebäude zu schaffen, Denkmäler wurden aufgestellt und Plätze neu gestaltet, wodurch Salers sein heutiges Aussehen erhielt.
Architektur zwischen Mittelalter und Renaissance
Salers beeindruckt durch ein harmonisches Stadtbild aus dunklem Lavagestein, das mit den schiefergedeckten Dächern und den engen, gewundenen Gassen eine mittelalterliche Atmosphäre erzeugt. Das Herz des Orts bildet die Place Tyssandier‑d’Escous, auf dem die Büste von Ernest Tyssandier d’Escous steht. Zahlreiche Häuser sind mit kunstvollen Steinmetzarbeiten, kleinen Türmchen und Wappen verziert, die vom Wohlstand der Bewohner in früheren Jahrhunderten zeugen.Eines der bemerkenswertesten Häuser ist die Maison dite du Bailliage, ein Komplex aus mehreren Gebäudeteilen, die zwischen 1470 und 1490 errichtet oder umgebaut wurden. Die Fassade ist reich verziert und erinnert an die Familie de Valens-Nozières. Im hinteren Bereich befindet sich ein polygonaler Turm, während zur Platzseite zwei Erkertürme das Ensemble einrahmen. Besonders auffällig sind die geschnitzten Köpfe an den unteren Rippen des linken Turms. Entgegen der üblichen Annahme diente dieses Haus nie als Sitz des königlichen Gerichts.
Nur wenige Schritte entfernt liegt die Maison de Flaujac, ein Wohnhaus des 16. Jahrhunderts, dessen Architektur im Laufe der Jahrhunderte verändert wurde. 1739 wurden die Werkstätten im Erdgeschoss geschlossen und die Fenster angepasst. Das markanteste Merkmal ist der polygonale Erkerturm. 1684 erwarb Jean Chevalier das Haus, und es blieb bis 2010 über Generationen in Besitz der Familie.
Ein weiteres historisches Gebäude auf diesem Platz ist die Maison Tyssandier d’Escous, in der Ernest Tyssandier d’Escous lebte, der im 19. Jahrhundert die Rinderzucht der Salers-Rasse maßgeblich modernisierte. Die Familie Tyssandier hatte das Haus 1603 von den D’Olivier erworben und über mehrere Generationen die Position des Leutnants der Vogtei inne. Ursprünglich offene Arkaden wurden 1739 in die Wohnstruktur integriert, wodurch das Gebäude seine heutige Erscheinung erhielt.
Das heutige Rathaus von Salers steht an der Stelle der ehemaligen Residenz von Jehan de Vernyes, Berater von König Heinrich IV. Der nachfolgende Besitzer, Seigneur Annet Descorailles, ließ auf dem Grundstück die höchste quadratische Turmstruktur der Place Tyssandier d’Escous errichten. Nachdem das Gebäude am 1. Dezember 1897 durch einen Brand zerstört wurde, erwarb die Gemeinde die Ruine, baute sie wieder auf und bezog das neue Rathaus 1901. In den 1980er Jahren nutzte der „Syndicat d’Initiatives“ das Erdgeschoss, das heute als Office de Tourisme Intercommunal du Pays de Salers dient und Besucher über die Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten der Region informiert.
Ein weiteres bemerkenswertes Haus ist die Maison La Farge, charakteristisch durch ihr Ladenlokal im Erdgeschoss. Berühmt wurde es durch Pierre de La Farge, der sich 1709 in der Schlacht von Malplaquet auszeichnete. Vermutlich ließ er 1702 die heute noch sichtbaren Arbeiten durchführen, darunter der dreieckige Giebel mit dekorativen Kugeln, die an seinen Rang als Major der Karabiniere des Königs im Regiment von Cloix erinnern.
Rund zwanzig Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz, darunter die Kirche Saint-Mathieu, die mit ihrem romanischen Portal aus dem 12. Jahrhundert nur wenige Schritte vom Platz entfernt liegt. Sie wurde über mehrere Jahrhunderte erweitert und verbindet Elemente romanischer und gotischer Baustile. Besonders eindrucksvoll sind im Inneren die polychrome Darstellung der Grablegung Christi von Ende des 15. Jahrhunderts und mehrere Aubusson‑Tapisserien aus dem 17. Jahrhundert, die Besucher in die religiöse und künstlerische Tradition der Region eintauchen lassen.
Als charakteristisches Beispiel der befestigten Stadttore ragt die Porte du Beffroi hervor, die zwischen 1440 und 1450 erbaut wurde und den Haupteingang in die alte Umfriedung bildete. Sie besteht aus einem quadratischen Turm, an dessen rechter Seite sich eine runde Wendeltreppe anschließt. Am einstigen Wehrgang sind noch Pechnasen zu erkennen.
Die Chapelle Notre-Dame de Lorette aus dem 19. Jahrhundert fügt neugotische Akzente hinzu, während der zentrale Platz mit seinen historischen Gebäuden und dem Arkadengang ein Gefühl für das gesellschaftliche Leben vergangener Zeiten vermittelt. Auch kleinere Monumente wie das Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs oder die Statue von Ernest Tyssandier d’Escous erzählen vom Engagement der Bürger.
Landschaft und Natur ganz nah
Das Dorf liegt im Parc Régional des Volcans d’Auvergne und bietet einen eindrucksvollen Blick auf Basaltplateaus, Hügel, Vulkankuppen und tiefe Täler. Besonders markant ist der Puy Mary, ein erloschener Vulkan, der heute als Grand Site de France geschützt ist.Seit 2021 ist Salers als Teil des Grand Site de France „Puy Mary – Volcan du Cantal“ offiziell in ein großes Netzwerk besonders schützenswerter Naturgebiete eingebunden, was die Bedeutung dieses Naturraums zusätzlich unterstreicht.
Die Höhenlage sorgt für ein mildes Klima mit kühlen Sommernächten, was die weiten Weideflächen begünstigt, auf denen die berühmten Salers-Rinder grasen. Das Gebiet ist reich an Flora und Fauna, darunter seltene Bergpflanzen und Vögel, die in dieser Umgebung ideale Lebensbedingungen finden.
Kulinarische Identität
Salers ist nicht nur ein Ort von historischer Schönheit, sondern auch ein Zentrum kulinarischer Traditionen. Besonders bekannt ist der Salers-Käse, ein AOP-Produkt, das ausschließlich aus Rohmilch hergestellt wird und nur während der Sommermonate, wenn die Kühe auf den Almwiesen grasen, produziert werden darf. Dieser Käse gehört zu den ältesten traditionellen Käsesorten Frankreichs und zeichnet sich durch kräftige Aromen und eine dichte Textur aus, die sich von anderen Sorten der Auvergne unterscheiden.Die Rinderrasse Salers, die seit dem 19. Jahrhundert intensiv gezüchtet wird, liefert Milch für den Käse und hochwertiges Fleisch, das in traditionellen Gerichten der Region eine zentrale Rolle spielt. Weitere regionale Spezialitäten sind Truffade, ein herzhaftes Kartoffel-Käse-Gericht, und Pounti, eine Mischung aus Kräutern, Pflaumen und Fleisch, die typisch für die Auvergne ist.
Doch es gibt hier nicht nur Käse und Fleisch, sondern auch den bittersüßen Enzian-Likör, „La Salers Gentiane”, die älteste Enzianmarke des Zentralmassivs, deren Geschichte bis ins Jahr 1885 zurückreicht.