Compiègne, eine charmante Stadt in Nordfrankreich, ist ein Ort mit einer langen und facettenreichen Geschichte, die bis in die Merowingerzeit zurückreicht. Die geografische Lage, etwa 80 Kilometer nordwestlich von Paris und umgeben von Wäldern, machte ihn über Jahrhunderte hinweg zu einem bevorzugten Aufenthaltsort der französischen Monarchen. Vom ersten, hölzernen Palast der Merowinger bis hin zu den prunkvollen Erweiterungen unter Napoleon erlebte Compiègne zahlreiche Um- und Neubauten, die den Ort zu einem Zentrum politischer und kultureller Bedeutung machten. Heute zieht das Schloss, das als das größte neoklassizistische Schloss Frankreichs gilt, nicht nur durch seine beeindruckende Architektur und historischen Museen, sondern auch durch seine weitläufigen Gärten zahlreiche Besucher an und lässt die Geschichte dieses außergewöhnlichen Ortes lebendig werden.
Im Laufe der Zeit wurde Compiègne zunehmend zum politischen Zentrum der karolingischen Monarchen. Karl II. genannt Karl der Kahle (823-877) verlegte nach und nach den Sitz seiner königlichen und später imperialen Macht hierher. Im Jahr 875 wurde Karl II. in Rom zum Kaiser gekrönt und gründete 877 das Kloster Saint-Corneille an der Stelle des alten merowingischen Palastes. Gleichzeitig ließ er sich eine neue Residenz nahe der Oise errichten, wobei das Kloster als kaiserliche Kapelle diente.
Mit dem Aufstieg der Kapetinger verlor Compiègne jedoch zunehmend an politischer Bedeutung. Die Stadt wuchs, und der „königliche Palast“ wurde zugunsten der Bevölkerung veräußert. Philipp II. August (1165-1223) verstärkte die Stadtmauern und baute den alten karolingischen Palast durch einen Donjon zu einer Festung aus, um die Kontrolle über die Oise zu sichern. Dieser Turm, heute als Beauregard-Turm bekannt, steht noch immer in Ruinen an der Rue de Jeanne d’Arc und wird auch tour de Jeanne d’Arc genannt.
Unter Ludwig IX. war der Prozess der Entmachtung des Palastes schließlich abgeschlossen. Der einstige königliche Palast verlor seine Funktion, und nur noch der große Saal sowie der Turm des Palastes blieben als Symbole der militärischen Verwaltung erhalten. Wichtige Versammlungen wurden fortan im Kloster Saint-Corneille abgehalten, während der König in Compiègne nur noch eine bescheidene Jagdresidenz in Royallieu am Waldesrand behielt.
Im Jahr 1358, während seiner Regentschaft, versammelte Karl V. (1338-1380) die Generalstände in der Abtei Saint-Corneille. Hier wurde ihm bewusst, wie klein und unsicher die Residenz in Royallieu, am Rande des Waldes, war. Daraufhin beschloss er, ein neues Schloss zu errichten, das den Grundstein für das heutige Palastgebäude legte. 1374 erwarb er ein Grundstück von den Mönchen von Saint-Corneille, die es zuvor von Karl II. dem Kahlen erhalten hatten. Das Gelände war von Häusern bedeckt, die abgerissen werden mussten, doch die Arbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als Karl V. 1380 verstarb.
Das neue Schloss, das über die Jahre hinweg erweitert wurde, bildete später die Grundlage des heutigen Château de Compiègne. Nur wenige Überreste des ursprünglichen Baus sind noch in den Mauern des heutigen Gebäudes sichtbar.
Im Jahr 1382 versammelte Karls Sohn Karl VI. erneut die Generalstände im Palast von Compiègne. Auch später war dieser ein häufiger Aufenthaltsort der französischen Könige, mit einer Unterbrechung im 15. Jahrhundert, als die Stadt zwischen 1414 und 1429 unter burgundische Herrschaft fiel. Karl VII., frisch zum König ernannt, zog am 18. August 1429 feierlich in Compiègne ein und verbrachte dort zwölf Tage. Diese Tradition, dass der König nach seiner Krönung in Compiègne verweilte, wurde bis zu Charles X. fortgesetzt.
Erst 1441 kehrte Karl VII. zusammen mit seinem Sohn Ludwig XI. nach Compiègne zurück. Der Palast war zu dieser Zeit durch mehrere Belagerungen schwer beschädigt, wurde jedoch 1451 im Rahmen eines längeren Aufenthalts wiederhergestellt und erweitert. Auch Charles VIII. und Ludwig XII. verbrachten mehrere Aufenthalte dort. Franz I. kümmerte sich um die Verbesserung der Gebäude und die Aufforstung der Wälder rund um Compiègne. Heinrich II., der häufig in Compiègne weilte, ließ das Tor zur Kapelle prachtvoll gestalten, das in die Stadtmauer eingebaut wurde.
Charles IX. ließ einen „Königsgarten“ anlegen, der später den Park des Palastes vorbereitete. Während der Unruhen der Hugenottenkriege gab es jedoch nur wenige königliche Aufenthalte in Compiègne. Heinrich III. musste 1576 die Generalstände, die er hier abhalten wollte, absagen. Dennoch wurde sein Leichnam nach seiner Ermordung 1589 in der Kirche des Klosters Saint-Corneille in Compiègne beigesetzt, da die Stadt zu dieser Zeit noch eine königliche Stadt war.
Während der Religionskriege war der Palast von Compiègne in einem schlechten Zustand und unbewohnbar. Als Heinrich IV. in die Stadt kam, zog er es vor, in der Stadt selbst zu übernachten, und 1594 wurde der Palast als Münzprägestätte genutzt. Die Reparaturarbeiten begannen erst ab 1598.
Als Ludwig XIII. 1619 erstmals Compiègne besuchte, war er so begeistert, dass er noch dreimal im selben Jahr zurückkehrte. Nach dem „Journée des Dupes“ im Februar 1631 ließ Ludwig XIII. seine Mutter Maria von Medicis in Compiègne unter Hausarrest stellen, von wo ihr am Abend des 18. Juli schließlich die Flucht nach Brüssel gelang. Bei seinem letzten Aufenthalt 1635 ließ Ludwig XIII. die königlichen Gemächer komplett renovieren.
Unter Ludwig XIV. (1638-1715) wuchs der Palast und es wurden zusätzliche Gebäude in der Stadt errichtet, darunter Kanzleien, königliche Ställe sowie Unterkünfte für Minister und ihre Büros. Compiègne wurde neben Versailles und Fontainebleau zu einer der wenigen Residenzen, in denen der König den Staatsrat versammelte. Ludwig XIV. betrachtete Compiègne jedoch vor allem als Ort der Erholung und Jagd und ließ große Landschafts- und Straßenumbauten vornehmen, einschließlich des „Grand Octogone“ und neuer Brücken. Nach 1698 kehrte Ludwig XIV. nicht mehr nach Compiègne zurück, und der Palast blieb für die nächsten zehn Jahre ungenutzt. Zwischen 1708 und 1715 beherbergte Compiègne den bayrischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel, der nach seiner Niederlage in der Schlacht von Höchstädt fliehen musste und von Ludwig XIV. in Compiègne Asyl erhielt.
Schon bald zeigte sich jedoch, dass das Schloss, ein Ensemble von Gebäuden ohne klare Struktur, für den königlichen Aufenthalt wenig geeignet war. Nach ersten Renovierungen 1733 begann man unter der Leitung von Ange-Jacques Gabriel, das Schloss von 1736 bis 1740 in Stil des französischen Klassizismus auszubauen. Es entwickelte sich rasch zu einer der Lieblingsresidenzen von Ludwig XV., der zeitweise sogar erwog, Compiègne zu seinem ständigen Wohnsitz zu machen.
Zwischen 1740 und 1751 wurden mehrere Entwürfe für einen vollständigen Neubau vorgestellt, doch der Plan von Ange-Jacques Gabriel aus dem Jahr 1751 setzte sich durch und wurde schnell genehmigt. Obwohl die Umbauten noch nicht abgeschlossen waren, blieb der König regelmäßig in Compiègne, wo er weiterhin leidenschaftlich jagte. Hier empfing er am 14. Mai 1770 die Erzherzogin Marie-Antoinette von Österreich, die zur Hochzeit mit dem Dauphin, dem späteren Ludwig XVI., angereist war.
Nach Gabriels Tod 1774 übernahm Louis Le Dreux de La Châtre, ein ehemaliger Schüler und enger Mitarbeiter Gabriels, die Bauleitung. Unter seiner Führung wurden die Arbeiten bis 1788 abgeschlossen, wobei er strikt den ursprünglichen Plänen folgte.
Ludwig XVI. hingegen besuchte Compiègne nur selten. Zwar hielt er sich 1774 und 1775 nach den traditionellen Reisen nach Reims dort auf, doch seine Besuche beschränkten sich später auf wenige kurze Jagdausflüge. Mit den Bauarbeiten in den frühen 1780er Jahren wurde das Schloss zunehmend unbewohnbar und die Umbauten stießen 1787 wegen der hohen Kosten auf Kritik von der Versammlung der Notabeln. Während der Französischen Revolution wurde das Mobiliar des Schlosses verkauft, wie auch das vieler anderer königlicher Residenzen. Ab 1799 wurde der Palast für das Militär genutzt, und das Gebäude beherbergte Teile der Kunst- und Handwerksschule bis 1806. Das Königspaar sah nie die Fertigstellung seiner Residenz.
Im März 1810 empfing Napoleon hier die Erzherzogin Marie-Louise von Österreich, die zukünftige Kaiserin. Nachdem die Hochzeit in Paris gefeiert worden war, kehrte der Hof nach Compiègne zurück, um den Sommer dort zu verbringen. Er nutzte den Ort für seine Jagdausflüge und als politischen Rückzugsort.
Das Musée de l'Impératrice beherbergt die bedeutendste Sammlung von Erinnerungsstücken der letzten Herrscherfamilie und bietet einzigartige Einblicke in die Geschichte dieser Familie. Sie umfasst Gemälde, Skulpturen, Möbel, Kleidung, Fotografien und Zeichnungen, die alle einen Blick auf das intime Leben der Familie im Kontext ihrer Zeit werfen. Ein großer Teil der Exponate stammt von der Kaiserin selbst. Die Sammlung geht auf den Sammler Herrn Ferrand aus Pierrefonds zurück, der nach dem Tod der Kaiserin 1920 viele persönliche Gegenstände der imperialen Familie erwarb und diese später der Stadt Compiègne zurückgab, die sie im Schloss ausstellte.
Die Historischen Appartements des Schlosses bieten einen beeindruckenden Einblick in die Pracht und den Lebensstil der französischen Monarchen, insbesondere unter Napoléon III. Sie umfassen verschiedene Zimmer, die sowohl für repräsentative Zwecke als auch für das tägliche Leben der königlichen Familie genutzt wurden. Zu den Highlights zählen der Thronsaal, der Napoléon III. für wichtige Zeremonien und Audienzen diente, der Salon de la Paix, der nach dem Friedensvertrag von 1856 benannt wurde und eine besonders prachtvolle Ausstattung aufweist und das Schlafzimmer des Kaisers, das mit einer Vielzahl an königlichem Mobiliar ausgestattet ist und einen intimen Einblick in das Leben Napoléon III. gibt. Die Räume sind mit teuren Materialien ausgestattet, darunter Marmor, Mahagoni und Samt, und beinhalten eine Vielzahl von Kunstwerken, die sowohl historische Szenen als auch persönliche Porträts der kaiserlichen Familie zeigen.
Ein weiteres bemerkenswertes Museum ist das Musée de la voiture, das die Geschichte der Automobile von den Anfängen bis zur Blütezeit der Mobilität zeigt. Hier können Besucher eine einzigartige Sammlung von fast 80 Pferdekutschen aus dem 18. bis zum 20. Jahrhundert bewundern, die von Kaiser Napoleon III. und anderen hochrangigen Persönlichkeiten der Zeit für Zeremonien, Spazierfahrten, Reisen, Jagden oder den Alltagsverkehr genutzt wurden. Die rund dreißig Autos, die hauptsächlich zwischen 1878 und 1925 gebaut wurden, sind Fahrzeuge von großer Bedeutung für die Geschichte des Automobils. Sie zeugen vom Erfindungsreichtum der Konstrukteure und der schnellen Weiterentwicklung der Antriebssysteme durch Dampf, Strom und Öl.
Ursprünglich im klassischen französischen Stil angelegt, wurde der Park später unter Napoléon III. umfassend erneuert und erhielt dabei Elemente der romantischen Gartenkunst. Er umfasst eine Vielzahl von Alleen, Rasenflächen, Blumenbeeten und Skulpturen, die den typischen Stil der Zeit widerspiegeln und ist mit der umgebenden Waldlandschaft verbunden. Zahlreiche Waldwege und Teiche wurden integriert, um eine harmonische Verbindung zwischen dem Garten und der Natur zu schaffen.
Anreise:
Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre und jeden ersten Sonntag des Monats für alle Besucher.
Wie vier Paläste die Geschichte prägten
Über die Jahrhunderte hinweg wurden in Compiègne vier verschiedene Paläste errichtet, deren Geschichte bis in die merowingische Zeit zurückreicht. Der älteste Palast, vermutlich aus der Zeit von Chlodwig I., war ursprünglich aus Holz gebaut und sein Standort bleibt bis heute ein Rätsel. Compiègne war ein wichtiger Treffpunkt für die Merowinger-Könige, die hier oft residierten. Im „königlichen Palast“ von Compiègne starb Chlothar I. im Jahr 561, nach einer Jagd bei Saint-Jean-aux-Bois und Dagobert I. versammelte hier 633 das Parlament, das die Gründung der Basilika Saint-Denis beschloss. Im Palast wurde zudem sein Schatz aufbewahrt, der 639 unter seinen Söhnen aufgeteilt wurde.Im Laufe der Zeit wurde Compiègne zunehmend zum politischen Zentrum der karolingischen Monarchen. Karl II. genannt Karl der Kahle (823-877) verlegte nach und nach den Sitz seiner königlichen und später imperialen Macht hierher. Im Jahr 875 wurde Karl II. in Rom zum Kaiser gekrönt und gründete 877 das Kloster Saint-Corneille an der Stelle des alten merowingischen Palastes. Gleichzeitig ließ er sich eine neue Residenz nahe der Oise errichten, wobei das Kloster als kaiserliche Kapelle diente.
Mit dem Aufstieg der Kapetinger verlor Compiègne jedoch zunehmend an politischer Bedeutung. Die Stadt wuchs, und der „königliche Palast“ wurde zugunsten der Bevölkerung veräußert. Philipp II. August (1165-1223) verstärkte die Stadtmauern und baute den alten karolingischen Palast durch einen Donjon zu einer Festung aus, um die Kontrolle über die Oise zu sichern. Dieser Turm, heute als Beauregard-Turm bekannt, steht noch immer in Ruinen an der Rue de Jeanne d’Arc und wird auch tour de Jeanne d’Arc genannt.
Unter Ludwig IX. war der Prozess der Entmachtung des Palastes schließlich abgeschlossen. Der einstige königliche Palast verlor seine Funktion, und nur noch der große Saal sowie der Turm des Palastes blieben als Symbole der militärischen Verwaltung erhalten. Wichtige Versammlungen wurden fortan im Kloster Saint-Corneille abgehalten, während der König in Compiègne nur noch eine bescheidene Jagdresidenz in Royallieu am Waldesrand behielt.
Im Jahr 1358, während seiner Regentschaft, versammelte Karl V. (1338-1380) die Generalstände in der Abtei Saint-Corneille. Hier wurde ihm bewusst, wie klein und unsicher die Residenz in Royallieu, am Rande des Waldes, war. Daraufhin beschloss er, ein neues Schloss zu errichten, das den Grundstein für das heutige Palastgebäude legte. 1374 erwarb er ein Grundstück von den Mönchen von Saint-Corneille, die es zuvor von Karl II. dem Kahlen erhalten hatten. Das Gelände war von Häusern bedeckt, die abgerissen werden mussten, doch die Arbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als Karl V. 1380 verstarb.
Das neue Schloss, das über die Jahre hinweg erweitert wurde, bildete später die Grundlage des heutigen Château de Compiègne. Nur wenige Überreste des ursprünglichen Baus sind noch in den Mauern des heutigen Gebäudes sichtbar.
Im Jahr 1382 versammelte Karls Sohn Karl VI. erneut die Generalstände im Palast von Compiègne. Auch später war dieser ein häufiger Aufenthaltsort der französischen Könige, mit einer Unterbrechung im 15. Jahrhundert, als die Stadt zwischen 1414 und 1429 unter burgundische Herrschaft fiel. Karl VII., frisch zum König ernannt, zog am 18. August 1429 feierlich in Compiègne ein und verbrachte dort zwölf Tage. Diese Tradition, dass der König nach seiner Krönung in Compiègne verweilte, wurde bis zu Charles X. fortgesetzt.
Erst 1441 kehrte Karl VII. zusammen mit seinem Sohn Ludwig XI. nach Compiègne zurück. Der Palast war zu dieser Zeit durch mehrere Belagerungen schwer beschädigt, wurde jedoch 1451 im Rahmen eines längeren Aufenthalts wiederhergestellt und erweitert. Auch Charles VIII. und Ludwig XII. verbrachten mehrere Aufenthalte dort. Franz I. kümmerte sich um die Verbesserung der Gebäude und die Aufforstung der Wälder rund um Compiègne. Heinrich II., der häufig in Compiègne weilte, ließ das Tor zur Kapelle prachtvoll gestalten, das in die Stadtmauer eingebaut wurde.
Charles IX. ließ einen „Königsgarten“ anlegen, der später den Park des Palastes vorbereitete. Während der Unruhen der Hugenottenkriege gab es jedoch nur wenige königliche Aufenthalte in Compiègne. Heinrich III. musste 1576 die Generalstände, die er hier abhalten wollte, absagen. Dennoch wurde sein Leichnam nach seiner Ermordung 1589 in der Kirche des Klosters Saint-Corneille in Compiègne beigesetzt, da die Stadt zu dieser Zeit noch eine königliche Stadt war.
Während der Religionskriege war der Palast von Compiègne in einem schlechten Zustand und unbewohnbar. Als Heinrich IV. in die Stadt kam, zog er es vor, in der Stadt selbst zu übernachten, und 1594 wurde der Palast als Münzprägestätte genutzt. Die Reparaturarbeiten begannen erst ab 1598.
Als Ludwig XIII. 1619 erstmals Compiègne besuchte, war er so begeistert, dass er noch dreimal im selben Jahr zurückkehrte. Nach dem „Journée des Dupes“ im Februar 1631 ließ Ludwig XIII. seine Mutter Maria von Medicis in Compiègne unter Hausarrest stellen, von wo ihr am Abend des 18. Juli schließlich die Flucht nach Brüssel gelang. Bei seinem letzten Aufenthalt 1635 ließ Ludwig XIII. die königlichen Gemächer komplett renovieren.
Unter Ludwig XIV. (1638-1715) wuchs der Palast und es wurden zusätzliche Gebäude in der Stadt errichtet, darunter Kanzleien, königliche Ställe sowie Unterkünfte für Minister und ihre Büros. Compiègne wurde neben Versailles und Fontainebleau zu einer der wenigen Residenzen, in denen der König den Staatsrat versammelte. Ludwig XIV. betrachtete Compiègne jedoch vor allem als Ort der Erholung und Jagd und ließ große Landschafts- und Straßenumbauten vornehmen, einschließlich des „Grand Octogone“ und neuer Brücken. Nach 1698 kehrte Ludwig XIV. nicht mehr nach Compiègne zurück, und der Palast blieb für die nächsten zehn Jahre ungenutzt. Zwischen 1708 und 1715 beherbergte Compiègne den bayrischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel, der nach seiner Niederlage in der Schlacht von Höchstädt fliehen musste und von Ludwig XIV. in Compiègne Asyl erhielt.
Vom Jagdschloss zur königlichen Residenz
Ludwig XV. (1710-1774) besuchte Compiègne zum ersten Mal am 4. Juni 1728. Der junge König hatte sich entschieden, während des Friedenskongresses in Soissons, der Verhandlungen mit Spanien führte, im Schloss zu wohnen. Er nutzte die Gelegenheit, seine Leidenschaft für die Jagd im angrenzenden Wald auszuleben und verbrachte dort jeden Sommer zwischen ein und zwei Monaten.Schon bald zeigte sich jedoch, dass das Schloss, ein Ensemble von Gebäuden ohne klare Struktur, für den königlichen Aufenthalt wenig geeignet war. Nach ersten Renovierungen 1733 begann man unter der Leitung von Ange-Jacques Gabriel, das Schloss von 1736 bis 1740 in Stil des französischen Klassizismus auszubauen. Es entwickelte sich rasch zu einer der Lieblingsresidenzen von Ludwig XV., der zeitweise sogar erwog, Compiègne zu seinem ständigen Wohnsitz zu machen.
Zwischen 1740 und 1751 wurden mehrere Entwürfe für einen vollständigen Neubau vorgestellt, doch der Plan von Ange-Jacques Gabriel aus dem Jahr 1751 setzte sich durch und wurde schnell genehmigt. Obwohl die Umbauten noch nicht abgeschlossen waren, blieb der König regelmäßig in Compiègne, wo er weiterhin leidenschaftlich jagte. Hier empfing er am 14. Mai 1770 die Erzherzogin Marie-Antoinette von Österreich, die zur Hochzeit mit dem Dauphin, dem späteren Ludwig XVI., angereist war.
Nach Gabriels Tod 1774 übernahm Louis Le Dreux de La Châtre, ein ehemaliger Schüler und enger Mitarbeiter Gabriels, die Bauleitung. Unter seiner Führung wurden die Arbeiten bis 1788 abgeschlossen, wobei er strikt den ursprünglichen Plänen folgte.
Ludwig XVI. hingegen besuchte Compiègne nur selten. Zwar hielt er sich 1774 und 1775 nach den traditionellen Reisen nach Reims dort auf, doch seine Besuche beschränkten sich später auf wenige kurze Jagdausflüge. Mit den Bauarbeiten in den frühen 1780er Jahren wurde das Schloss zunehmend unbewohnbar und die Umbauten stießen 1787 wegen der hohen Kosten auf Kritik von der Versammlung der Notabeln. Während der Französischen Revolution wurde das Mobiliar des Schlosses verkauft, wie auch das vieler anderer königlicher Residenzen. Ab 1799 wurde der Palast für das Militär genutzt, und das Gebäude beherbergte Teile der Kunst- und Handwerksschule bis 1806. Das Königspaar sah nie die Fertigstellung seiner Residenz.
Napoleon und der Glanz von Compiègne
Am 12. April 1807 gab Napoleon I. einen Erlass aus, der die Wiederherstellung des Palastes anordnete. Der Architekt Louis-Martin Berthault, der zuvor schon im Château de Malmaison gearbeitet hatte, übernahm die Leitung der Renovierungsarbeiten und dekorativen Umgestaltung. Es wurde zu einem Symbol seiner Macht mit imposanten Erweiterungen und prächtigen Hallen, die den Glanz des französischen Empires widerspiegeln. Der Garten erfuhr eine vollständige Neugestaltung, und durch den Austausch der Umfassungsmauer durch ein Gitter entstand eine direkte Verbindung zum angrenzenden Wald.Im März 1810 empfing Napoleon hier die Erzherzogin Marie-Louise von Österreich, die zukünftige Kaiserin. Nachdem die Hochzeit in Paris gefeiert worden war, kehrte der Hof nach Compiègne zurück, um den Sommer dort zu verbringen. Er nutzte den Ort für seine Jagdausflüge und als politischen Rückzugsort.
Die Museen des Kaiserpalasts
Das Schloss beherbergt heute mehrere Museen, die verschiedene Aspekte der französischen Geschichte und Kultur beleuchten. Besonders hervorzuheben ist das Musée du Second Empire, das sich ganz dem Kaiserreich Napoleons III. widmet. Mit einer Vielzahl von Gemälden, Möbeln und Ausstattungsgegenständen aus dieser Ära tauchen die Besucher tief in das Leben und die Politik des 19. Jahrhunderts ein.Das Musée de l'Impératrice beherbergt die bedeutendste Sammlung von Erinnerungsstücken der letzten Herrscherfamilie und bietet einzigartige Einblicke in die Geschichte dieser Familie. Sie umfasst Gemälde, Skulpturen, Möbel, Kleidung, Fotografien und Zeichnungen, die alle einen Blick auf das intime Leben der Familie im Kontext ihrer Zeit werfen. Ein großer Teil der Exponate stammt von der Kaiserin selbst. Die Sammlung geht auf den Sammler Herrn Ferrand aus Pierrefonds zurück, der nach dem Tod der Kaiserin 1920 viele persönliche Gegenstände der imperialen Familie erwarb und diese später der Stadt Compiègne zurückgab, die sie im Schloss ausstellte.
Die Historischen Appartements des Schlosses bieten einen beeindruckenden Einblick in die Pracht und den Lebensstil der französischen Monarchen, insbesondere unter Napoléon III. Sie umfassen verschiedene Zimmer, die sowohl für repräsentative Zwecke als auch für das tägliche Leben der königlichen Familie genutzt wurden. Zu den Highlights zählen der Thronsaal, der Napoléon III. für wichtige Zeremonien und Audienzen diente, der Salon de la Paix, der nach dem Friedensvertrag von 1856 benannt wurde und eine besonders prachtvolle Ausstattung aufweist und das Schlafzimmer des Kaisers, das mit einer Vielzahl an königlichem Mobiliar ausgestattet ist und einen intimen Einblick in das Leben Napoléon III. gibt. Die Räume sind mit teuren Materialien ausgestattet, darunter Marmor, Mahagoni und Samt, und beinhalten eine Vielzahl von Kunstwerken, die sowohl historische Szenen als auch persönliche Porträts der kaiserlichen Familie zeigen.
Ein weiteres bemerkenswertes Museum ist das Musée de la voiture, das die Geschichte der Automobile von den Anfängen bis zur Blütezeit der Mobilität zeigt. Hier können Besucher eine einzigartige Sammlung von fast 80 Pferdekutschen aus dem 18. bis zum 20. Jahrhundert bewundern, die von Kaiser Napoleon III. und anderen hochrangigen Persönlichkeiten der Zeit für Zeremonien, Spazierfahrten, Reisen, Jagden oder den Alltagsverkehr genutzt wurden. Die rund dreißig Autos, die hauptsächlich zwischen 1878 und 1925 gebaut wurden, sind Fahrzeuge von großer Bedeutung für die Geschichte des Automobils. Sie zeugen vom Erfindungsreichtum der Konstrukteure und der schnellen Weiterentwicklung der Antriebssysteme durch Dampf, Strom und Öl.
Gartenkunst und Naturharmonie
Die Außenanlagen des Château de Compiègne sind genauso beeindruckend wie das Innere des Schlosses. Der Park ist eine weitläufige, historisch bedeutende Gartenanlage, die sich rund um das Schloss erstreckt. Er wurde über die Jahrhunderte hinweg mehrfach umgestaltet und ist ein Paradebeispiel für die Gartenkunst des 18. und 19. Jahrhunderts.Ursprünglich im klassischen französischen Stil angelegt, wurde der Park später unter Napoléon III. umfassend erneuert und erhielt dabei Elemente der romantischen Gartenkunst. Er umfasst eine Vielzahl von Alleen, Rasenflächen, Blumenbeeten und Skulpturen, die den typischen Stil der Zeit widerspiegeln und ist mit der umgebenden Waldlandschaft verbunden. Zahlreiche Waldwege und Teiche wurden integriert, um eine harmonische Verbindung zwischen dem Garten und der Natur zu schaffen.
Nützliche Informationen
Adresse:Château de Compiègne
Place du Général de Gaulle, 60200 - Compiègne
Anreise:
TER Abfahrt Paris Gare du Nord. Das Schloss liegt 10 Gehminuten vom Bahnhof entfernt.
Von Paris aus: Autobahn A1, Ausfahrt Nr. 9 Richtung Compiègne Sud, am Ortseingang von Compiègne Richtung Soissons
Von Lille aus: Autobahn A1, Ausfahrt Nr. 10 in Arsy
Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre und jeden ersten Sonntag des Monats für alle Besucher.
Normaltarif 10€. Der Schlosspark ist frei zugänglich.
Öffnungszeiten:
Das Schloss und die Museen sind Dienstags geschlossen.
Öffnungszeiten:
Das Schloss und die Museen sind Dienstags geschlossen.
Montags und Freitags sind die Museen geschlossen, das Schloss ist geöffnet.
Internetseite:
https://chateaudecompiegne.fr/
Internetseite:
https://chateaudecompiegne.fr/