Das Château de Villandry zählt zu den bekanntesten Schlössern im Loiretal, doch sein besonderer Reiz liegt nicht allein in der eleganten Renaissancearchitektur. Berühmt wurde Villandry vor allem durch seine außergewöhnlichen Gärten, deren geometrische Formen, kunstvoll geschnittene Buchsbaumhecken und farbenprächtige Beete heute zu den eindrucksvollsten Gartenanlagen Frankreichs gehören. Was auf den ersten Blick wie ein seit Jahrhunderten unverändertes Gesamtkunstwerk wirkt, ist allerdings das Ergebnis einer außergewöhnlichen Rettungsaktion, denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Schloss und Park stark vernachlässigt und sogar vom Abriss bedroht.
Die Geschichte von Villandry reicht bis ins Mittelalter zurück, als der Ort noch Colombiers hieß und eine befestigte Anlage die Landschaft beherrschte. Von dieser Zeit ist heute vor allem der mächtige Donjon erhalten geblieben, der später in das Renaissanceensemble integriert wurde. Seine Geschichte verbindet Villandry sogar mit einem wichtigen Ereignis zwischen England und Frankreich, denn 1189 wurde hier ein Vertrag geschlossen, der als Frieden von Colombiers in die Geschichte einging.
Seine heutige Gestalt erhielt Villandry im 16. Jahrhundert, als Jean Breton, Finanzsekretär von Franz I., die mittelalterliche Festung durch ein repräsentatives Schloss der Renaissance ersetzen ließ. Jahrhunderte später geriet das Anwesen jedoch mehrfach in Gefahr und verlor zeitweise sogar seinen ursprünglichen Charakter, bevor Joachim Carvallo und seine Ehefrau Ann Coleman es 1906 erwarben und ihrem Leben fortan der Restaurierung von Schloss und Gärten widmeten.

Als erster namentlich bekannter Herr von Colombiers gilt Geoffroy I. Le Roux (1025–1091), der aus dem Umfeld der Herren von Chinon stammte. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts gelangte Colombiers über familiäre Verbindungen in den Besitz der einflussreichen Familie d’Amboise. Damit begann eine Entwicklung, in der die Herrschaft über den Ort zunehmend mit den großen Adelsfamilien der Touraine verbunden war.
Eine besondere Bedeutung erhielt Colombiers am 4. Juli 1189. In der dortigen Festung trafen sich Heinrich II. Plantagenet (1133–1189), König von England, und Philipp II. August (1165–1223), König von Frankreich. Das damalige Plantagenet-Reich umfasste die Normandie, die Bretagne, die Touraine, Maine, Anjou, Poitou und Aquitanien.
Heinrich II. musste nach seiner Niederlage die Ansprüche seines Sohnes Richard Löwenherz (1157–1199) anerkennen und ihn als seinen Erben bestätigen. Nur zwei Tage später starb der englische König. Der Frieden von Colombiers wurde damit zu einem bemerkenswerten Moment in den Auseinandersetzungen zwischen den Plantagenets und der französischen Krone.
Im Laufe des Mittelalters wechselte die Herrschaft über Colombiers mehrfach den Besitzer und gelangte unter anderem an die Familien d'Amboise, Savary, Craon und Chabot. Erst im frühen 16. Jahrhundert begann jene Entwicklung, die aus der alten Festung das heutige Château de Villandry machen sollte.
Jean Breton war damit Teil einer neuen Schicht wohlhabender königlicher Amtsträger, die im 16. Jahrhundert zunehmend selbst zu Bauherren repräsentativer Schlösser wurden. Unter Franz I. setzte sich in Frankreich ein neuer architektonischer und kultureller Stil durch, der stark von den Eindrücken der Italienischen Kriege (1494-1559) und der italienischen Renaissance geprägt war. Der König wollte den französischen Hof kulturell aufwerten und mit den angesehenen Höfen Italiens konkurrieren. Neben großen königlichen Bauprojekten wie Chambord entstanden im Loiretal zahlreiche Residenzen, die von einflussreichen Beamten und Angehörigen des Hofes errichtet oder umgestaltet wurden. Zu den bekanntesten Beispielen dieser Entwicklung gehören Azay-le-Rideau, Chenonceau und Beauregard. Auch Villandry steht somit im Zusammenhang mit jener Renaissance-Baukultur, die das Loiretal im 16. Jahrhundert nachhaltig prägte.
Jean Breton ließ die alte Festung weitgehend abtragen und an ihrer Stelle ein neues Schloss errichten, wobei der mittelalterliche Donjon erhalten blieb. Der neue Bau entsprach den Vorstellungen der französischen Renaissance und öffnete sich wesentlich stärker zur Landschaft als die wehrhafte Anlage des Mittelalters. Drei Gebäudeflügel wurden um einen Innenhof angeordnet, der sich zur Landschaft hin öffnet und den Blick über die Täler von Loire und Cher ermöglicht.
Zur ursprünglichen Gestaltung des Ehrenhofs gehörte außerdem eine repräsentative Außentreppe, die an das berühmte Treppenwerk des Schlosses von Blois angelehnt war. Sie befand sich an der rechten Seite des Hofes und bildete einen wichtigen Bestandteil des Renaissanceensembles. Im 18. Jahrhundert ging dieses architektonische Element jedoch verloren: Michel-Ange de Castellane ließ die Treppe im Zuge seiner Umbauten beseitigen.
Galerien mit Arkaden, reich verzierte Pilaster und Sprossenfenster sowie hohe Dachgauben mit kunstvoll gestalteten Giebeln verleihen dem Schloss sein charakteristisches Renaissancegepräge. Dazu kommen die steil ansteigenden Schieferdächer, deren große, ausladende Dachflächen dem Bau seine markante Silhouette geben. Klare Linien, Symmetrie und helle Fassaden bestimmen das Erscheinungsbild. Die in Villandry entwickelte Verbindung aus französischer Bautradition und neuen Renaissanceformen weist zugleich auf die Architektur späterer Jahrzehnte voraus. Vergleichbare Gestaltungsideen finden sich später etwa in Anet und Fontainebleau und entwickeln sich schließlich zu Merkmalen des unter Heinrich IV. (1572–1610) geprägten französischen Baustils weiter.
Der einzige deutlich mittelalterliche Bestandteil ist der Donjon, der mit seinen Zinnen und Wehrformen bis heute einen Kontrast zur Eleganz des Renaissancebaus bildet.
Für die Gestaltung des neuen Schlosses spielte auch Bretons Ehefrau Anne Gédoyn eine wichtige Rolle. Aufgrund seiner Verpflichtungen am königlichen Hof konnte sich Jean Breton nicht ständig um die Bauarbeiten in Colombiers kümmern, sodass Anne Gédoyn deren Verlauf maßgeblich begleitete. Nach dem Tod ihres Mannes am 19. August 1542 empfing sie am 17. Januar 1543 sogar Franz I. in Villandry. Die königliche Visite zeigt, welchen gesellschaftlichen Rang das Anwesen bereits wenige Jahre nach Beginn des Neubaus erreicht hatte.
Während dieser langen Zeit blieb der Renaissancecharakter des Schlosses weitgehend erhalten. Erst im 18. Jahrhundert änderten sich die Vorstellungen davon, wie ein komfortabler Adelssitz aussehen sollte, und Villandry erlebte einen tiefgreifenden Wandel, der nicht nur die Innenräume, sondern auch die Gärten betraf.
Michel-Ange de Castellane empfand das Renaissance Schloss allerdings als wenig komfortabel und ließ es entsprechend den Vorstellungen des 18. Jahrhunderts modernisieren. Die Innenräume erhielten neue Holzvertäfelungen, die nicht nur dekorativen Zwecken dienten, sondern auch für eine bessere Wärmeisolierung und Schalldämmung sorgten. Besonders sehenswert ist noch heute die Louis XV Treppe, deren schmiedeeisernes Geländer mit den ineinander verschlungenen Initialen des neuen Besitzers versehen ist. Auch der Speisesaal mit seinen warmen provenzalischen Farbtönen stammt in seiner heutigen Form weitgehend aus dieser Zeit. Sowohl die Louis-XV-Treppe als auch der Speisesaal stehen seit 1934 unter Denkmalschutz und wurden als Monument historique eingestuft.
Noch stärker veränderte Castellane jedoch das äußere Erscheinungsbild. Renaissancefenster wurden umgestaltet, neue Öffnungen geschaffen und mit Balkonen und Balustraden versehen, während Teile der Arkaden des Ehrenhofs zugemauert wurden. In dieser Zeit verschwand auch der Turm im Ehrenhof, der ursprünglich die Außentreppe aufgenommen hatte und nach dem Bau einer neuen Innentreppe überflüssig geworden war. Auch die mittelalterliche Befestigungsstruktur wurde teilweise verändert, indem ein Teil der Wassergräben zugeschüttet wurde.
Die zahlreichen Veränderungen beeinträchtigten die ursprüngliche Gestaltung der Renaissancefassade erheblich und ließen einen Teil ihres charakteristischen Erscheinungsbildes verloren gehen, während gleichzeitig die Gärten den Vorstellungen des französischen Gartenstils angepasst wurden.
Ab 1760 ließ Castellane zusätzliche Grundstücke erwerben und gestaltete die Gartenanlagen zu einem klassischen französischen Garten um. Geradlinige Wege, streng gegliederte Beete, Terrassen und ein großes Wasserbecken ersetzten die Renaissancegestaltung. Auch der Pavillon de l'Audience entstand in dieser Zeit und erhielt seinen Namen von der Funktion, die er für Castellane erfüllte, denn hier empfing der Besitzer Besucher und hielt Audienzen ab.
Mit dem Beginn der Französischen Revolution geriet auch die Familie de Castellane zunehmend unter Druck. Finanzielle Schwierigkeiten häuften sich und politische Veränderungen führten schließlich zum Verkauf des Anwesens im Jahr 1791 samt Mobiliar, Nebengebäuden und Ländereien an François Chénais, einen wohlhabenden Kaufmann aus Nantes. Esprit-François-Henri de Castellane zog daraufhin nach Paris.
Für Chénais erwies sich Villandry allerdings bald als kostspielige Belastung. Sein Vermögen war unter anderem durch Geschäfte mit Kaffeeplantagen und den Sklavenhandel in den französischen Kolonien entstanden, doch die politischen Umwälzungen und der Aufstand in Saint-Domingue brachten seine wirtschaftlichen Pläne ins Wanken. Gleichzeitig verursachte der Unterhalt des großen Anwesens erhebliche Kosten. Am 16. Februar 1801 überließ er das Anwesen für nur etwa ein Drittel seines damaligen Wertes an Gabriel-Julien Ouvrard (1770–1846), einen einflussreichen Finanzier und Spekulanten, der zu dieser Zeit mehrere Schlösser im Loiretal erwarb.
Damit begann für Villandry eine besonders bewegte Phase. In den folgenden Jahren wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer und geriet dabei immer wieder in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zu den Eigentümern gehörte auch Jérôme Bonaparte (1784–1860), der jüngere Bruder Napoleons I. (1769–1821). Er erwarb Villandry 1813, konnte sich jedoch nur kurze Zeit an dem Besitz erfreuen, denn nach dem Ende des Kaiserreichs musste die Familie Bonaparte Frankreich verlassen.
1814 wurde Villandry im Rahmen eines komplizierten Tauschgeschäfts an Pierre-Laurent Hainguerlot (1767–1841) übertragen. Die rechtlichen Auseinandersetzungen um diesen Besitzwechsel zogen sich jedoch über Jahre hin und wurden erst 1823 endgültig geklärt. Damit gelangte Villandry schließlich in die Hände der Familie Hainguerlot, die das Schloss über mehrere Jahrzehnte erhalten und erneut zu einem gesellschaftlich bedeutenden Anwesen machen sollte.
Auch die Gärten veränderten sich in dieser Zeit erneut. Der streng gegliederte französische Garten galt im 19. Jahrhundert zunehmend als überholt und wurde durch einen englischen Landschaftspark ersetzt. Geschwungene Wege, weitläufige Rasenflächen, und locker angeordnete Bäume und Sträucher bestimmten nun das Erscheinungsbild. Für Villandry bedeutete diese Umgestaltung einen deutlichen Bruch mit seiner Renaissancegeschichte.
Nach dem Tod von Stéphanie Oudinot fiel das Anwesen 1894 an Alfred Hainguerlot. Nur wenige Jahre später wurde Villandry erneut zum Verkauf angeboten und wechselte 1900 an den Physiker und Apotheker François-Pierre Le Roux. Er plante, die Wasserkraft des Anwesens für eine pharmazeutische Fabrik zu nutzen, gab dieses Vorhaben jedoch wieder auf. Als das Schloss anschließend erneut auf den Markt kam, war sein Zustand inzwischen so bedenklich, dass sogar ein Abbruch und die Verwendung der Steine als Baumaterial drohten.
Carvallo erkannte, dass Villandry seinen eigentlichen Charakter verloren hatte und wollte möglichst genau rekonstruieren, wie Villandry in der Renaissance ausgesehen haben könnte. Bei diesem Vorhaben ging Carvallo ungewöhnlich wissenschaftlich vor. Er wertete alte Pläne, historische Schriften und Karten aus und ließ archäologische Untersuchungen durchführen. Auch das napoleonische Kataster half ihm dabei, die ursprüngliche Lage bestimmter Gartenbereiche zu bestimmen. Zwischen 1908 und 1918 entstand auf diese Weise Schritt für Schritt jene Gartenanlage, die heute als charakteristisches Merkmal von Villandry gilt.
Auch am Schloss selbst wurden die Veränderungen des 18. Jahrhunderts teilweise rückgängig gemacht. Fenster und Fassadenelemente erhielten wieder ihre Renaissanceformen und der Bau wurde von später hinzugefügten Veränderungen befreit. Rund 100 Maurer waren an den Restaurierungsarbeiten beteiligt. Damit gewann Villandry nicht nur einen großen Teil seiner ursprünglichen Gestalt zurück, sondern auch jene Verbindung zwischen Gebäude und Garten, die für die Renaissance typisch war.
Joachim Carvallo wollte Villandry nicht ausschließlich als privaten Familiensitz erhalten. Bereits 1920 öffnete er das Schloss und die Gärten für Besucher und machte damit das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Arbeit einem breiten Publikum zugänglich. Sein Engagement für den Schutz historischer Wohnsitze beschränkte sich jedoch nicht auf Villandry. Carvallo gründete die Vereinigung „La Demeure Historique“, die sich dem Erhalt und der Pflege historischer Schlösser, Herrenhäuser und anderer bedeutender Anwesen widmet.
Gleichzeitig blieb Villandry ein Familiensitz, denn seine Nachkommen setzten die Arbeit des Gründers fort und kümmerten sich weiterhin um die Erhaltung des Anwesens. Heute führt Henri Carvallo, der Urenkel von Joachim Carvallo und Ann Coleman, diese Tradition fort.
Besonders bekannt ist der Potager, also der dekorative Gemüsegarten. Gemüse und Blumen werden hier nicht einfach zweckmäßig nebeneinander gepflanzt, sondern zu geometrischen Mustern zusammengestellt. Die Farben der verschiedenen Pflanzen bilden dabei einen regelrechten Teppich, dessen Erscheinungsbild sich mit den Jahreszeiten verändert. Nutzpflanzen werden dadurch selbst zum Gestaltungselement und verbinden Gartenkunst mit praktischem Nutzen.
Der Garten der Liebe gehört zu den auffälligsten Bereichen von Villandry. Die Beete sind so angeordnet, dass ihre Formen verschiedene symbolische Bedeutungen erhalten und mit Liebe, Leidenschaft und Gefühlen verbunden werden. Die streng geschnittenen Buchsbaumhecken geben den einzelnen Motiven ihre klare Kontur und machen besonders von den höher gelegenen Terrassen deutlich, wie stark die Anlage auf geometrische Ordnung ausgerichtet ist.
Eine andere Atmosphäre vermittelt der Wassergarten. Das große Becken bildet einen ruhigen Mittelpunkt und war bereits Teil der Gartenanlage des 18. Jahrhunderts. Joachim Carvallo griff bei seiner Restaurierung auf historische Pläne zurück und integrierte diesen Bereich in das Gesamtkonzept seiner Renaissancegärten.
Der jüngste Garten ist der Jardin du Soleil, der 2008 eröffnet wurde. Er basiert auf einem Entwurf, den Joachim Carvallo bereits 1924 angefertigt hatte, und verbindet drei unterschiedlich gestaltete Bereiche miteinander. Der Garten der Sonne, der Garten der Wolken und der Garten der Kinder bilden dabei ein zeitgenössisches Element innerhalb der historischen Anlage.
Seit 2009 orientiert sich die Gartenpflege stärker an ökologischen und nachhaltigen Methoden, wobei insbesondere im Potager auf eine möglichst schonende Bewirtschaftung geachtet wird.
Château de Villandry
3 rue Principale, 37510 Villandry
Anreise
Kostenlose Parkplätze für Autos und Busse befinden sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses.
Tarife
Schloss und Gärten 14€, ermäßigt 8€
Gärten allein 8,50 €, ermäßigt 5,50€
Audioguide 4€
Kinder unter acht Jahren haben freien Eintritt.
Der ermäßigte Tarif gilt für Kinder zwischen 8 und 17 Jahren, Schülerinnen und Schüler, Studierende unter 25 Jahren sowie Arbeitssuchende.
Öffnungszeiten
Die Gärten sind grundsätzlich ganzjährig geöffnet, mit Ausnahme des 25. Dezember.
Die genauen Öffnungszeiten unterscheiden sich je nach Jahreszeit.
Internetseite
https://www.chateauvillandry.fr/
Die Geschichte von Villandry reicht bis ins Mittelalter zurück, als der Ort noch Colombiers hieß und eine befestigte Anlage die Landschaft beherrschte. Von dieser Zeit ist heute vor allem der mächtige Donjon erhalten geblieben, der später in das Renaissanceensemble integriert wurde. Seine Geschichte verbindet Villandry sogar mit einem wichtigen Ereignis zwischen England und Frankreich, denn 1189 wurde hier ein Vertrag geschlossen, der als Frieden von Colombiers in die Geschichte einging.
Seine heutige Gestalt erhielt Villandry im 16. Jahrhundert, als Jean Breton, Finanzsekretär von Franz I., die mittelalterliche Festung durch ein repräsentatives Schloss der Renaissance ersetzen ließ. Jahrhunderte später geriet das Anwesen jedoch mehrfach in Gefahr und verlor zeitweise sogar seinen ursprünglichen Charakter, bevor Joachim Carvallo und seine Ehefrau Ann Coleman es 1906 erwarben und ihrem Leben fortan der Restaurierung von Schloss und Gärten widmeten.
Villandry im Mittelalter
Die Geschichte des heutigen Château de Villandry beginnt lange vor der Renaissance, denn im Mittelalter trug das Anwesen noch den Namen Colombiers. Bereits im 11. Jahrhundert befand sich hier eine befestigte Anlage, die in einer Zeit entstand, in der das Loiretal von den politischen Auseinandersetzungen zwischen den Grafschaften Blois und Anjou geprägt war. Von der mittelalterlichen Festung ist heute nur noch der Donjon erhalten, doch gerade dieser mächtige Turm macht deutlich, dass Villandry ursprünglich nicht als elegante Sommerresidenz, sondern als befestigter Herrensitz angelegt worden war. Auch die Lage des Ortes dürfte für seine Befestigung von Bedeutung gewesen sein. Colombiers lag in einer geschützten Tallage zwischen Tours und Saumur und nahm damit eine strategisch günstige Position innerhalb des regionalen Verkehrs- und Herrschaftsraums ein.Als erster namentlich bekannter Herr von Colombiers gilt Geoffroy I. Le Roux (1025–1091), der aus dem Umfeld der Herren von Chinon stammte. Im Verlauf des 12. Jahrhunderts gelangte Colombiers über familiäre Verbindungen in den Besitz der einflussreichen Familie d’Amboise. Damit begann eine Entwicklung, in der die Herrschaft über den Ort zunehmend mit den großen Adelsfamilien der Touraine verbunden war.
Eine besondere Bedeutung erhielt Colombiers am 4. Juli 1189. In der dortigen Festung trafen sich Heinrich II. Plantagenet (1133–1189), König von England, und Philipp II. August (1165–1223), König von Frankreich. Das damalige Plantagenet-Reich umfasste die Normandie, die Bretagne, die Touraine, Maine, Anjou, Poitou und Aquitanien.
Heinrich II. musste nach seiner Niederlage die Ansprüche seines Sohnes Richard Löwenherz (1157–1199) anerkennen und ihn als seinen Erben bestätigen. Nur zwei Tage später starb der englische König. Der Frieden von Colombiers wurde damit zu einem bemerkenswerten Moment in den Auseinandersetzungen zwischen den Plantagenets und der französischen Krone.
Im Laufe des Mittelalters wechselte die Herrschaft über Colombiers mehrfach den Besitzer und gelangte unter anderem an die Familien d'Amboise, Savary, Craon und Chabot. Erst im frühen 16. Jahrhundert begann jene Entwicklung, die aus der alten Festung das heutige Château de Villandry machen sollte.
Jean Breton und der Bau des Renaissance Schlosses
Am 4. März 1532 erwarb Jean Breton (ca. 1490-1542) die Herrschaft Colombiers für 35.000 Livres. Er war Finanzsekretär von König Franz I. (1494–1547) und gehörte damit zu einem Kreis einflussreicher Amtsträger, die durch ihre Nähe zum Hof zu erheblichem Vermögen und gesellschaftlichem Ansehen gelangten. Für ihn war Colombiers nicht nur ein Grundbesitz, sondern die Möglichkeit, seinen sozialen Rang durch eine repräsentative Residenz sichtbar zu machen.Jean Breton war damit Teil einer neuen Schicht wohlhabender königlicher Amtsträger, die im 16. Jahrhundert zunehmend selbst zu Bauherren repräsentativer Schlösser wurden. Unter Franz I. setzte sich in Frankreich ein neuer architektonischer und kultureller Stil durch, der stark von den Eindrücken der Italienischen Kriege (1494-1559) und der italienischen Renaissance geprägt war. Der König wollte den französischen Hof kulturell aufwerten und mit den angesehenen Höfen Italiens konkurrieren. Neben großen königlichen Bauprojekten wie Chambord entstanden im Loiretal zahlreiche Residenzen, die von einflussreichen Beamten und Angehörigen des Hofes errichtet oder umgestaltet wurden. Zu den bekanntesten Beispielen dieser Entwicklung gehören Azay-le-Rideau, Chenonceau und Beauregard. Auch Villandry steht somit im Zusammenhang mit jener Renaissance-Baukultur, die das Loiretal im 16. Jahrhundert nachhaltig prägte.
Jean Breton ließ die alte Festung weitgehend abtragen und an ihrer Stelle ein neues Schloss errichten, wobei der mittelalterliche Donjon erhalten blieb. Der neue Bau entsprach den Vorstellungen der französischen Renaissance und öffnete sich wesentlich stärker zur Landschaft als die wehrhafte Anlage des Mittelalters. Drei Gebäudeflügel wurden um einen Innenhof angeordnet, der sich zur Landschaft hin öffnet und den Blick über die Täler von Loire und Cher ermöglicht.
Zur ursprünglichen Gestaltung des Ehrenhofs gehörte außerdem eine repräsentative Außentreppe, die an das berühmte Treppenwerk des Schlosses von Blois angelehnt war. Sie befand sich an der rechten Seite des Hofes und bildete einen wichtigen Bestandteil des Renaissanceensembles. Im 18. Jahrhundert ging dieses architektonische Element jedoch verloren: Michel-Ange de Castellane ließ die Treppe im Zuge seiner Umbauten beseitigen.
Galerien mit Arkaden, reich verzierte Pilaster und Sprossenfenster sowie hohe Dachgauben mit kunstvoll gestalteten Giebeln verleihen dem Schloss sein charakteristisches Renaissancegepräge. Dazu kommen die steil ansteigenden Schieferdächer, deren große, ausladende Dachflächen dem Bau seine markante Silhouette geben. Klare Linien, Symmetrie und helle Fassaden bestimmen das Erscheinungsbild. Die in Villandry entwickelte Verbindung aus französischer Bautradition und neuen Renaissanceformen weist zugleich auf die Architektur späterer Jahrzehnte voraus. Vergleichbare Gestaltungsideen finden sich später etwa in Anet und Fontainebleau und entwickeln sich schließlich zu Merkmalen des unter Heinrich IV. (1572–1610) geprägten französischen Baustils weiter.
Der einzige deutlich mittelalterliche Bestandteil ist der Donjon, der mit seinen Zinnen und Wehrformen bis heute einen Kontrast zur Eleganz des Renaissancebaus bildet.
Für die Gestaltung des neuen Schlosses spielte auch Bretons Ehefrau Anne Gédoyn eine wichtige Rolle. Aufgrund seiner Verpflichtungen am königlichen Hof konnte sich Jean Breton nicht ständig um die Bauarbeiten in Colombiers kümmern, sodass Anne Gédoyn deren Verlauf maßgeblich begleitete. Nach dem Tod ihres Mannes am 19. August 1542 empfing sie am 17. Januar 1543 sogar Franz I. in Villandry. Die königliche Visite zeigt, welchen gesellschaftlichen Rang das Anwesen bereits wenige Jahre nach Beginn des Neubaus erreicht hatte.
Zwei Jahrhunderte in den Händen der Familie Breton
Die Nachkommen von Jean Breton behielten Villandry über mehr als zwei Jahrhunderte in ihrem Besitz und prägten damit die weitere Entwicklung des Schlosses. 1619 wurde die Herrschaft auf Wunsch von Balthasar Breton zum Marquisat erhoben, bevor 1639 auch der Name Villandry offiziell an die Stelle der bisherigen Bezeichnung Colombiers trat. Die Bewohner des Ortes werden allerdings bis heute als Colombiens und Colombiennes bezeichnet und erinnern damit an den mittelalterlichen Namen ihrer Heimat.Während dieser langen Zeit blieb der Renaissancecharakter des Schlosses weitgehend erhalten. Erst im 18. Jahrhundert änderten sich die Vorstellungen davon, wie ein komfortabler Adelssitz aussehen sollte, und Villandry erlebte einen tiefgreifenden Wandel, der nicht nur die Innenräume, sondern auch die Gärten betraf.
Michel Ange de Castellane verändert Villandry
Am 23. Juli 1754 wechselte Villandry nach mehr als zwei Jahrhunderten den Besitzer. Louis-Henri d'Aubigné, Marquis de Villandry, verkaufte das Schloss und die dazugehörigen Ländereien an Michel-Ange de Castellane (1703–1782), einen Diplomaten und Botschafter im Dienst von König Ludwig XV. (1710–1774). Mit dem Wechsel der Familie erlosch zugleich das bisherige Marquisat, während Villandry durch königliche Verfügung zum Comté erhoben wurde.Michel-Ange de Castellane empfand das Renaissance Schloss allerdings als wenig komfortabel und ließ es entsprechend den Vorstellungen des 18. Jahrhunderts modernisieren. Die Innenräume erhielten neue Holzvertäfelungen, die nicht nur dekorativen Zwecken dienten, sondern auch für eine bessere Wärmeisolierung und Schalldämmung sorgten. Besonders sehenswert ist noch heute die Louis XV Treppe, deren schmiedeeisernes Geländer mit den ineinander verschlungenen Initialen des neuen Besitzers versehen ist. Auch der Speisesaal mit seinen warmen provenzalischen Farbtönen stammt in seiner heutigen Form weitgehend aus dieser Zeit. Sowohl die Louis-XV-Treppe als auch der Speisesaal stehen seit 1934 unter Denkmalschutz und wurden als Monument historique eingestuft.
Noch stärker veränderte Castellane jedoch das äußere Erscheinungsbild. Renaissancefenster wurden umgestaltet, neue Öffnungen geschaffen und mit Balkonen und Balustraden versehen, während Teile der Arkaden des Ehrenhofs zugemauert wurden. In dieser Zeit verschwand auch der Turm im Ehrenhof, der ursprünglich die Außentreppe aufgenommen hatte und nach dem Bau einer neuen Innentreppe überflüssig geworden war. Auch die mittelalterliche Befestigungsstruktur wurde teilweise verändert, indem ein Teil der Wassergräben zugeschüttet wurde.
Die zahlreichen Veränderungen beeinträchtigten die ursprüngliche Gestaltung der Renaissancefassade erheblich und ließen einen Teil ihres charakteristischen Erscheinungsbildes verloren gehen, während gleichzeitig die Gärten den Vorstellungen des französischen Gartenstils angepasst wurden.
Ab 1760 ließ Castellane zusätzliche Grundstücke erwerben und gestaltete die Gartenanlagen zu einem klassischen französischen Garten um. Geradlinige Wege, streng gegliederte Beete, Terrassen und ein großes Wasserbecken ersetzten die Renaissancegestaltung. Auch der Pavillon de l'Audience entstand in dieser Zeit und erhielt seinen Namen von der Funktion, die er für Castellane erfüllte, denn hier empfing der Besitzer Besucher und hielt Audienzen ab.
Revolution und wechselnde Besitzer
Michel-Ange de Castellane starb am 26. September 1782 im Alter von 79 Jahren in Villandry und wurde in der herrschaftlichen Gruft der Kirche von Villandry beigesetzt. Sein Sohn Esprit-François-Henri de Castellane (1730–1799), Graf von Castellane und Marschall der königlichen Heere, übernahm daraufhin die Herrschaft und sollte der letzte Vertreter der Familie sein, der Villandry als Seigneur besaß.Mit dem Beginn der Französischen Revolution geriet auch die Familie de Castellane zunehmend unter Druck. Finanzielle Schwierigkeiten häuften sich und politische Veränderungen führten schließlich zum Verkauf des Anwesens im Jahr 1791 samt Mobiliar, Nebengebäuden und Ländereien an François Chénais, einen wohlhabenden Kaufmann aus Nantes. Esprit-François-Henri de Castellane zog daraufhin nach Paris.
Für Chénais erwies sich Villandry allerdings bald als kostspielige Belastung. Sein Vermögen war unter anderem durch Geschäfte mit Kaffeeplantagen und den Sklavenhandel in den französischen Kolonien entstanden, doch die politischen Umwälzungen und der Aufstand in Saint-Domingue brachten seine wirtschaftlichen Pläne ins Wanken. Gleichzeitig verursachte der Unterhalt des großen Anwesens erhebliche Kosten. Am 16. Februar 1801 überließ er das Anwesen für nur etwa ein Drittel seines damaligen Wertes an Gabriel-Julien Ouvrard (1770–1846), einen einflussreichen Finanzier und Spekulanten, der zu dieser Zeit mehrere Schlösser im Loiretal erwarb.
Damit begann für Villandry eine besonders bewegte Phase. In den folgenden Jahren wechselte das Schloss mehrfach den Besitzer und geriet dabei immer wieder in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Zu den Eigentümern gehörte auch Jérôme Bonaparte (1784–1860), der jüngere Bruder Napoleons I. (1769–1821). Er erwarb Villandry 1813, konnte sich jedoch nur kurze Zeit an dem Besitz erfreuen, denn nach dem Ende des Kaiserreichs musste die Familie Bonaparte Frankreich verlassen.
1814 wurde Villandry im Rahmen eines komplizierten Tauschgeschäfts an Pierre-Laurent Hainguerlot (1767–1841) übertragen. Die rechtlichen Auseinandersetzungen um diesen Besitzwechsel zogen sich jedoch über Jahre hin und wurden erst 1823 endgültig geklärt. Damit gelangte Villandry schließlich in die Hände der Familie Hainguerlot, die das Schloss über mehrere Jahrzehnte erhalten und erneut zu einem gesellschaftlich bedeutenden Anwesen machen sollte.
Villandry im 19. Jahrhundert
Pierre-Laurent Hainguerlot kümmerte sich zunächst darum, das inzwischen vernachlässigte Schloss wieder instand zu setzen. Sein Sohn Georges-Tom Hainguerlot (1795–1868) führte diese Entwicklung fort und machte Villandry erneut zu einem Ort gesellschaftlicher Zusammenkünfte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Stéphanie Oudinot (1808–1893), der Tochter des napoleonischen Marschalls Nicolas Charles Oudinot (1767–1849), verbrachte er längere Aufenthalte auf dem Anwesen, wo Jagden und große Gesellschaften veranstaltet wurden.Auch die Gärten veränderten sich in dieser Zeit erneut. Der streng gegliederte französische Garten galt im 19. Jahrhundert zunehmend als überholt und wurde durch einen englischen Landschaftspark ersetzt. Geschwungene Wege, weitläufige Rasenflächen, und locker angeordnete Bäume und Sträucher bestimmten nun das Erscheinungsbild. Für Villandry bedeutete diese Umgestaltung einen deutlichen Bruch mit seiner Renaissancegeschichte.
Nach dem Tod von Stéphanie Oudinot fiel das Anwesen 1894 an Alfred Hainguerlot. Nur wenige Jahre später wurde Villandry erneut zum Verkauf angeboten und wechselte 1900 an den Physiker und Apotheker François-Pierre Le Roux. Er plante, die Wasserkraft des Anwesens für eine pharmazeutische Fabrik zu nutzen, gab dieses Vorhaben jedoch wieder auf. Als das Schloss anschließend erneut auf den Markt kam, war sein Zustand inzwischen so bedenklich, dass sogar ein Abbruch und die Verwendung der Steine als Baumaterial drohten.
Joachim Carvallo rettet Villandry
1906 erwarben Joachim Carvallo (1869–1936) und seine Ehefrau Ann Coleman (1870–1940) das inzwischen stark vernachlässigte Anwesen, das zu diesem Zeitpunkt sogar vom Abriss bedroht war. Ann Coleman stammte aus einer wohlhabenden amerikanischen Industriellenfamilie und war Erbin eines großen Vermögens, das ihre Familie als Besitzer bedeutender Stahlunternehmen erworben hatte. Joachim Carvallo war ein aus Spanien stammender Wissenschaftler, der eigentlich eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere vor sich hatte, doch sein Besuch in Villandry veränderte sein Leben. Das Paar erwarb das Anwesen und entschied sich, seine berufliche Tätigkeit weitgehend aufzugeben, um sich vollständig der Restaurierung von Schloss und Gärten zu widmen.Carvallo erkannte, dass Villandry seinen eigentlichen Charakter verloren hatte und wollte möglichst genau rekonstruieren, wie Villandry in der Renaissance ausgesehen haben könnte. Bei diesem Vorhaben ging Carvallo ungewöhnlich wissenschaftlich vor. Er wertete alte Pläne, historische Schriften und Karten aus und ließ archäologische Untersuchungen durchführen. Auch das napoleonische Kataster half ihm dabei, die ursprüngliche Lage bestimmter Gartenbereiche zu bestimmen. Zwischen 1908 und 1918 entstand auf diese Weise Schritt für Schritt jene Gartenanlage, die heute als charakteristisches Merkmal von Villandry gilt.
Auch am Schloss selbst wurden die Veränderungen des 18. Jahrhunderts teilweise rückgängig gemacht. Fenster und Fassadenelemente erhielten wieder ihre Renaissanceformen und der Bau wurde von später hinzugefügten Veränderungen befreit. Rund 100 Maurer waren an den Restaurierungsarbeiten beteiligt. Damit gewann Villandry nicht nur einen großen Teil seiner ursprünglichen Gestalt zurück, sondern auch jene Verbindung zwischen Gebäude und Garten, die für die Renaissance typisch war.
Joachim Carvallo wollte Villandry nicht ausschließlich als privaten Familiensitz erhalten. Bereits 1920 öffnete er das Schloss und die Gärten für Besucher und machte damit das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Arbeit einem breiten Publikum zugänglich. Sein Engagement für den Schutz historischer Wohnsitze beschränkte sich jedoch nicht auf Villandry. Carvallo gründete die Vereinigung „La Demeure Historique“, die sich dem Erhalt und der Pflege historischer Schlösser, Herrenhäuser und anderer bedeutender Anwesen widmet.
Gleichzeitig blieb Villandry ein Familiensitz, denn seine Nachkommen setzten die Arbeit des Gründers fort und kümmerten sich weiterhin um die Erhaltung des Anwesens. Heute führt Henri Carvallo, der Urenkel von Joachim Carvallo und Ann Coleman, diese Tradition fort.
Die berühmten Gärten von Villandry
Heute sind es vor allem die Gärten, die Villandry weltberühmt gemacht haben. Sie erstrecken sich über mehrere Terrassen und verbinden verschiedene Gartenformen miteinander, wobei die Gesamtanlage auf sieben Bereiche gegliedert ist. Dazu gehören der Ziergemüsegarten, der Garten der Liebe und der Kreuze, der Musikgarten, der Kräutergarten, das Labyrinth, der Wassergarten und der jüngere Jardin du Soleil.Besonders bekannt ist der Potager, also der dekorative Gemüsegarten. Gemüse und Blumen werden hier nicht einfach zweckmäßig nebeneinander gepflanzt, sondern zu geometrischen Mustern zusammengestellt. Die Farben der verschiedenen Pflanzen bilden dabei einen regelrechten Teppich, dessen Erscheinungsbild sich mit den Jahreszeiten verändert. Nutzpflanzen werden dadurch selbst zum Gestaltungselement und verbinden Gartenkunst mit praktischem Nutzen.
Der Garten der Liebe gehört zu den auffälligsten Bereichen von Villandry. Die Beete sind so angeordnet, dass ihre Formen verschiedene symbolische Bedeutungen erhalten und mit Liebe, Leidenschaft und Gefühlen verbunden werden. Die streng geschnittenen Buchsbaumhecken geben den einzelnen Motiven ihre klare Kontur und machen besonders von den höher gelegenen Terrassen deutlich, wie stark die Anlage auf geometrische Ordnung ausgerichtet ist.
Eine andere Atmosphäre vermittelt der Wassergarten. Das große Becken bildet einen ruhigen Mittelpunkt und war bereits Teil der Gartenanlage des 18. Jahrhunderts. Joachim Carvallo griff bei seiner Restaurierung auf historische Pläne zurück und integrierte diesen Bereich in das Gesamtkonzept seiner Renaissancegärten.
Der jüngste Garten ist der Jardin du Soleil, der 2008 eröffnet wurde. Er basiert auf einem Entwurf, den Joachim Carvallo bereits 1924 angefertigt hatte, und verbindet drei unterschiedlich gestaltete Bereiche miteinander. Der Garten der Sonne, der Garten der Wolken und der Garten der Kinder bilden dabei ein zeitgenössisches Element innerhalb der historischen Anlage.
Seit 2009 orientiert sich die Gartenpflege stärker an ökologischen und nachhaltigen Methoden, wobei insbesondere im Potager auf eine möglichst schonende Bewirtschaftung geachtet wird.
Nützliche Informationen
AdresseChâteau de Villandry
3 rue Principale, 37510 Villandry
Anreise
Kostenlose Parkplätze für Autos und Busse befinden sich in unmittelbarer Nähe des Schlosses.
Tarife
Schloss und Gärten 14€, ermäßigt 8€
Gärten allein 8,50 €, ermäßigt 5,50€
Audioguide 4€
Kinder unter acht Jahren haben freien Eintritt.
Der ermäßigte Tarif gilt für Kinder zwischen 8 und 17 Jahren, Schülerinnen und Schüler, Studierende unter 25 Jahren sowie Arbeitssuchende.
Öffnungszeiten
Die Gärten sind grundsätzlich ganzjährig geöffnet, mit Ausnahme des 25. Dezember.
Die genauen Öffnungszeiten unterscheiden sich je nach Jahreszeit.
Internetseite
https://www.chateauvillandry.fr/