Wer heute durch Lisieux spaziert, ahnt auf den ersten Blick kaum, welche historische Tiefe sich hinter der eher nüchternen Stadtlandschaft verbirgt. Und doch gehört Lisieux zu den ältesten Städten der Normandie und zu den bedeutendsten religiösen Orten Frankreichs. Nach Lourdes ist sie die zweitgrößte Wallfahrtsstadt des Landes. Ihr Ruhm gründet sich auf eine junge Frau, die nie die Welt bereiste und dennoch Millionen Menschen berührte: Sainte-Thérèse de Lisieux.
Im 15. Jahrhundert geriet Lisieux ins Zentrum der großen Machtkämpfe um die Normandie. Im Jahr 1449 nahm das königliche Heer Karls VII. (1403-1461) die Stadt nach nur drei Tagen ein. Thomas Basin, Bischof von Lisieux handelte am 16. August die Kapitulation seiner Bischofsstadt aus. Wenige Jahrzehnte später präsentierte sich Lisieux als stark befestigter Ort. Um 1491 war sie von einer imposanten Mauer mit tiefen Gräben umgeben, verstärkt durch rund zwanzig Türme und gesichert durch vier Stadttore. Der Verlauf dieser Verteidigungsanlage lässt sich noch heute im Stadtbild nachzeichnen, etwa entlang des Quai des Remparts und mehrerer großer Boulevards, die teilweise auf den Fundamenten der römischen Befestigung ruhen. Zwei Türme haben die Jahrhunderte überdauert und erinnern bis heute an die wehrhafte Vergangenheit der Stadt.
Mit der Industrialisierung hielt auch in Lisieux der Fortschritt Einzug. Bereits 1838 griff die lokale Presse die Idee einer Eisenbahnverbindung auf und weckte damit große Erwartungen in der Bevölkerung. Ein entscheidender Schritt folgte 1852, als der Staat den Bau der Bahnlinie von Paris nach Cherbourg beschloss und Lisieux in diese wichtige Verkehrsachse einband. Der neue Bahnhof, südlich des Stadtzentrums gelegen, wurde 1855 eröffnet und machte die Stadt erstmals direkt per Zug erreichbar. Ab 1858 entwickelte sich Lisieux zu einem strategischen Verkehrsknoten. Von hier aus führten neue Bahnstrecken zunächst nach Pont-l’Évêque und später weiter an die normannische Küste, wodurch Lisieux enger mit den Hafenstädten und eleganten Badeorten der Region verknüpft wurde.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Lisieux zu einem bedeutenden Zentrum der Textilproduktion. Die Fabriken der Stadt stellten Stoffe, Leinenwaren und robuste Arbeitskleidung her. In dieser Zeit entstanden mehrere neue Betriebe, darunter die bekannte Textilfabrik in Orival, die am 3. Juli 1860 von Jean-Lambert Fournet eröffnet wurde. Bereits 1841 hatte er eine Flachsspinnerei gegründet, die heute als Leroy-Fabrik bekannt ist. Um 1880 begann die Baumwolle, die bisher dominierenden Materialien Wolle und Flachs zu verdrängen und prägte zunehmend die Textilherstellung in der Stadt.
Im 20. Jahrhundert gewann die Verehrung der Heiligen Thérèse von Lisieux stark an Bedeutung. Zu ihren Ehren wurde auf einem der Hügel der Stadt eine große neugotisch-byzantinische Kirche errichtet, die schnell die alte Kathedrale in Bekanntheit und Anziehungskraft übertraf, welche fortan als Pfarrkirche diente. Die enge Verbindung Thérèses zum Carmel in Lisieux machte die Stadt zum zweitwichtigsten Wallfahrtsort Frankreichs nach Lourdes. Die Basilika Sainte-Thérèse wurde am 11. Juli 1937 von Eugenio Pacelli, dem damaligen päpstlichen Legaten und späteren Papst Pius XII., feierlich geweiht.
Vor 1944 galt Lisieux als „Hauptstadt des geschnitzten Holzes“. Die engen Gassen der Stadt waren gesäumt von Fachwerkhäusern mit kunstvoll verzierten Erkern und Fassaden, in denen seit Jahrhunderten Geschäfte betrieben wurden. Doch im Juni 1944 wurden große Teile der Stadt zerstört und mehr als 800 Menschen kamen ums Leben, darunter zwanzig Nonnen des Benediktinerklosters. Erst am 23. August konnten alliierte Truppen Lisieux befreien.
Die älteste Tochter, Marie, trat 1886 in den Carmel von Lisieux ein. Zuvor war 1882 Pauline als erste Schwester in das Kloster getreten. Thérèse selbst, damals erst 15 Jahre alt, wünschte ebenfalls, in das Kloster einzutreten. Am 2. Juni 1887 wandte sie an ihren Vater, um seine Zustimmung zu erhalten. Nach intensiven Bemühungen gelang es ihr in den Carmel von Lisieux einzutreten, wo sie den Großteil ihrer kurzen Lebenszeit mit Gebet, Demut und dem Dienst an ihren Mitschwestern verbrachte. 1894 folgte ihre Schwester Céline.
Thérèse starb im Alter von nur 24 Jahren an Tuberkulose, doch nach ihrem Tod verbreitete sich ihre Popularität schnell. Kurz vor ihrem Tod schrieb sie ihre Erinnerungen und ihre Art, Religion zu verstehen, in einem Buch mit dem Titel „Geschichte einer Seele“, nieder. 1923 wurde sie selig- und 1925 sogar heiliggesprochen.
Mit ihrer Mischung aus neo‑byzantinischen Formen und dekorativen Elementen erinnert sie an monumentale Kirchen wie die Sacré‑Cœur in Paris.
Der Grundstein wurde 1929 unter der Leitung des Architekten Louis‑Marie Cordonnier gelegt und die Basilika schon 1937 vom Kardinal Eugenio Pacelli gesegnet. Nach dem Tod des Architekten übernahm sein Sohn Louis‑Stanislas das Projekt, das sich trotz des Zweiten Weltkriegs langsam bis zur feierlichen Weihe 1954 durch den Erzbischof von Rouen fortsetzte.
Im Inneren beeindrucken Marmorverkleidungen und farbenprächtige Mosaiken, die Szenen aus dem Leben und der Botschaft der heiligen Thérèse darstellen. Diese Werke stammen von Jean Gaudin und seinem Sohn Pierre. Die Kuppel erhebt sich hoch über dem Kirchenschiff.
Die Krypta, ein eigenständiger unterer Kirchenraum, beherbergt die Reliquien ihrer Eltern, Louis und Zélie Martin, und ist in drei Schiffe gegliedert, deren Dekoration ebenfalls in kunstvoller Mosaikarbeit gestaltet ist.
Das Bauwerk fasst bis zu 4000 Besucher und jährlich kommen über 800.000 Besucher, um die Basilika zu besichtigen.
Die Räume des Hauses, darunter Küche, Esszimmer und Schlafzimmer, vermitteln einen intimen Eindruck vom Alltag der Familie Martin und sind mit historischen Objekten ausgestattet. Besonders bemerkenswert sind der Kamin und der Garten mit Brunnen, vor dem Thérèse 1887 um Erlaubnis bat, in den Carmel einzutreten.
Louis Martin litt in den letzten Jahren seines Lebens unter schwereren Schwindelgefühlen und Gedächtnisproblemen. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme spendete er für den Bau des Hochaltars der Kathedrale von Lisieux, und 1890 unterstützte er den Carmel finanziell. Kurze Zeit später erlitt er jedoch eine schwere Krise, die schließlich zur Einweisung ins Asyl „Bon-Sauveur“ in Caen führte, wo er die nächsten drei Jahre verbrachte.
1892 kehrte Louis Martin nach Hause zurück, traf seine Töchter im Carmel zum ersten Mal nach vier Jahren und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens unter der Obhut von Céline und Léonie. Seine Gesundheit verschlechterte sich zunehmend, bis er am 29. Juli 1894 starb und in Lisieux beigesetzt wurde.
Die Möbel des Elternhauses wurden verstreut und einige dem Carmel gegeben. Ab 1910 strömten Pilger nach Les Buissonnets, doch das Haus war in einem ziemlich schlechten Zustand. 1922 kaufte die Kirche das Anwesen, und 1931 wurde im Garten eine weiße Marmorskulptur aufgestellt, die Thérèse zeigt, wie sie ihren Vater um die Erlaubnis bittet, in den Carmel zu gehen. Les Buissonnets ist heute ein Museum.
Das alte Kloster entspricht dem klassischen Grundriss des karmlitischen Ordens, wie ihn die Reformerin Teresa von Ávila im 16. Jahrhundert geprägt hat. Ein rechteckiger Innenhof mit Kreuz steht im Zentrum und wird von den wichtigsten Gemeinschaftsräumen umschlossen, darunter der Chorkapelle, dem Refektorium, der Küche und dem sogenannten „Chauffoir“, dem einzigen beheizten Raum des alten Gebäudes.
Die Kapelle des Carmels hat sich über die Jahrzehnte kaum verändert. Ihre klassizistische Westfassade mit ionischen Säulen, halbkreisförmigem Portal und dreieckigem Giebel vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Erhabenheit. 1923 wurde sie erweitert, um Platz für die Reliquien der heiligen Thérèse zu schaffen.
1944 war der Carmel eines der seltenen Denkmäler in Lisieux, das von den Bombardierungen und Kämpfen verschont blieb.
Eine alte Stadt mit wechselvollem Schicksal
Bereits in gallorömischer Zeit war Lisieux unter dem Namen Noviomagus Lexoviorum das politische und administrative Zentrum des keltischen Stammes der Lexovier. Mit der Christianisierung entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden religiösen Mittelpunkt, dessen Einfluss im Mittelalter durch ein eigenes Bistum gefestigt wurde. Die Kathedrale Saint-Pierre, deren Bau im 12. Jahrhundert begann und über mehrere Jahrhunderte fortgeführt wurde, steht bis heute als steinernes Zeugnis dieser Epoche, in der Lisieux kirchlich wie politisch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielte.Im 15. Jahrhundert geriet Lisieux ins Zentrum der großen Machtkämpfe um die Normandie. Im Jahr 1449 nahm das königliche Heer Karls VII. (1403-1461) die Stadt nach nur drei Tagen ein. Thomas Basin, Bischof von Lisieux handelte am 16. August die Kapitulation seiner Bischofsstadt aus. Wenige Jahrzehnte später präsentierte sich Lisieux als stark befestigter Ort. Um 1491 war sie von einer imposanten Mauer mit tiefen Gräben umgeben, verstärkt durch rund zwanzig Türme und gesichert durch vier Stadttore. Der Verlauf dieser Verteidigungsanlage lässt sich noch heute im Stadtbild nachzeichnen, etwa entlang des Quai des Remparts und mehrerer großer Boulevards, die teilweise auf den Fundamenten der römischen Befestigung ruhen. Zwei Türme haben die Jahrhunderte überdauert und erinnern bis heute an die wehrhafte Vergangenheit der Stadt.
Mit der Industrialisierung hielt auch in Lisieux der Fortschritt Einzug. Bereits 1838 griff die lokale Presse die Idee einer Eisenbahnverbindung auf und weckte damit große Erwartungen in der Bevölkerung. Ein entscheidender Schritt folgte 1852, als der Staat den Bau der Bahnlinie von Paris nach Cherbourg beschloss und Lisieux in diese wichtige Verkehrsachse einband. Der neue Bahnhof, südlich des Stadtzentrums gelegen, wurde 1855 eröffnet und machte die Stadt erstmals direkt per Zug erreichbar. Ab 1858 entwickelte sich Lisieux zu einem strategischen Verkehrsknoten. Von hier aus führten neue Bahnstrecken zunächst nach Pont-l’Évêque und später weiter an die normannische Küste, wodurch Lisieux enger mit den Hafenstädten und eleganten Badeorten der Region verknüpft wurde.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Lisieux zu einem bedeutenden Zentrum der Textilproduktion. Die Fabriken der Stadt stellten Stoffe, Leinenwaren und robuste Arbeitskleidung her. In dieser Zeit entstanden mehrere neue Betriebe, darunter die bekannte Textilfabrik in Orival, die am 3. Juli 1860 von Jean-Lambert Fournet eröffnet wurde. Bereits 1841 hatte er eine Flachsspinnerei gegründet, die heute als Leroy-Fabrik bekannt ist. Um 1880 begann die Baumwolle, die bisher dominierenden Materialien Wolle und Flachs zu verdrängen und prägte zunehmend die Textilherstellung in der Stadt.
Im 20. Jahrhundert gewann die Verehrung der Heiligen Thérèse von Lisieux stark an Bedeutung. Zu ihren Ehren wurde auf einem der Hügel der Stadt eine große neugotisch-byzantinische Kirche errichtet, die schnell die alte Kathedrale in Bekanntheit und Anziehungskraft übertraf, welche fortan als Pfarrkirche diente. Die enge Verbindung Thérèses zum Carmel in Lisieux machte die Stadt zum zweitwichtigsten Wallfahrtsort Frankreichs nach Lourdes. Die Basilika Sainte-Thérèse wurde am 11. Juli 1937 von Eugenio Pacelli, dem damaligen päpstlichen Legaten und späteren Papst Pius XII., feierlich geweiht.
Vor 1944 galt Lisieux als „Hauptstadt des geschnitzten Holzes“. Die engen Gassen der Stadt waren gesäumt von Fachwerkhäusern mit kunstvoll verzierten Erkern und Fassaden, in denen seit Jahrhunderten Geschäfte betrieben wurden. Doch im Juni 1944 wurden große Teile der Stadt zerstört und mehr als 800 Menschen kamen ums Leben, darunter zwanzig Nonnen des Benediktinerklosters. Erst am 23. August konnten alliierte Truppen Lisieux befreien.
Die Kindheit der Thérèse Martin
Thérèse de Lisieux, geboren am 2. Januar 1873 als Marie‑Françoise‑Thérèse Martin im normannischen Alençon, war das jüngste von neun Kindern und wuchs in einer zutiefst gläubigen Familie auf, doch der Tod ihrer Mutter, als sie gerade vier Jahre alt war, prägte ihr ganzes Leben. Im Jahr 1877 zog der Vater mit seinen Kindern nach Lisieux, ins Haus Les Buissonnets, das von Onkel Isidore Guérin, dem Bruder von Madame Martin und Apotheker in Lisieux, für die Familie gefunden worden war. Damals befand sich das Haus noch am Stadtrand, in der Gemeinde Saint-Jacques, in einer ruhigen Gegend namens „Village du Nouveau Monde“, und war umgeben von Mauern, mit einem kleinen Garten und Obstbäumen. Es war ein ruhiger Ort, der Thérèse Geborgenheit bot und den sie später liebevoll als „das sanfte Nest meiner Kindheit“ bezeichnete.Die älteste Tochter, Marie, trat 1886 in den Carmel von Lisieux ein. Zuvor war 1882 Pauline als erste Schwester in das Kloster getreten. Thérèse selbst, damals erst 15 Jahre alt, wünschte ebenfalls, in das Kloster einzutreten. Am 2. Juni 1887 wandte sie an ihren Vater, um seine Zustimmung zu erhalten. Nach intensiven Bemühungen gelang es ihr in den Carmel von Lisieux einzutreten, wo sie den Großteil ihrer kurzen Lebenszeit mit Gebet, Demut und dem Dienst an ihren Mitschwestern verbrachte. 1894 folgte ihre Schwester Céline.
Thérèse starb im Alter von nur 24 Jahren an Tuberkulose, doch nach ihrem Tod verbreitete sich ihre Popularität schnell. Kurz vor ihrem Tod schrieb sie ihre Erinnerungen und ihre Art, Religion zu verstehen, in einem Buch mit dem Titel „Geschichte einer Seele“, nieder. 1923 wurde sie selig- und 1925 sogar heiliggesprochen.
Basilika Sainte‑Thérèse – Monument der Hoffnung und des Glaubens
Die Basilika Sainte‑Thérèse thront majestätisch auf einer Anhöhe und ist das wohl bekannteste Wahrzeichen von Lisieux. Sie wurde zu Ehren der heiligen Thérèse von Lisieux errichtet, kurz nach ihrer Heiligsprechung im Jahr 1925, und gilt als eines der größten Pilgerziele in ganz Frankreich.Mit ihrer Mischung aus neo‑byzantinischen Formen und dekorativen Elementen erinnert sie an monumentale Kirchen wie die Sacré‑Cœur in Paris.
Der Grundstein wurde 1929 unter der Leitung des Architekten Louis‑Marie Cordonnier gelegt und die Basilika schon 1937 vom Kardinal Eugenio Pacelli gesegnet. Nach dem Tod des Architekten übernahm sein Sohn Louis‑Stanislas das Projekt, das sich trotz des Zweiten Weltkriegs langsam bis zur feierlichen Weihe 1954 durch den Erzbischof von Rouen fortsetzte.
Im Inneren beeindrucken Marmorverkleidungen und farbenprächtige Mosaiken, die Szenen aus dem Leben und der Botschaft der heiligen Thérèse darstellen. Diese Werke stammen von Jean Gaudin und seinem Sohn Pierre. Die Kuppel erhebt sich hoch über dem Kirchenschiff.
Das Bauwerk fasst bis zu 4000 Besucher und jährlich kommen über 800.000 Besucher, um die Basilika zu besichtigen.
Les Buissonnets – Das Elternhaus der heiligen Thérèse
Nachdem sie Alençon verlassen hatte, zog die Familie Martin im November 1877 in ein rotes Backsteinhaus mit Holzverzierungen, das Les Buissonnets genannt wird. Hier lebte Thérèse mit ihrem Vater und ihren Schwestern bis zu ihrem Eintritt in den Carmel 1888. Wenn für Luis Martin der Wohnort- und Stadtwechsel einer Entwurzelung gleichkam, verspürte Thérèse keine Traurigkeit.Die Räume des Hauses, darunter Küche, Esszimmer und Schlafzimmer, vermitteln einen intimen Eindruck vom Alltag der Familie Martin und sind mit historischen Objekten ausgestattet. Besonders bemerkenswert sind der Kamin und der Garten mit Brunnen, vor dem Thérèse 1887 um Erlaubnis bat, in den Carmel einzutreten.
Louis Martin litt in den letzten Jahren seines Lebens unter schwereren Schwindelgefühlen und Gedächtnisproblemen. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme spendete er für den Bau des Hochaltars der Kathedrale von Lisieux, und 1890 unterstützte er den Carmel finanziell. Kurze Zeit später erlitt er jedoch eine schwere Krise, die schließlich zur Einweisung ins Asyl „Bon-Sauveur“ in Caen führte, wo er die nächsten drei Jahre verbrachte.
1892 kehrte Louis Martin nach Hause zurück, traf seine Töchter im Carmel zum ersten Mal nach vier Jahren und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens unter der Obhut von Céline und Léonie. Seine Gesundheit verschlechterte sich zunehmend, bis er am 29. Juli 1894 starb und in Lisieux beigesetzt wurde.
Die Möbel des Elternhauses wurden verstreut und einige dem Carmel gegeben. Ab 1910 strömten Pilger nach Les Buissonnets, doch das Haus war in einem ziemlich schlechten Zustand. 1922 kaufte die Kirche das Anwesen, und 1931 wurde im Garten eine weiße Marmorskulptur aufgestellt, die Thérèse zeigt, wie sie ihren Vater um die Erlaubnis bittet, in den Carmel zu gehen. Les Buissonnets ist heute ein Museum.
Der Carmel von Lisieux – Ort des Schweigens und der Gebete
Im Zentrum von Lisieux liegt der Carmel, ein Ort der Stille, des Gebets und der tiefen Spiritualität, der seit 1838 Frauen eine Rückzugsmöglichkeit vom weltlichen Leben bietet. Er wurde auf Initiative des Priesters Pierre Sauvage gegründet.Das alte Kloster entspricht dem klassischen Grundriss des karmlitischen Ordens, wie ihn die Reformerin Teresa von Ávila im 16. Jahrhundert geprägt hat. Ein rechteckiger Innenhof mit Kreuz steht im Zentrum und wird von den wichtigsten Gemeinschaftsräumen umschlossen, darunter der Chorkapelle, dem Refektorium, der Küche und dem sogenannten „Chauffoir“, dem einzigen beheizten Raum des alten Gebäudes.
Die Kapelle des Carmels hat sich über die Jahrzehnte kaum verändert. Ihre klassizistische Westfassade mit ionischen Säulen, halbkreisförmigem Portal und dreieckigem Giebel vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Erhabenheit. 1923 wurde sie erweitert, um Platz für die Reliquien der heiligen Thérèse zu schaffen.
1944 war der Carmel eines der seltenen Denkmäler in Lisieux, das von den Bombardierungen und Kämpfen verschont blieb.




