Hoch über der vulkanischen Landschaft der Haute-Loire, auf dem Mont Anis, thront die Kathedrale Notre-Dame du Puy-en-Velay, deren vollständiger Name „Cathédrale Notre-Dame-de-l’Annonciation du Puy-en-Velay“ lautet. Sie erhebt sich am Fuße des Felsens Corneille, eines vulkanischen Vorsprungs, der von einer Stahlstatue der Jungfrau Maria gekrönt wird, gefertigt aus Kanonen, die bei Sebastopol erbeutet wurden.
Sie ist ein Bauwerk voller Legenden, Kunst und Geschichte, ein romanisches Meisterwerk, das nicht nur ein Magnet für Pilger, sondern auch eines der faszinierendsten Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst in Frankreich ist. Der Aufstieg erfolgt über die historische Rue des Tables, eine schmale Straße, die seit Jahrhunderten Pilger, Händler und Reisende hinaufführt.
Die Kathedrale, zusammen mit dem benachbarten Hôtel-Dieu, wurde 1998 als Weltkulturerbe der UNESCO im Rahmen der „Chemins de Saint-Jacques-de-Compostelle in Frankreich“ anerkannt und wird heute vom Centre des Monuments Nationaux betreut.
Bald darauf erschien die Jungfrau erneut und forderte sie auf, den ersten Bischof des Velay aufzusuchen, damit er an dieser Stelle ein kleines Oratorium errichten lasse.
Bischof Evodius reiste daraufhin nach Rom und erhielt vom Papst die Erlaubnis, den Sitz des Bistums von Ruessio (heute Saint-Paulien), der gallorömischen Hauptstadt des Volks der Vellavier, nach Anicium zu verlegen. Der Name Anicium, das heutige Le Puy-en-Velay, leitet sich vom keltischen Wort „an“ für „Kreis“ oder „Umzäunung“ ab.
Als der Bischof im Juli den Ort besuchte, entdeckte er die berühmte Steinplatte, die überraschenderweise von einer Schneeschicht bedeckt war. Plötzliche tauchte ein Hirsch vor seinen Augen auf und zeichnete die Umrisse des künftigen Heiligtums nach.
Vermutlich entstand diese Legende auch aus der alten Bezeichnung des Felsens, der das heutige Heiligtum überragt und „Corneille“ genannt wird. Der Name leitet sich vom keltischen Gott Cernunnos ab, dem Hirschgott, dessen Kult hier einst verehrt wurde. Das Gelände war somit bereits in vorchristlicher Zeit ein religiöser Erinnerungsort, bevor es in das christliche Heiligtum integriert wurde.
Der eigentliche Bau des Gotteshauses begann erst gegen Ende des 5. Jahrhunderts unter Bischof Scutarius (etwa 485–555). Der Überlieferung nach soll die Kirche von Engeln geweiht worden sein, die dafür Reliquien aus Rom herbeigeschafft haben. Sie ist damit eines der ältesten Heiligtümer in Gallien, zusammen mit der Kathedrale in Chartres, die zu Ehren von Maria errichtet wurden.
Diese wundersame Heilung machte den Ort schnell berühmt und zog schon früh zahlreiche Gläubige an. Ein besonderes Ansehen erhielt die Kathedrale, als König Ludwig XI. (1423-1483) dem Domkapitel von Notre-Dame du Puy eine kostbare Reliquie schenkte – einen Dorn aus der Dornenkrone Christi, der den Wallfahrtsort noch bedeutender machte.
Unter dem Chorboden der heutigen Kathedrale fanden Archäologen die Fundamente der ersten Kirche, die ursprünglich etwa 12 × 24 Meter maß. Auch der legendäre „Fieberstein“ (pierre des fièvres) ist noch in der Kathedrale zu sehen. Pilger legen sich weiterhin darauf und beten, um Heilung und Segen zu erfahren.
Die Kathedrale zeigt eine ungewöhnliche Mischung verschiedener Stilrichtungen und spiegelt die künstlerische Blütezeit des Mittelalters wider.
Besonders auffällig sind die aufeinanderfolgenden Kuppeln, die deutlich byzantinische Einflüsse erkennen lassen, was eher Kirchen im Südwesten Frankreichs auszeichnet. Die Fassade aus farbigen Vulkangesteinen wirkt durch ihre Mosaikverkleidungen, Rundbögen, kleinen Giebel und dem dreibogigen Vorbau besonders eindrucksvoll.
Zeitgleich wurde ein prächtiger Kreuzgang errichtet, der das massive Bauwerk vervollständigte und di Stadt überragte. Mehr als 150 kunstvoll gearbeitete Kapitelle zeigen biblische Szenen, fantastische Wesen und symbolische Motive. Von hier aus eröffnet sich auch der Blick auf den markanten Glockenturm, der mit seinen 56 Metern Höhe die Silhouette von Le Puy-en-Velay prägt.
Im Westen schloss sich der Raum für die Kapitelversammlungen an, im Süden erhob sich die Kathedrale, im Osten schützte ein massiver Wehrbau mit Maueröffnungen die Anlage, während im Norden ein Gebäude für den Empfang und die Unterbringung vorgesehen war.
Um den Kreuzgang entstanden bald imposante Nebengebäude, wodurch die obere Stadt zum vollständigen Kathedralensemble heranwuchs. Dieses weitläufige Kathedralensemble unterstrich die Autorität der Domherren und zog bereits im Mittelalter bedeutende Persönlichkeiten an. Neben Fürsten aus den benachbarten Provinzen zählten auch französische Könige wie Ludwig IX., Karl VII. oder Franz I. sowie Päpste wie Leo IX. und Urban II. zu den Besuchern. Le Puy-en-Velay war damit ein zentraler Ort geistlicher und politischer Bedeutung im Herzen Frankreichs.
Von diesem Reichtum zeugte auch der Logis des Clergeons, der ursprünglich im 12. Jahrhundert für die ranghöchsten Domherren erbaut, später im 16. Jahrhundert für ihre jüngeren Geistlichen genutzt wurde.
Sogar ein mächtiger Donjon, der sogenannte Saint-Mayol-Turm, sicherte diesen Komplex im Norden der Anlage, jedoch ist von dem Turm heute nichts mehr erhalten.
Von der Stadt aus führt eine breite Freitreppe mit 135 Stufen hinauf zum Hauptportal, das reich mit filigranen Statuen und Mosaiken verziert ist. Beim Betreten des Portals steht man direkt im Chor, ein Zugang, der in mittelalterlichen Kirchen außergewöhnlich ist. Im Inneren ziehen vergoldete Fresken die Blicke auf sich, während die dunklen Steine des Bauwerks eine kraftvolle, fast strenge Atmosphäre schaffen. Die Höhe der sechs achteckigen Kuppeln, die Vielzahl der Gewölbe und das massive Fundament vermitteln sofort die architektonische Größe dieses romanischen Meisterwerks.
Anfang des 19. Jahrhunderts war das Bauwerk stark beschädigt, sodass zwischen 1844 und 1870 eine fast vollständige Rekonstruktion erfolgte, die sich am ursprünglichen Stil orientierte. Unter der Leitung der Architekten Mallet und Mimey wurden die Steine der Westfassade sorgfältig nummeriert, katalogisiert und anschließend originalgetreu mit neuen Materialien wieder aufgebaut.
Auch der Kreuzgang wurde einer umfassenden Erneuerung unterzogen, die unter der Leitung von Aymon Mallay stattfand, einem Architekten aus dem Umfeld von Viollet-le-Duc. Die besondere historische und architektonische Bedeutung dieses Bauwerks wurde schließlich offiziell anerkannt, als der Kreuzgang im Jahr 1862 den Status eines Kulturdenkmals erhielt.
Einzig die Absiden und die Kuppel über dem Kreuzgang wurden in leicht abgewandelter Form neu errichtet. Im Zuge dieser Restaurierung erhielt die Kathedrale zudem von Papst Pius IX. den Ehrentitel einer „Basilique mineure“, was ihre besondere Bedeutung innerhalb der katholischen Kirche unterstrich und sie offiziell als Wallfahrtsort von überregionaler Bedeutung auszeichnete.
Zehn Jahre nach seiner Rückkehr, im Jahr 961, stimmte er der Gründung der beeindruckenden Kapelle Saint-Michel d’Aiguilhe zu. Sie erhebt sich auf dem benachbarten Felsen der Kathedrale und gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst.
Im Laufe des Mittelalters folgten Tausende Gläubige seinem Beispiel. Bevor sie ihre weite Reise in Richtung Spanien antraten, beteten sie vor der schwarzen Madonna und legten sich auf den „Fieberstein“, um sich von ihren Leiden zu lösen.
Vom 1. April bis zum 31. Oktober feiern Pilger traditionell jeden Morgen die „Messe des Pilgers“, bevor sie ihre Wanderung beginnen.
Viele der Ausstellungsstücke drehen sich um die Verehrung der Jungfrau Maria. Besonders auffällig ist eine moderne Kopie der mittelalterlichen Schwarzen Madonna aus dem 13. Jahrhundert, die der Legende nach König Ludwig IX. nach seiner Rückkehr aus Ägypten geschenkt haben soll und die während der Französischen Revolution 1794 verbrannt wurde.
Die umfangreiche Kollektion historischer liturgischer Stickereien, die kunstvoll bestickte Gewänder, prachtvolle Ornamente und Andachtsbilder umfasst und Werke aus der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert vereint, geht auf das Ehepaar Cougard-Fruman zurück, das die wertvollen Werke sorgfältig zusammengetragen hat und sie 2009 gemeinsam mit der Stiftung Zygmunt Zaleski dem französischen Kulturministerium übergab.
Die Wurzeln dieses besonderen Jubiläums reichen bis ins Jahr 992 zurück, als der deutsche Mönch Bernhard von Thüringen eine Weltuntergangsprophezeiung für den Tag der Verkündigung, der in diesem Jahr zufällig auf einen Karfreitag fiel, machte. Wegen des großen Pilgerandrangs veranlasste Papst Johannes XV. oder Calixte II., dass ein Jubiläum jeweils bei einer solchen zeitlichen Übereinstimmung gefeiert werden sollte.
Ein erster Jubelzug fand 1065 statt, doch erstmals dokumentiert wurde das Jubiläum 1407, als bei der riesigen Menschenmenge mehrere Pilger starben. Trotz Unterbrechungen in den Jahren 1701 und 1796 gilt der Grand Pardon von Le Puy als ältestes Jubiläum Frankreichs, noch vor Rom (1300), Rocamadour (1428) und Lyon (1451).
Die Schwarze Madonna, die heute den Hochaltar der Kathedrale schmückt, stammt ursprünglich aus der Kapelle Saint-Maurice des Refuges. Am 8. Juni 1856 krönte der damalige Bischof die Statue im Namen von Papst Pius IX., genau am Jahrestag der Zerstörung der vorherigen Figur, die während der Französischen Revolution am 8. Juni 1794 von Anhängern der Konvention verbrannt wurde.
Die heute verlorene mittelalterliche Statue war 71 cm hoch, aus Zedernholz gefertigt und zeigte die sitzende Maria mit dem Kind auf dem Schoß. Auffallend waren das dunkle Gesicht, weiße Hände sowie Glasaugen und ein überproportionales Nasenprofil. Maria trug ein orientalisch inspiriertes Gewand.
Historiker vermuten, dass die Figur ursprünglich eine Isis-Statue oder möglicherweise eine äthiopische Madonna war und später zu einer Marienfigur umgedeutet wurde. Eine weitere Theorie besagt, dass die Dunkelfärbung des Holzes durch langjährige Rauchentwicklung von Kerzen und Weihrauch entstanden sein könnte.
Die Schwarze Madonna von Le Puy zählt zu den ältesten bekannten Marienstatuen und könnte als Vorbild für viele weitere Figuren gedient haben.
Jedes Jahr am 15. August wird sie in einer feierlichen Prozession durch die Straßen der Oberstadt getragen, eine Tradition, die bis ins Jahr 1578 zurückreicht, zwischenzeitlich unterbrochen wurde und 1933 von Bischof Norbert-Georges-Pierre Rousseau wiederbelebt wurde. Seitdem gehört die Prozession zu den bedeutendsten religiösen Festen der Region und zieht Gläubige aus aller Welt an, mit Ausnahme der Unterbrechung im Jahr 1944.
Ensemble Cathédrale du Puy-en-Velay
Anreise:
Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre oder mit der Karte "Passion Monuments".
Normaltarif 7€. Falls der Tresorraum geschlossen ist werden 5,50€ berechnet.
Internetseite:
Die Kathedrale, zusammen mit dem benachbarten Hôtel-Dieu, wurde 1998 als Weltkulturerbe der UNESCO im Rahmen der „Chemins de Saint-Jacques-de-Compostelle in Frankreich“ anerkannt und wird heute vom Centre des Monuments Nationaux betreut.
Der Fieberstein und die Legende der Jungfrau Maria
Wie viele religiöse Orte beginnt auch die Geschichte dieses Bauwerks mit einer regionalen Legende. Im Jahr 430 soll eine wohlhabende, aber schwer kranke Frau im Fiebertraum die Jungfrau Maria gesehen haben, die ihr befahl, sich auf einen großen, flachen Stein auf dem Gipfel des Mont Anis, einem erloschenen Vulkan, zu legen. Sie tat dies und wurde auf wundersame Weise gesund!Bald darauf erschien die Jungfrau erneut und forderte sie auf, den ersten Bischof des Velay aufzusuchen, damit er an dieser Stelle ein kleines Oratorium errichten lasse.
Bischof Evodius reiste daraufhin nach Rom und erhielt vom Papst die Erlaubnis, den Sitz des Bistums von Ruessio (heute Saint-Paulien), der gallorömischen Hauptstadt des Volks der Vellavier, nach Anicium zu verlegen. Der Name Anicium, das heutige Le Puy-en-Velay, leitet sich vom keltischen Wort „an“ für „Kreis“ oder „Umzäunung“ ab.
Als der Bischof im Juli den Ort besuchte, entdeckte er die berühmte Steinplatte, die überraschenderweise von einer Schneeschicht bedeckt war. Plötzliche tauchte ein Hirsch vor seinen Augen auf und zeichnete die Umrisse des künftigen Heiligtums nach.
Vermutlich entstand diese Legende auch aus der alten Bezeichnung des Felsens, der das heutige Heiligtum überragt und „Corneille“ genannt wird. Der Name leitet sich vom keltischen Gott Cernunnos ab, dem Hirschgott, dessen Kult hier einst verehrt wurde. Das Gelände war somit bereits in vorchristlicher Zeit ein religiöser Erinnerungsort, bevor es in das christliche Heiligtum integriert wurde.
Der eigentliche Bau des Gotteshauses begann erst gegen Ende des 5. Jahrhunderts unter Bischof Scutarius (etwa 485–555). Der Überlieferung nach soll die Kirche von Engeln geweiht worden sein, die dafür Reliquien aus Rom herbeigeschafft haben. Sie ist damit eines der ältesten Heiligtümer in Gallien, zusammen mit der Kathedrale in Chartres, die zu Ehren von Maria errichtet wurden.
Diese wundersame Heilung machte den Ort schnell berühmt und zog schon früh zahlreiche Gläubige an. Ein besonderes Ansehen erhielt die Kathedrale, als König Ludwig XI. (1423-1483) dem Domkapitel von Notre-Dame du Puy eine kostbare Reliquie schenkte – einen Dorn aus der Dornenkrone Christi, der den Wallfahrtsort noch bedeutender machte.
Unter dem Chorboden der heutigen Kathedrale fanden Archäologen die Fundamente der ersten Kirche, die ursprünglich etwa 12 × 24 Meter maß. Auch der legendäre „Fieberstein“ (pierre des fièvres) ist noch in der Kathedrale zu sehen. Pilger legen sich weiterhin darauf und beten, um Heilung und Segen zu erfahren.
Romanische Meisterleistung auf vulkanischem Grund
Im 11. und 12. Jahrhundert wurde Notre-Dame du Puy, wegen wachsender Pilgerströme, deutlich erweitert. Dieses Bauvorhaben war für seine Zeit außergewöhnlich und die Bauherren mussten ein riesiges architektonisches Problem meistern. Vier neue Kirchenschiffe kamen hinzu, von denen zwei gewagt über dem Abgrund errichtet wurden, während der Chor direkt auf dem Felsen ruht. Massive Säulen und Gewölbe tragen die unteren Bereiche und gleichen den Höhenunterschied von 17 Metern aus, sodass das Bauwerk stabil bleibt.Die Kathedrale zeigt eine ungewöhnliche Mischung verschiedener Stilrichtungen und spiegelt die künstlerische Blütezeit des Mittelalters wider.
Besonders auffällig sind die aufeinanderfolgenden Kuppeln, die deutlich byzantinische Einflüsse erkennen lassen, was eher Kirchen im Südwesten Frankreichs auszeichnet. Die Fassade aus farbigen Vulkangesteinen wirkt durch ihre Mosaikverkleidungen, Rundbögen, kleinen Giebel und dem dreibogigen Vorbau besonders eindrucksvoll.
Zeitgleich wurde ein prächtiger Kreuzgang errichtet, der das massive Bauwerk vervollständigte und di Stadt überragte. Mehr als 150 kunstvoll gearbeitete Kapitelle zeigen biblische Szenen, fantastische Wesen und symbolische Motive. Von hier aus eröffnet sich auch der Blick auf den markanten Glockenturm, der mit seinen 56 Metern Höhe die Silhouette von Le Puy-en-Velay prägt.
Im Westen schloss sich der Raum für die Kapitelversammlungen an, im Süden erhob sich die Kathedrale, im Osten schützte ein massiver Wehrbau mit Maueröffnungen die Anlage, während im Norden ein Gebäude für den Empfang und die Unterbringung vorgesehen war.
Um den Kreuzgang entstanden bald imposante Nebengebäude, wodurch die obere Stadt zum vollständigen Kathedralensemble heranwuchs. Dieses weitläufige Kathedralensemble unterstrich die Autorität der Domherren und zog bereits im Mittelalter bedeutende Persönlichkeiten an. Neben Fürsten aus den benachbarten Provinzen zählten auch französische Könige wie Ludwig IX., Karl VII. oder Franz I. sowie Päpste wie Leo IX. und Urban II. zu den Besuchern. Le Puy-en-Velay war damit ein zentraler Ort geistlicher und politischer Bedeutung im Herzen Frankreichs.
Von diesem Reichtum zeugte auch der Logis des Clergeons, der ursprünglich im 12. Jahrhundert für die ranghöchsten Domherren erbaut, später im 16. Jahrhundert für ihre jüngeren Geistlichen genutzt wurde.
Sogar ein mächtiger Donjon, der sogenannte Saint-Mayol-Turm, sicherte diesen Komplex im Norden der Anlage, jedoch ist von dem Turm heute nichts mehr erhalten.
Von der Stadt aus führt eine breite Freitreppe mit 135 Stufen hinauf zum Hauptportal, das reich mit filigranen Statuen und Mosaiken verziert ist. Beim Betreten des Portals steht man direkt im Chor, ein Zugang, der in mittelalterlichen Kirchen außergewöhnlich ist. Im Inneren ziehen vergoldete Fresken die Blicke auf sich, während die dunklen Steine des Bauwerks eine kraftvolle, fast strenge Atmosphäre schaffen. Die Höhe der sechs achteckigen Kuppeln, die Vielzahl der Gewölbe und das massive Fundament vermitteln sofort die architektonische Größe dieses romanischen Meisterwerks.
Anfang des 19. Jahrhunderts war das Bauwerk stark beschädigt, sodass zwischen 1844 und 1870 eine fast vollständige Rekonstruktion erfolgte, die sich am ursprünglichen Stil orientierte. Unter der Leitung der Architekten Mallet und Mimey wurden die Steine der Westfassade sorgfältig nummeriert, katalogisiert und anschließend originalgetreu mit neuen Materialien wieder aufgebaut.
Auch der Kreuzgang wurde einer umfassenden Erneuerung unterzogen, die unter der Leitung von Aymon Mallay stattfand, einem Architekten aus dem Umfeld von Viollet-le-Duc. Die besondere historische und architektonische Bedeutung dieses Bauwerks wurde schließlich offiziell anerkannt, als der Kreuzgang im Jahr 1862 den Status eines Kulturdenkmals erhielt.
Einzig die Absiden und die Kuppel über dem Kreuzgang wurden in leicht abgewandelter Form neu errichtet. Im Zuge dieser Restaurierung erhielt die Kathedrale zudem von Papst Pius IX. den Ehrentitel einer „Basilique mineure“, was ihre besondere Bedeutung innerhalb der katholischen Kirche unterstrich und sie offiziell als Wallfahrtsort von überregionaler Bedeutung auszeichnete.
Beginn des Weges nach Compostela
Bereits um das Jahr 950 startete der erste bekannte französische Pilger, der Bischof Godescalc, seine außergewöhnliche Reise von hier nach Santiago de Compostela in Spanien, um das Grab des Apostels Jakobus zu verehren. Damit wurde Notre-Dame du Puy zum ältesten Ausgangspunkt des berühmten Jakobswegs Via Podiensis.Zehn Jahre nach seiner Rückkehr, im Jahr 961, stimmte er der Gründung der beeindruckenden Kapelle Saint-Michel d’Aiguilhe zu. Sie erhebt sich auf dem benachbarten Felsen der Kathedrale und gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst.
Im Laufe des Mittelalters folgten Tausende Gläubige seinem Beispiel. Bevor sie ihre weite Reise in Richtung Spanien antraten, beteten sie vor der schwarzen Madonna und legten sich auf den „Fieberstein“, um sich von ihren Leiden zu lösen.
Vom 1. April bis zum 31. Oktober feiern Pilger traditionell jeden Morgen die „Messe des Pilgers“, bevor sie ihre Wanderung beginnen.
Der Schatz der Kathedrale
Der Salle du Trésor, einst “Salle des États du Velay”, birgt eine außergewöhnliche Sammlung religiöser Kunstwerke und liturgischer Objekte, die die Jahrhunderte überdauert hat. In diesem beeindruckend hohen Raum tagte früher die politische Versammlung der Region. Er ist über eine Treppe im mächtigen Mâchicoulis-Gebäude zu erreichen, das an den bemerkenswerten romanischen Kreuzgang der Kathedrale angrenzt.Viele der Ausstellungsstücke drehen sich um die Verehrung der Jungfrau Maria. Besonders auffällig ist eine moderne Kopie der mittelalterlichen Schwarzen Madonna aus dem 13. Jahrhundert, die der Legende nach König Ludwig IX. nach seiner Rückkehr aus Ägypten geschenkt haben soll und die während der Französischen Revolution 1794 verbrannt wurde.
Die umfangreiche Kollektion historischer liturgischer Stickereien, die kunstvoll bestickte Gewänder, prachtvolle Ornamente und Andachtsbilder umfasst und Werke aus der Zeit vom 15. bis zum 19. Jahrhundert vereint, geht auf das Ehepaar Cougard-Fruman zurück, das die wertvollen Werke sorgfältig zusammengetragen hat und sie 2009 gemeinsam mit der Stiftung Zygmunt Zaleski dem französischen Kulturministerium übergab.
Tradition und Frankreichs ältestes Marienjubiläum
Die Kathedrale Notre-Dame-de-l’Annonciation in Le Puy-en-Velay ist Zentrum eines besonders alten Wallfahrtsbrauchs, bekannt als Grand Pardon oder das Jubiläum von Le Puy. Dieses Fest findet an Karfreitagen statt und wird vom Bischof geleitet.Die Wurzeln dieses besonderen Jubiläums reichen bis ins Jahr 992 zurück, als der deutsche Mönch Bernhard von Thüringen eine Weltuntergangsprophezeiung für den Tag der Verkündigung, der in diesem Jahr zufällig auf einen Karfreitag fiel, machte. Wegen des großen Pilgerandrangs veranlasste Papst Johannes XV. oder Calixte II., dass ein Jubiläum jeweils bei einer solchen zeitlichen Übereinstimmung gefeiert werden sollte.
Ein erster Jubelzug fand 1065 statt, doch erstmals dokumentiert wurde das Jubiläum 1407, als bei der riesigen Menschenmenge mehrere Pilger starben. Trotz Unterbrechungen in den Jahren 1701 und 1796 gilt der Grand Pardon von Le Puy als ältestes Jubiläum Frankreichs, noch vor Rom (1300), Rocamadour (1428) und Lyon (1451).
Die Schwarze Madonna, die heute den Hochaltar der Kathedrale schmückt, stammt ursprünglich aus der Kapelle Saint-Maurice des Refuges. Am 8. Juni 1856 krönte der damalige Bischof die Statue im Namen von Papst Pius IX., genau am Jahrestag der Zerstörung der vorherigen Figur, die während der Französischen Revolution am 8. Juni 1794 von Anhängern der Konvention verbrannt wurde.
Die heute verlorene mittelalterliche Statue war 71 cm hoch, aus Zedernholz gefertigt und zeigte die sitzende Maria mit dem Kind auf dem Schoß. Auffallend waren das dunkle Gesicht, weiße Hände sowie Glasaugen und ein überproportionales Nasenprofil. Maria trug ein orientalisch inspiriertes Gewand.
Historiker vermuten, dass die Figur ursprünglich eine Isis-Statue oder möglicherweise eine äthiopische Madonna war und später zu einer Marienfigur umgedeutet wurde. Eine weitere Theorie besagt, dass die Dunkelfärbung des Holzes durch langjährige Rauchentwicklung von Kerzen und Weihrauch entstanden sein könnte.
Die Schwarze Madonna von Le Puy zählt zu den ältesten bekannten Marienstatuen und könnte als Vorbild für viele weitere Figuren gedient haben.
Jedes Jahr am 15. August wird sie in einer feierlichen Prozession durch die Straßen der Oberstadt getragen, eine Tradition, die bis ins Jahr 1578 zurückreicht, zwischenzeitlich unterbrochen wurde und 1933 von Bischof Norbert-Georges-Pierre Rousseau wiederbelebt wurde. Seitdem gehört die Prozession zu den bedeutendsten religiösen Festen der Region und zieht Gläubige aus aller Welt an, mit Ausnahme der Unterbrechung im Jahr 1944.
Le Puy‑en‑Velay als Filmkulisse
Im Frühjahr und Sommer 2025 wurde Le Puy‑en‑Velay einmal mehr zum Schauplatz für einen großen französischen Spielfilm. Der Regisseur Yann Samuell dreht hier mehrere wichtige Sequenzen von "Compostelle" mit Alexandra Lamy in einer der Hauptrollen. Die Stadt, traditioneller Ausgangspunkt des historischen Jakobswegs „Via Podiensis“, bot mit ihrer mittelalterlichen Altstadt, der Kathedrale und den authentischen Straßen ideale Kulissen für die ersten Filmszenen des Pilger‑Roadmovies, der auf einer wahren Geschichte basiert und von einem ungewöhnlichen Weg erzählt, den zwei Menschen gemeinsam gehen.Nützliche Informationen
Adresse:Ensemble Cathédrale du Puy-en-Velay
3, rue du Cloître, 43000 Le Puy-en-Velay
Anreise:
A47 von Lyon über Saint-Étienne, dann RN88 Richtung Le Puy-en-Velay, Ausfahrt 51 (Stadtzentrum).
A75 von Paris über Clermont-Ferrand, dann RN102 Richtung Le Puy-en-Velay, dann D590.
Die Kathedrale befindet sich im Herzen des historischen Viertels, in der Oberstadt von Le Puy-en-Velay. Die Zufahrt und Parkmöglichkeiten in der Oberstadt sind sehr begrenzt. Es gibt Parkplätze rund um die Innenstadt (Shuttlebusse).
Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre oder mit der Karte "Passion Monuments".
Normaltarif 7€. Falls der Tresorraum geschlossen ist werden 5,50€ berechnet.
Internetseite:
























