Veules-les-Roses - Verstecktes Juwel für Romantik an der Alabasterküste

Das bezaubernde Dorf Veules‑les‑Roses in der Normandie zählt zu den Perlen der französischen Küste. Eingebettet in einem grünen Tal der Côte d’Albâtre (Alabasterküste) und überragt von weißen Kreidefelsen, ist es ein Ort, in dem Natur und Architektur in harmonischer Einheit erscheinen.
Der kleine Fluss Veules, mit einer Länge von nur 1,149 Kilometern, und somit der kürzeste Fluss Frankreichs, schlängelt sich durch das Tal, bevor er in den Ärmelkanal mündet.

Seit September 2017 ist das Dorf mit dem Label „Plus beaux villages de France“ ausgezeichnet und darf sich damit offiziell zu den schönsten Dörfer Frankreichs zählen.

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Die Geschichte von Veules‑les‑Roses zwischen Kreidefelsen und Mühlenklappern

Das kleine malerische Küstendorf im Pays de Caux blickt auf eine bemerkenswerte und vielschichtige Geschichte zurück. Der Name des Dorfes leitet sich vermutlich vom alt­sächsischen Wort „well“ ab, das „Quelle“ oder „Wasser“ bedeutet, eine Anspielung auf den gleichnamigen kleinen Fluss La Veules, der schon seit Jahrhunderten das Leben und die Wirtschaft des Ortes bestimmt hat.

Archäologische Hinweise deuten darauf hin, dass die Region bereits im frühen Mittelalter besiedelt war, wobei das Dorf im 11. und 12. Jahrhundert zwischen Landwirtschaft, Fischerei und der Nutzung von Wassermühlen eine zentrale Rolle für die umliegenden Gebiete spielte. Der Fluss diente nicht nur der Energieversorgung der Mühlen, sondern auch dem Anbau von Brunnenkresse.

Bereits im 12. Jahrhundert wurde eine Kapelle („Chapelle du Val“) auf den Fundamenten eines früheren Oratoriums errichtet, an die eine Leprastätte („maladrerie“) angeschlossen war. Im 13. Jahrhundert entstand die erste größere Kirche von St. Nicolas, an die die nördliche Flussseite des Ortes unter dem Schutz der Chorherren von Saint‑Quentin zugeordnet wurde, während die südliche Flussseite unter die Verwaltung der Pfarrei Saint‑Martin und der Abtei von Fécamp fiel.

Die Kirche Saint‑Martin, deren heutige Form im 15. und 16. Jahrhundert entstand, ersetzt frühere, während der Kriege zerstörte Gotteshäuser. Ihr Turm stammt noch aus dem 13. Jahrhundert und spiegelt die mittelalterliche Geschichte des Dorfes eindrucksvoll wider.

Ab etwa 1840 erlebte Veules‑les‑Roses einen tiefgreifenden Wandel und zog wohlhabende Stadtbewohner, Schauspieler und Künstler an, die die idyllische Küste für sich entdeckten, darunter die Schauspielerin Anaïs Aubert, bekannt als „Mademoiselle Anaïs“, und der Schauspieler Étienne Mélingue. Durch ihre Präsenz gewann Veules‑les‑Roses einen gewissen Rang in der Kulturszene des 19. Jahrhunderts. Das einst beschauliche Fischerdorf entwickelte sich langsam zu einem kleinen Bade- und Künstlerort, der Besucher aus ganz Frankreich anzog. Victor Hugo hatte hier sogar seine eigene Höhle, von der aus er das Meer bewunderte und Anfang des 20. Jahrhunderts kamen sogar russische Maler hierhin, um mehr über den Impressionismus zu lernen.

Bis im Sommer 1897 nannte sich das Dorf Veules-en-Caux. Um sich von den vielen „-en-Caux“-Orten der Region abzuheben, wechselte die Gemeinde schlichthin den Namen in Veules-les-Roses, ein Name, der Romantik, Schönheit und den neuen Ruf als eleganter Bade- und Künstlerort heraufbeschwören sollte.

Im Juni 1940 hinterließ der Zweite Weltkrieg sichtbare Spuren, als Evakuierungen von französischen und britischen Soldaten und Kämpfe am Strand das Dorf erschütterten und viele Gebäude beschädigten. Das Frachtschiff Cérons, das gekommen war, um die französisch-britischen Truppen wieder einzuschiffen, wurde von den Deutschen bombardiert und sank. Das Wrack ist bei Ebbe vor der Küste noch immer sichtbar. Ein kleiner Wanderpfad führt auf einen Hügel zum Cérons-Denkmal mit seinen Kanonen. Von dort kann man einen schönen Blick auf Veules-les-Roses und die Alabasterküste genießen.

Nach dem Krieg begannen umfangreiche Restaurierungen, die das Dorf zu einem charmanten Reiseziel mit historischer und moderner Architektur, Künstlerhäusern und gepflegten Gartenanlagen machten.

1997 erfolgte eine erste Antragstellung zur Teilnahme am Label Les Plus Beaux Villages de France, doch erst nach intensiven Sanierungen erhielt Veules‑les‑Roses im Jahr 2017 schließlich die Auszeichnung.


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Der kürzeste Fluss Frankreichs – Leben entlang der Veules und ihrer Kressefelder

Der Fluss Veules, mit einer Länge von nur rund 1.149 Metern, gilt er als der kürzeste Fluss Frankreichs und ist das Herz des gleichnamigen Ortes, doch auf seinem kurzen Weg vom Quellgebiet bis zur Mündung ins Meer entfaltet sich eine erstaunliche Vielfalt an Landschaften, handwerklicher Geschichte und natürlicher Schönheit. Sein Ursprung liegt in einer klaren Quelle oberhalb des Dorfes, die über jahrhundertelang von den Bewohnern instand gehalten und gepflegt wurde. Von dort fließt das Wasser durch das Tal, vorbei an alten Fachwerkhäusern, Wassermühlen und blühenden Gärten, bevor es am Strand von Veules-les-Roses in den Ärmelkanal mündet.

Entlang dieses kleinen Flusses erstrecken sich die sogenannten Cressonnières, die Kressefelder, die bis heute ein charakteristisches Bild des Ortes prägen. Das Quellwasser, reich an Mineralien und von gleichbleibender Temperatur, schuf ideale Bedingungen für den Anbau der Brunnenkresse, einer Pflanze, die sowohl kulinarisch geschätzt als auch als Symbol für Reinheit und Frische gilt. Bereits im 12. Jahrhundert soll der Kresseanbau in der Region begonnen haben, und über Jahrhunderte war er ein wichtiger Bestandteil der lokalen Wirtschaft. Die Arbeit in den Becken erfolgte in mühevoller Handarbeit. Die Bauern schnitten die Kresse mit Sicheln, wuschen sie im Fluss und brachten sie auf Märkte in den umliegenden Städten. Noch heute werden einige dieser Kressefelder traditionell bewirtschaftet, wodurch Besucher einen authentischen Einblick in diese uralte Handwerkskunst erhalten.

Jedes Jahr am Ostersonntag findet die „Fête du Cresson“ im Bereich der Kressefelder statt. Auf dem Markt wird nicht nur frische Brunnenkresse angeboten, sondern auch eine Vielzahl regionaler Spezialitäten, wie Tartes, Quiches und Konfitüren aus Kresse, sowie Käse, Honig, Öle, Cidre und mehr.

Die Veules selbst wurde im Laufe der Jahrhunderte auch als Energiequelle genutzt. Zahlreiche Wassermühlen säumten ihren Lauf, von denen einige bis heute erhalten sind und an die frühere Blütezeit des Dorfes erinnern. Die Mühlen mahlten Getreide, pressten Öl oder trieben kleinere Werkstätten an, die Stoffe und Garne herstellten.

Heute kann man entlang der Veules auf einem etwa drei Kilometer langen Rundweg spazieren, der den Besucher von der Quelle über die Kressefelder, vorbei an Mühlen und alten Waschhäusern, bis hinunter zum Strand und zum Cérenos-Denkmal führt. Auf diesem Weg verbinden sich Geschichte, Natur und Alltag zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis.

Am Fuße der weißen Kreideklippen wird das kulinarische Erbe von Veules-les-Roses durch die Austernzucht mit der berühmten „Veulaise“ bereichert, einer lokalen Auster, die dank des reinen Quellwassers der Veules und des salzigen Meeresklimas ihren unverwechselbar feinen Geschmack entwickelt.

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Die Kirche Saint-Martin – Steinernes Gedächtnis eines Dorfes

Mitten im Herzen von Veules-les-Roses erhebt sich die Kirche Saint-Martin, deren Mauern stille Zeugen einer jahrhundertealten Geschichte sind. Schon im 13. Jahrhundert existierte an dieser Stelle ein erstes Gotteshaus, das jedoch während der Wirren des Hundertjährigen Krieges schwer beschädigt wurde. Der heutige Bau entstand im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert und vereint architektonische Elemente aus Gotik und Frührenaissance. Besonders charakteristisch ist der imposante Glockenturm, dessen Fundament noch aus der ursprünglichen Kirche stammt. Das Äußere der Kirche wirkt zugleich schlicht und kraftvoll, mit drei fast gleich hohen Schiffen.

Im Inneren sieht man fünf mächtige Rundsäulen aus Sandstein, die reich verziert sind. Die Kapitelle sind schlicht gehalten und strahlen dennoch eine gewisse Würde aus.

Besonders bemerkenswert ist die historische Orgel, deren älteste Teile aus dem Jahr 1628 stammen und die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach restauriert wurde. Auch mehrere Gemälde und Holzskulpturen aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind erhalten geblieben und geben Einblick in die religiöse Kunst der Region.
   

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Das alte Schloss – vergessene Mauern

Am westlichen Rand des Dorfes, etwas verborgen hinter alten Mauern und dichtem Grün, liegen die Überreste des sogenannten Vieux Château, des alten Schlosses von Veules-les-Roses. Heute sind nur noch wenige Fragmente erhalten – Mauerreste, ein Taubenturm und Teile der Grundmauern. Schon im Mittelalter stand hier eine befestigte Anlage, die dem Schutz des Dorfes diente und den Herren von Blosseville gehörte.
Jedes Jahr im Juni findet im Hof des Vieux Château das Fest „La Rose en Fête“ statt.


Victor Hugo in Veules-les-Roses

Victor Hugo., der Schöpfer von "Les Misérables" und "Der Glöckner von Notre-Dame" war nicht nur ein Meister des Schreibens, sondern auch ein leidenschaftlicher Reisender, der in der Natur und den Menschen der Normandie eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration fand. Veules-les-Roses wurde für ihn ein Rückzugsort, fern der politischen Spannungen und des städtischen Lärms, die sein Leben in Paris prägten. In Briefen und Notizen erwähnte er mehrfach die Ruhe und das Licht dieses Ortes, das ihn an die Harmonie des einfachen Lebens erinnerte.

In den 1850er- und 1860er-Jahren besuchte Hugo mehrfach das Dorf, meist auf Einladung seines engen Freundes und Verlegers Paul Meurice, der hier ein Haus besaß, das spätere „Pavillon Victor Hugo“.

Eine besondere Episode aus seinem Leben in Veules-les-Roses zeugt von Hugos sozialem Engagement und seiner Menschlichkeit. Am 24. September 1882, während eines Aufenthalts bei Paul Meurice, organisierte der Dichter ein Fest für einhundert Kinder aus armen Familien des Dorfes. Diese Szene wurde später auf einem berühmten Gemälde festgehalten, das Victor Hugo inmitten der Kinder zeigt – ein Symbol für seinen tief empfundenen Humanismus.

Heute erinnert ein Denkmal am ehemaligen Wohnsitz von Paul Meurice an diese besondere Freundschaft und an Hugos Aufenthalte in Veules-les-Roses. Das Denkmal besteht aus einem Relief von Barrias, das Victor Hugo inmitten der Figuren seiner Romane zeigt, sowie ein Medaillon von Denis Puech, welches Paul Meurice, den treuen Freund und Testamentsvollstrecker von Victor Hugo darstellt, der von 1868 bis 1905 in Veules lebte.

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Der französische Schriftsteller Michel Bussi widmete dem Ort Veules-les-Roses in seiner Kurzgeschichte "T’en souviens-tu, mon Anaïs ?" besondere Aufmerksamkeit. Darin entwickelt er die fiktive Geschichte eines Geheimnisses, das die junge Schauspielerin Anaïs bewahrt und das angeblich sogar Victor Hugo involvieren könnte. Es war dieses Buch, das mich zu einem Besuch in Veules ermutigte.

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