Gassin – Historisches Dorf auf der Saint-Tropez-Halbinsel

Im Herzen der Provence, auf der sonnenverwöhnten Halbinsel Saint-Tropez, liegt Gassin, ein malerisches Dorf, das über dem Mittelmeer thront und seinen Besuchern einen Panoramablick auf die Küste und die umliegenden Weinberge bietet. Die engen, verwinkelten Gassen, die alten Steinhäuser und die charmanten Plätze lassen das Dorf wie ein Postkartenmotiv erscheinen. Aufgrund seiner historischen und architektonischen Bedeutung gehört Gassin seit 1994 zu den „Plus Beaux Villages de France“, ein Gütesiegel für die schönsten Dörfer Frankreichs.

Weitere Auszeichnungen wie die Marianne d’Or und Preise für zeitgenössische Architektur, die Eröffnung des Golfplatzes 2003 sowie die Anerkennung des Gartens Hardy-Denonain als „Jardin remarquable“ 2009 zeigen das Bemühen der Gemeinde, Geschichte, Landschaft und zeitgemäße Nutzung zu verbinden.

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Von der Antike bis zum Mittelalter

Die Umgebung von Gassin war bereits in der Vorzeit besiedelt. Spuren aus dem Neolithikum belegen frühe Siedlungen, später lebten hier Ligurer und Kelten, die sich zu den sogenannten Celto-Ligurern vermischten. Auf der Küste entstand im 3. Jahrhundert v. Chr. der griechische Handelsstützpunkt Athénopolis. Mit der römischen Eroberung ab 125 v. Chr. wurde die Provinz Teil des Römischen Reiches, bevor im Frühmittelalter verschiedene germanische Stämme die Region übernahmen und schließlich die Franken die Vorherrschaft gewannen.

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes unter dem Namen „Garcin“ geht auf das Jahr 1235 zurück. Der Name könnte sich aus den Worten „Kar“ (Stein) und „Sen“ (gebaut auf) entwickelt haben, da viele Häuser direkt auf dem Felsen errichtet wurden. Eine andere Deutung führt den Namen auf einen germanischen Familiennamen zurück. Ursprünglich befand sich die Siedlung in der Ebene bei der Kapelle Saint-Laurent, die dem Märtyrer Laurentius von Rom geweiht war. Später siedelten sich die Bewohner aus Sicherheitsgründen auf den Hügel an, um sich gegen Piratenangriffe und andere Gefahren zu schützen. Drei Beobachtungsposten erlaubten einen weiten Blick über die Umgebung und dienten der Verteidigung.


Herrschaft und Legenden

Nach der Vertreibung der Sarazenen fiel das Gebiet von Gassin zunächst unter die Herrschaft der Seigneurs von Grimaud. Etwa um 1240 teilten François und Reignier de Grimaldi ihr weitläufiges Lehen in mehrere Unterherrschaften auf, darunter Grimaud, La Garde-Freinet, Cogolin, La Môle, Gassin, Ramatuelle, Saint-Tropez, Bastida (heute Sainte-Maxime), Les Garcinières bei Cogolin und Bertaud bei Gassin. Die Familie Grimaldi behielt jedoch verschiedene Rechte an diesen Gebieten, darunter die Ausübung hoher Gerichtsbarkeit.

1481 wurde die Provence durch Erbe an Frankreich angeschlossen, wodurch Gassin Teil des Königreichs wurde.

Am 10. Juli 1645 erwarb François de Castellane, Baron von Saint-Jeurs und Herr von Gassin, die Baronie Grimaud. Die Familie Castellane-Saint Jeurs behielt die Herrschaft über Gassin und die benachbarten Ländereien bis zur Französischen Revolution. Unter ihrer Verwaltung wurde das Dorf weiter befestigt, und ihre Wappen und Familienmotive prägen noch heute das Gemeindewappen (ein Schloss mit drei Türmen) und historische Bauten des Ortes.
Das Familienmotto „May d’honour que d’honours“ verdeutlicht, dass Ehre über Ruhm gestellt wurde.

Ende des 19. Jahrhunderts verband die Eisenbahn Gassin mit Saint-Raphaël, Toulon und Saint-Tropez. Die Linien wurden bis in die 1940er Jahre betrieben.

Die Geschichte des Dorfes ist eng mit Epidemien verbunden. Während der Pestjahre 1348 bis 1350 und 1720 verließen die Bewohner das Dorf auf dem Hügel, um sich in sicherere Gebiete zurückzuziehen. Einer Überlieferung zufolge kehrte eine alte Frau zurück und erweckte das Dorf abends durch Kerzenlicht und Feuerstellen zum Leben. So wollte sie verhindern, dass Plünderer die verlassenen Häuser ausraubten, indem das Dorf bewohnt erschien.

Das Dorf blieb weitgehend unberührt von den städtischen Entwicklungen an der Küste, wodurch es seinen authentischen Charakter bewahrte. Es liegt im Herzen des Weinbaugebiets Côtes de Provence, das für seine Roséweine bekannt ist.

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Architektur und Sehenswürdigkeiten

Gassin beeindruckt durch seine befestigten Mauern, Torbögen und historischen Gebäude.
Die Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption, bildet seit dem 16. Jahrhundert das religiöse Zentrum des Dorfes. Die heutige Kirche wurde um 1557 oder 1558 fertiggestellt und 1582 geweiht. Sie ist der Jungfrau Maria gewidmet, deren Himmelfahrt am 15. August gefeiert wird, und wird gelegentlich irrtümlich auch Saint-Laurent-Kirche genannt, in Anlehnung an den Schutzpatron des Dorfes.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Bauwerk mehrfach restauriert, unter anderem 1624 und 1758, und diente 1793 sogar als Versammlungsort der Sans-culottes von Gassin. Die Glocke Saint-Laurent zählt zu den wenigen Glocken im Département Var, die die Französische Revolution überdauerten.
1981 erfolgte eine umfassende Renovierung. Der Bau ist schlicht gehalten mit einem quadratischen Turm, der früher als Wachturm gedient haben könnte.

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Die Porte des Sarrazins, wahrscheinlich aus dem 14. Jahrhundert, ist eines der sichtbarsten Zeugnisse der mittelalterlichen Befestigung von Gassin. Sie markierte den Hauptzugang zum oberen Dorf, das einst von Mauern umschlossen war, und war zugleich ein Kontrollpunkt für alle, die in den befestigten Kern gelangten. Der Name erinnert an die Zeit nach der Vertreibung der Sarazenen von der Halbinsel.

Das Tor bestand ursprünglich aus einer schweren Holztür, die mit einem herabgleitenden Gitter verschlossen werden konnte. Noch heute lassen sich Spuren dieser Mechanismen erkennen. Scharniere an der linken Seite und die Nuten für die Verschlussklötze auf der rechten Seite zeigen, wie der Durchgang gesichert wurde. Der Bogen über dem Tor erinnert an die Stelle, an der das Gitter herabgelassen wurde, und vermittelt einen Eindruck von der Verteidigungsfunktion des Bauwerks. Für den Bau wurde ein grünlich-bläulicher Marmor aus dem Massif des Maures verwendet, der für militärische Bauten der Region typisch war.


Eine der ungewöhnlichsten Stellen im alten Dorfkern von Gassin ist L’Androuno, eine extrem schmale Gasse, die an ihrer engsten Stelle nur etwa 29 Zentimeter breit ist. Sie gilt als engste Gasse der Welt und ist ein prägnantes Beispiel für die mittelalterliche Bauweise des Ortes. Der Name „L’Androuno“ leitet sich vom lateinischen Wort andron ab, das wiederum auf das griechische Wort zurückgeht und ursprünglich die männlichen Bereiche in griechischen Wohnhäusern bezeichnete (Männergemach).
Sie liegt zwischen zwei alten Wohnhäusern, die direkt auf dem Felsen errichtet wurden und entstand nicht durch bewusste Planung, sondern als Folge der engen Bebauung im historischen Dorfkern, wo jeder verfügbare Raum genutzt werden musste.

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Im historischen Kern von Gassin führen die Rues des Fabriques und die Rue du Moulin à huile durch das frühere Gewerbeviertel des Dorfes. Hier konzentrierten sich über Jahrhunderte die Handwerker und kleinen Betriebe, die für das tägliche Leben der Bewohner unverzichtbar waren. Schmiede, Zimmerleute, Küfer (Fassbinder) und Korbmacher nutzten die natürlichen Materialien der Umgebung, um Werkzeuge, Haushaltsgegenstände oder Möbel herzustellen. Daneben befanden sich Werkstätten für Lebensmittelverarbeitung, in denen Marmeladen, Öle oder andere regionale Produkte hergestellt wurden.

Die Rue du Moulin à huile verdankt ihren Namen einer Olivenölmühle, die noch heute in ihrer ursprünglichen Lage erhalten ist, wenn auch inzwischen als Wohnhaus umgenutzt. Anders als große Wassermühlen oder Windmühlen wurde sie mit tierischer Kraft betrieben, etwa von Maultieren, was eine typische Form der Ölproduktion in kleinen Dörfern der Provence darstellte. Das gewonnene Öl versorgte vor allem den örtlichen Bedarf.

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Das Rathaus von Gassin nimmt im historischen Ortsbild einen besonderen Platz ein, denn seit seiner Errichtung im Jahr 1584, befindet es sich auf dem Gelände des ehemaligen four banal, des gemeinschaftlich genutzten Backofens, der früher im Dorfalltag eine wichtige Rolle spielte. Der Bau entstand auf Anweisung des damaligen Mit‑Herrschers von Gassin, des Herren von Châteauneuf.
Ursprünglich bestand das Gebäude lediglich aus einem einzigen Raum, der dem heutigen Erdgeschoss auf der rechten Seite beim Eingang entspricht. Im Jahr 1899 wurde das Gebäude um ein zusätzliches Stockwerk erhöht, um dort die Dorfschule mit getrennten Klassen für Mädchen und Jungen sowie die Wohnungen für die Lehrkräfte unterzubringen.

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Am Place Léon Martel, vor dem Touristenbüro, befindet sich eine Orientierungstafel, die zu einem der bedeutendsten Aussichtspunkte des gesamten Dorfes geworden ist. Von hier aus lässt sich der gesamte Golfe de Saint-Tropez überblicken, sowie das umliegende Land mit der Bucht von Cannes im Westen und die Îles d’Hyères im Osten.

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Die Rue de la Tasco ist die älteste Straße des Dorfes mit typischen Innenhöfen, während die Rue Longue Türen aus dem 15. Jahrhundert aufweist, von denen die älteste aus dem Jahr 1422 stammt.

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Der Jardin botanique privé L’Hardy-Denonain ist ein Garten im Ortskern von Gassin, der seit 2009 mit dem Label Jardin remarquable ausgezeichnet ist, einer Anerkennung für bedeutende und sorgfältig gestaltete Park- und Gartenanlagen in Frankreich. Der Garten gehört zu den ältesten im Dorf und wurde im im 19. Jahrhundert angelegt. Er verdankt seinen Namen dem Ehepaar Hardy-Denonain, das sich leidenschaftlich dem Pflanzenbau und der Gartenkunst widmete. Von Beginn an kombinierte der Garten Elemente mediterraner Vegetation mit exotischen Arten, die im Laufe der Zeit aus verschiedenen Teilen der Welt hinzugefügt wurden. Heute umfasst die Sammlung zahlreiche Bäume, Sträucher und Stauden, die sowohl klimatisch als auch gestalterisch zur Umgebung passen. Oliven, Zypressen, Zitruspflanzen, Agaven und Palmen bilden ein abwechslungsreiches Mosaik, ergänzt durch Blumen und Kletterpflanzen, die den Charakter typischer provenzalischer Gärten prägen.


Landschaft, Geologie und Weinbau

Zwischen den bewaldeten Höhenzügen ziehen sich die Weinberge durch die Landschaft und reichen stellenweise bis zum Mittelmeer.
Die heutige Topografie ist das Ergebnis geologischer Veränderungen. Früher drang das Meer weiter ins Landesinnere vor, doch als es sich zurückzog, hinterließ es Ablagerungen, die fruchtbare Böden bildeten, die eine günstige Grundlage für den Weinbau boten. Die zwei Hügelketten ermöglichen ein Mikroklima, das die Reben vor starken Winden bewahrt und Temperaturunterschiede abmildert. Etwa 15 Prozent des Gemeindegebiets von Gassin sind mit Weinbergen bedeckt, was die wirtschaftliche Bedeutung dieses Sektors unterstreicht.

Die Wurzeln des Weinbaus in dieser Region reichen weit zurück. Es ist wahrscheinlich, dass griechische Händler im 3. Jahrhundert v. Chr. erste Reben einführten. Der antike Handelsplatz Athénopolis, gegründet von Siedlern aus Massalia, befand sich zwischen Grimaud und Saint-Tropez. Archäologische Funde belegen zudem, dass die Römer spätestens ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. hier Wein produzierten. Überreste mehrerer landwirtschaftlicher Gutshöfe mit entsprechenden Anlagen wurden im Gebiet von Gassin entdeckt.

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Gassin als Filmkulisse einer Kultkomödie

Gassin diente mehrfach als Drehort für Filmproduktionen, die das Bild der Halbinsel von Saint-Tropez international prägten. Bereits 1956 entstanden hier Szenen zu „Et Dieu… créa la femme“ (Und immer lockt das Weib), inszeniert von Roger Vadim und mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle. Der Film machte nicht nur Bardot weltberühmt, sondern lenkte auch den Blick eines internationalen Publikums auf die bis dahin vergleichsweise ruhige Küstenregion rund um Saint-Tropez.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Gemeinde wiederholt Kulisse für die populäre Filmreihe um den „Gendarme von Saint-Tropez“ mit Louis de Funès. In den Jahren 1964, 1968, 1970, 1979 und 1982 wurde im alten Dorfkern mit seinen engen Gassen ebenso wie entlang der Route de Coste Brigade gedreht.

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