Zwischen 1676 und 1682 wurde Frankreich von einem der größten Kriminal- und Justizskandale seiner Geschichte erschüttert: der sogenannten Giftaffäre (*l’Affaire des poisons*). Was zunächst wie eine Reihe isolierter, rätselhafter Todesfälle erschien, entpuppte sich rasch als ein weit verzweigtes Geflecht aus Mord, Giftmischerei, Magie und Intrigen, dessen Spuren bis in die unmittelbare Nähe des Hofes von Ludwig XIV. führten.
Brinvilliers floh daraufhin ins Ausland, konnte jedoch im Jahr 1676 in einem Kloster gefasst werden. Sie wurde am 17. April 1676 einem ersten Verhör unterzogen und am 26. April 1676 in der Conciergerie inhaftiert. Anschließend wurde sie vor Gericht gestellt, und trotz ihres Adelsstatus zum Tode verurteilt. Am 17. Juli desselben Jahres wurde sie öffentlich hingerichtet, und ihr Leichnam anschließend verbrannt, um ein deutliches Signal gegen Giftmorde zu setzen. Ihr Prozess, ihre Verurteilung und ihre Hinrichtung wurden von Alexandre Dumas in seinen „Crimes célèbres“ dokumentiert, und auch in der Korrespondenz von Madame de Sévigné finden sich zeitgenössische Berichte.
Der spektakuläre Prozess machte nicht nur die Existenz tödlicher Gifte sichtbar, sondern führte auch ab 1677 zu ersten umfassenden Ermittlungen unter der Leitung von Gabriel-Nicolas de La Reynie, dem Polizeichef von Paris, die das Ausmaß eines möglichen Netzwerks von Giftmischern und Wahrsagerinnen erahnen ließen. In den folgenden Jahren traten immer neue Informantinnen und Angeklagte in den Vordergrund, darunter Marie Bosse, La Vigoreaux und vor allem Catherine Deshayes, besser bekannt als La Voisin.
La Voisin betrieb ein florierendes Geschäft, das sowohl Liebestränke und tödliche Pulver als auch illegale Abtreibungen, Aphrodisiaka, magische Amulette und die Organisation schwarzer Messen umfasste. Ihre Kundschaft reichte von einfachen Pariserinnen bis zu wohlhabenden Aristokratinnen, die oft tödliche Folgen ihrer Entscheidungen nicht erahnten.
La Voisin leitete ein organisiertes Netzwerk von Mitverschwörern und Zulieferinnen, die Giftrezepte, Rituale und magische Dienstleistungen weitergaben. Berichten zufolge waren möglicherweise hunderte Personen in ihr Netzwerk eingebunden, was sie zu einer der berüchtigtsten Figuren der Affäre machte. Am 12. März 1679 wurde sie verhaftet und ins Château de Vincennes gebracht. Während ihrer Haft wurde sie gefoltert, leugnete jedoch lange, eine Hexe zu sein. Im Rahmen ihres Prozesses schilderte La Voisin während der Verhöre selbst, sie habe die Leichen von mehr als zweitausendfünfhundert frühgeborenen oder tot geborenen Kindern entweder in einem Ofen verbrannt oder in ihrem Garten vergraben, eine Aussage, die das ohnehin düstere Bild ihrer Aktivitäten weiter verdichtete. Am 22. Februar 1680 wurde sie auf der Place de Grève in Paris öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ein Ereignis, das die gesamte Stadt erschütterte.
Weitere Verhöre entwickelten sich schnell zu einer regelrechten „Hexenjagd“, in der Verdächtigungen und Anschuldigungen rasch eskalierten.
Um die wachsende Welle von Giftmorden, okkulten Praktiken und angeblichen Komplotten am Hof zu untersuchen, richtete Ludwig XIV. im Jahr 1679 ein Sondergericht ein, das als Chambre Ardente bekannt wurde. Der Name leitet sich von der düsteren Beleuchtung der Sitzungssäle ab, die ausschließlich mit Kerzen oder Fackeln erhellt wurden und eine Atmosphäre der Bedrohung und Einschüchterung erzeugten. Das Tribunal war speziell dafür vorgesehen, Verbrechen wie Giftmischerei, Hexerei, Magie, Abtreibungen und Rituale zu verfolgen, die als ernsthafte Gefährdung der königlichen Ordnung und des Staates angesehen wurden.
Die Ermittlungen wurden maßgeblich von Gabriel-Nicolas de La Reynie, dem Polizeichef von Paris, geleitet. Er koordinierte die Verhöre, sammelte Beweise und überwachte die Operationen der Polizei, die in engem Austausch mit den Richtern des Parlements von Paris arbeiteten. Unter seiner Leitung konnte die Chambre Ardente eine Vielzahl von Angeklagten vorladen, die Zahl der Festnahmen lag bei über 360, darunter Adlige, Kaufleute, Bedienstete und „Magier“. Es wurden zahlreiche Urteile gefällt, darunter 36 Todesstrafen, lebenslange Haft, zahlreiche Verbannungen und Geldbußen.
Die Verfahren waren geheim, beruhten häufig auf Angst, Gerüchten und erzwungenen Geständnissen, und die Anschuldigungen reichten weit über die ursprünglichen Mordfälle hinaus, da Angeklagte oft andere, einschließlich hoher Hofangehöriger, beschuldigten.
Angesichts der Verstrickung der Elite befahl Ludwig XIV. schließlich, dass die Chambre Ardente keine Verfahren mehr gegen Personen aus dem unmittelbaren Umfeld des Hofes führen sollte. Im Jahr 1682 wurde das Gericht offiziell aufgelöst, und viele der verbliebenen Angeklagten, darunter Adlige, die beschuldigt wurden, aber nicht formell verurteilt werden konnten, wurden auf königlichen Befehl in Festungen interniert, um öffentliche Skandale zu vermeiden und den Ruf des Hofes zu schützen.
Darüber hinaus erhoben einige Zeugen den Vorwurf, dass Montespan an schwarzen Messen teilgenommen und sogar versucht haben soll, den König persönlich sowie seine junge Partnerin Marie Angélique de Fontanges zu vergiften.
Trotz der weitreichenden Gerüchte und Anschuldigungen konnte jedoch niemals ein zwingender Beweis gegen Madame de Montespan erbracht werden. Ludwig XIV. selbst unterbrach die Ermittlungen gegen sie, ordnete an, die Verhöre zu verschleiern, und verfügte schließlich im Jahr 1709, nach dem Tod von Gabriel-Nicolas de La Reynie, die Vernichtung aller belastenden Akten, um ihren Ruf zu schützen und die öffentliche Ordnung am Hof aufrechtzuerhalten. La Reynie hatte diese sensiblen Inhalte jedoch zuvor zusammenfassend festgehalten Seine Notizen werden bis heute in der Bibliothèque nationale de France aufbewahrt.
Die Affäre schädigte nachhaltig ihrem Ruf und trug dazu bei, dass sie allmählich die Gunst des Königs verlor, insbesondere als Ludwig XIV. sich zunehmend Madame de Maintenon zuwandte. Mme de Montespan blieb zunächst noch einige Zeit am Hof, um sich um ihre Kinder zu kümmern, und zog sich schließlich 1691 in die Nähe der Abtei von Fontevrault zurück, die von ihrer Schwester Marie-Madeleine de Rochechouart geleitet wurde.
Morde im Verborgenen – Brinvilliers und der erste Giftalarm
Der Skandal um die Giftaffäre nahm seinen dramatischen Anfang mit der Aufdeckung von Marie-Madeleine d’Aubray, Marquise de Brinvilliers, die beschuldigt wurde, ihren Vater sowie zwei ihrer Brüder über Jahre hinweg systematisch mit Arsen und anderen giftigen Substanzen ermordet zu haben, um an deren Erbe zu gelangen und ihren eigenen finanziellen Vorteil zu sichern. Ihre Verbrechen kamen durch einen entscheidenden Zufall ans Licht: Nach dem Tod ihres Liebhabers Godin de Sainte-Croix wurde bei der Durchsuchung seines Nachlasses eine Schatulle gefunden, in der sich Briefe, Aufzeichnungen und Fläschchen mit tödlichen Substanzen befanden, deren Existenz die Pariser Gesellschaft erschütterte und eine Welle von Angst und Misstrauen auslöste, da die Vorstellung, dass Mord und Gift mitten unter den Bürgern und Adeligen verübt werden konnten, die Stadt in Alarmbereitschaft versetzte.Brinvilliers floh daraufhin ins Ausland, konnte jedoch im Jahr 1676 in einem Kloster gefasst werden. Sie wurde am 17. April 1676 einem ersten Verhör unterzogen und am 26. April 1676 in der Conciergerie inhaftiert. Anschließend wurde sie vor Gericht gestellt, und trotz ihres Adelsstatus zum Tode verurteilt. Am 17. Juli desselben Jahres wurde sie öffentlich hingerichtet, und ihr Leichnam anschließend verbrannt, um ein deutliches Signal gegen Giftmorde zu setzen. Ihr Prozess, ihre Verurteilung und ihre Hinrichtung wurden von Alexandre Dumas in seinen „Crimes célèbres“ dokumentiert, und auch in der Korrespondenz von Madame de Sévigné finden sich zeitgenössische Berichte.
Der spektakuläre Prozess machte nicht nur die Existenz tödlicher Gifte sichtbar, sondern führte auch ab 1677 zu ersten umfassenden Ermittlungen unter der Leitung von Gabriel-Nicolas de La Reynie, dem Polizeichef von Paris, die das Ausmaß eines möglichen Netzwerks von Giftmischern und Wahrsagerinnen erahnen ließen. In den folgenden Jahren traten immer neue Informantinnen und Angeklagte in den Vordergrund, darunter Marie Bosse, La Vigoreaux und vor allem Catherine Deshayes, besser bekannt als La Voisin.
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| Quelle: Wikimedia |
Magie, Wahrsagerinnen und schwarze Messen – Das Netzwerk der La Voisin
Catherine Deshayes, besser bekannt als La Voisin, war weit mehr als nur eine Giftmischerin und Wahrsagerin. Sie stand im Zentrum eines weitverzweigten Netzwerks von Tod, Magie und Betrug im Paris des 17. Jahrhunderts. Geboren um 1640, begann sie nach dem frühen Tod ihres Ehemanns ihren Lebensunterhalt mit Wahrsagerei und hellseherischen Praktiken, bevor sie sich in kriminellere Bereiche begab.La Voisin betrieb ein florierendes Geschäft, das sowohl Liebestränke und tödliche Pulver als auch illegale Abtreibungen, Aphrodisiaka, magische Amulette und die Organisation schwarzer Messen umfasste. Ihre Kundschaft reichte von einfachen Pariserinnen bis zu wohlhabenden Aristokratinnen, die oft tödliche Folgen ihrer Entscheidungen nicht erahnten.
La Voisin leitete ein organisiertes Netzwerk von Mitverschwörern und Zulieferinnen, die Giftrezepte, Rituale und magische Dienstleistungen weitergaben. Berichten zufolge waren möglicherweise hunderte Personen in ihr Netzwerk eingebunden, was sie zu einer der berüchtigtsten Figuren der Affäre machte. Am 12. März 1679 wurde sie verhaftet und ins Château de Vincennes gebracht. Während ihrer Haft wurde sie gefoltert, leugnete jedoch lange, eine Hexe zu sein. Im Rahmen ihres Prozesses schilderte La Voisin während der Verhöre selbst, sie habe die Leichen von mehr als zweitausendfünfhundert frühgeborenen oder tot geborenen Kindern entweder in einem Ofen verbrannt oder in ihrem Garten vergraben, eine Aussage, die das ohnehin düstere Bild ihrer Aktivitäten weiter verdichtete. Am 22. Februar 1680 wurde sie auf der Place de Grève in Paris öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ein Ereignis, das die gesamte Stadt erschütterte.
Weitere Verhöre entwickelten sich schnell zu einer regelrechten „Hexenjagd“, in der Verdächtigungen und Anschuldigungen rasch eskalierten.
Die Chambre Ardente – Gericht der Angst und Folter
Um die wachsende Welle von Giftmorden, okkulten Praktiken und angeblichen Komplotten am Hof zu untersuchen, richtete Ludwig XIV. im Jahr 1679 ein Sondergericht ein, das als Chambre Ardente bekannt wurde. Der Name leitet sich von der düsteren Beleuchtung der Sitzungssäle ab, die ausschließlich mit Kerzen oder Fackeln erhellt wurden und eine Atmosphäre der Bedrohung und Einschüchterung erzeugten. Das Tribunal war speziell dafür vorgesehen, Verbrechen wie Giftmischerei, Hexerei, Magie, Abtreibungen und Rituale zu verfolgen, die als ernsthafte Gefährdung der königlichen Ordnung und des Staates angesehen wurden. Die Ermittlungen wurden maßgeblich von Gabriel-Nicolas de La Reynie, dem Polizeichef von Paris, geleitet. Er koordinierte die Verhöre, sammelte Beweise und überwachte die Operationen der Polizei, die in engem Austausch mit den Richtern des Parlements von Paris arbeiteten. Unter seiner Leitung konnte die Chambre Ardente eine Vielzahl von Angeklagten vorladen, die Zahl der Festnahmen lag bei über 360, darunter Adlige, Kaufleute, Bedienstete und „Magier“. Es wurden zahlreiche Urteile gefällt, darunter 36 Todesstrafen, lebenslange Haft, zahlreiche Verbannungen und Geldbußen.
Die Verfahren waren geheim, beruhten häufig auf Angst, Gerüchten und erzwungenen Geständnissen, und die Anschuldigungen reichten weit über die ursprünglichen Mordfälle hinaus, da Angeklagte oft andere, einschließlich hoher Hofangehöriger, beschuldigten.
Angesichts der Verstrickung der Elite befahl Ludwig XIV. schließlich, dass die Chambre Ardente keine Verfahren mehr gegen Personen aus dem unmittelbaren Umfeld des Hofes führen sollte. Im Jahr 1682 wurde das Gericht offiziell aufgelöst, und viele der verbliebenen Angeklagten, darunter Adlige, die beschuldigt wurden, aber nicht formell verurteilt werden konnten, wurden auf königlichen Befehl in Festungen interniert, um öffentliche Skandale zu vermeiden und den Ruf des Hofes zu schützen.
Skandal am Hof – Madame de Montespan im Kreuzfeuer der Anschuldigungen
Die Giftaffäre nahm eine besondere Wendung als Anschuldigungen gegen Françoise Athénaïs de Rochechouart, Marquise de Montespan, die langjährige Favoritin von Ludwig XIV. bekannt wurden. Laut den Geständnissen von La Voisins Tochter sowie anderen Angeklagten soll Montespan bereits seit den 1660er Jahren regelmäßig die Dienste von Wahrsagern, Astrologen und angeblichen Hexen in Anspruch genommen haben, angeblich mit dem Ziel, die Liebe des Königs zu sichern, seine Zuneigung zu vertiefen oder Rivalinnen am Hof auszuschalten.Darüber hinaus erhoben einige Zeugen den Vorwurf, dass Montespan an schwarzen Messen teilgenommen und sogar versucht haben soll, den König persönlich sowie seine junge Partnerin Marie Angélique de Fontanges zu vergiften.
Trotz der weitreichenden Gerüchte und Anschuldigungen konnte jedoch niemals ein zwingender Beweis gegen Madame de Montespan erbracht werden. Ludwig XIV. selbst unterbrach die Ermittlungen gegen sie, ordnete an, die Verhöre zu verschleiern, und verfügte schließlich im Jahr 1709, nach dem Tod von Gabriel-Nicolas de La Reynie, die Vernichtung aller belastenden Akten, um ihren Ruf zu schützen und die öffentliche Ordnung am Hof aufrechtzuerhalten. La Reynie hatte diese sensiblen Inhalte jedoch zuvor zusammenfassend festgehalten Seine Notizen werden bis heute in der Bibliothèque nationale de France aufbewahrt.
Die Affäre schädigte nachhaltig ihrem Ruf und trug dazu bei, dass sie allmählich die Gunst des Königs verlor, insbesondere als Ludwig XIV. sich zunehmend Madame de Maintenon zuwandte. Mme de Montespan blieb zunächst noch einige Zeit am Hof, um sich um ihre Kinder zu kümmern, und zog sich schließlich 1691 in die Nähe der Abtei von Fontevrault zurück, die von ihrer Schwester Marie-Madeleine de Rochechouart geleitet wurde.


