Die Mätressen der französischen Könige – Liebe, Macht und Einfluss am Hof

Die Geschichte Frankreichs ist geprägt von Königen, Kriegen und politischen Allianzen, aber auch von den Mätressen, die oft still, aber wirkungsvoll das Hofleben prägten. Seit dem Spätmittelalter begleiteten die Geliebten der französischen Könige die jahrhundertelange Geschichte der Monarchie. In einer Zeit, in der politische Ehen oft arrangiert wurden, boten sie den Königen emotionale Nähe, Gesellschaft und oft auch politische Beratung und prägten den Hof über Generationen hinweg.

Im französischen Hofzeremoniell entwickelte sich mit der Zeit die Rolle der maîtresse en titre, also einer anerkannten Hauptmätresse, während andere kleinere Liebschaften als petite maîtresses galten. Manche dieser Beziehungen blieben privat, andere wurden offiziell anerkannt und gaben den Frauen großen Einfluss. Auch wenn sie nicht den Titel einer Königin trugen, hatten viele Mätressen mehr Macht im Alltag des Hofes als manche offizielle Adlige.

maetresse-marquise-montespan


Berühmte Mätressen im Überblick

Bereits im Mittelalter spielten Mätressen am französischen Hof eine bedeutende Rolle und etablierten erste bekannte Liebesgeschichten am Hof. So gehörte Marie de Breuillet zu den Geliebten von Ludwig VI., genannt der Dicke oder der Kämpfer (1081–1137), und schenkte ihm eine Tochter, Isabelle, die später als Herzogin von Frankreich bekannt wurde. Unter Karl V., dem Weisen (1338–1380), nahm Biette de Cassinel als Mutter von Oudard d’Attainville eine besondere Stellung ein und genoss das Vertrauen des Königs. Auch Karl VI., der Vielgeliebte oder der Wahnsinnige (1368–1422), zeigte seine Zuneigung über Jahre hinweg, besonders gegenüber Odette de Champdivers, die von Zeitgenossen „la petite reine“ genannt wurde und trotz der psychischen Probleme des Königs seine Verehrung genoss.

Unter Karl VII. der Siegreiche (1403-1461) wurde Agnès Sorel zur ersten bekannten offiziell anerkannten Mätresse und Mutter mehrerer Kinder des Königs. Sie war bekannt für ihren Einfluss am Hof, was zu einem Wendepunkt in der Wahrnehmung dieser Rolle führte.

Mit dem Beginn der Renaissance gewann diese Rolle weiter an gesellschaftlicher und politischer Bedeutung.


Franz I. – Renaissance-Herzen am französischen Hof

Unter Franz I. (1494-1547) entwickelte sich die Rolle der Mätresse zu einem sichtbaren Bestandteil des Hoflebens. Am Anfang seiner Beziehungen stand Marie Gaudin, Dame de La Bourdaisière, die zu den ersten Frauen zählte, die Franz I. zugetan waren. Marie stammte aus einer wohlhabenden Familie und gilt als eine der Vorfahrinnen von Gabrielle d’Estrées, der späteren berühmten Mätresse von Heinrich IV. Durch ihre Verbindung mit dem König erhielt ihr Ehemann Philibert Babou hohe Ämter und Ehren, und das Anwesen La Bourdaisière wurde zu einem Zentrum höfischer Treffen und Feste.

Auch Mary Boleyn, die ältere Schwester von Anne Boleyn, wird in zeitgenössischen Listen als eine von Franz I. Geliebten genannt. Die Existenz einer Liebesbeziehung zwischen Mary und Franz I. ist historisch umstritten, wird jedoch in mehreren Quellen erwähnt.


Heinrich II. – Liebe und Macht mit Diane de Poitiers

Heinrich II. (1519–1559) war ein König, dessen Herz schon früh der wunderschönen Diane de Poitiers gehörte. Diane war nicht nur seine Geliebte, sondern eine der einflussreichsten Frauen des französischen Hofes. Sie hatte über zehn Jahre lang die ungeteilte Aufmerksamkeit des Königs, während seine Ehe mit Katharina von Medici politisch arrangiert war. Diane de Poitiers kontrollierte Ländereien, Hofangelegenheiten und hatte erheblichen Einfluss auf die Entscheidungen des Königs.

Nicole de Savigny, Mätresse von Heinrich II. (1519-1559), hatte eine kurze, aber einflussreiche Beziehung mit dem König und gebar ihm einen Sohn. Zahlreiche weitere Frauen wie Jane Stuart, genannt „La Belle Écossaise“, oder Filippa Duci sind aus dieser Zeit überliefert und zeigen, dass selbst junge Adlige am königlichen Hof mehr sein konnten als bloße Hofdamen.

maetresse-diana-poitiers-koenig-heinrich
Quelle : Vikidia


Karl IX. und Heinrich III. - Mätressen und ihre dynastischen Netzwerke am Hof

Unter Karl IX. von Frankreich (1550–1574) spielte Marie Touchet eine zentrale Rolle als seine Mätresse. Sie war bekannt für ihre Intelligenz und ihren Charme, der den König besonders in seinen späteren Regierungsjahren anzog. Aus dieser Beziehung ging Charles d’Angoulême (1573–1650) hervor, der als Neffe von König Heinrich III. eine besondere Stellung innerhalb des königlichen Netzwerks einnahm.

Unter den Mätressen Heinrichs III. (1551–1589) befand sich Françoise Babou de La Bourdaisière, Mutter von Gabrielle d’Estrées, die später selbst eine der berühmtesten Mätressen Frankreichs wurde. Die Verbindung zeigt, wie die familiären Netzwerke von Mätressen oft über Generationen hinweg eine Rolle am königlichen Hof spielten.


Heinrich IV. – der König der Herzen und der Liebesgeschichten

Heinrich IV. von Frankreich (1553–1610) war berühmt für seinen Charme und seine zahlreichen Liebschaften. Historikern zufolge hatte er mindestens neun Mätressen, von denen einige ihm insgesamt 15 Kinder schenkten, die teils legitimiert wurden. Die bekannteste war Gabrielle d’Estrées, die den König stark beeinflusste und ihm drei Kinder schenkte. Eine besondere Verbindung bestand zu Claude de Beauvilliers, Cousine von Gabrielle d’Estrées und Äbtissin der Abtei Montmartre seit 1590, die durch familiäre Nähe ebenfalls Einfluss am Hof ausübte. Angeblich hatte er auch eine Liaison mit Gabrielles Schwester Françoise im Jahr 1599. Heinrich IV. galt als lebensfroher Monarch, dessen Liebesleben auch öffentlich bekannt war und seinen Ruf als „König der Herzen“ festigte.

Spätestens im 17. Jahrhundert bestimmte der Hof von Versailles das Bild der königlichen Mätressen.

maetresse-koenig-heinrich-gabrielle-estrees
Quelle : BnF Gallica


Ludwig XIV. – der Sonnenkönig und seine prächtigen Mätressen

Ludwig XIV. (1643–1715) machte das Mätressenwesen am Hof von Versailles zur Kunstform. Er hatte zahlreiche Geliebte, von denen zwei besonders herausstachen, Louise de La Vallière und Françoise Athénaïs de Rochechouart, Marquise de Montespan. Louise de La Vallière schenkte dem König vier Kinder und ihre Beziehung war durch tiefe Zuneigung geprägt. Madame de Montespan, berühmt für ihre Schönheit und ihren politischen Einfluss, brachte sogar sieben Kinder zur Welt, die später alle legitimiert wurden.

Später heiratete Ludwig XIV. heimlich Françoise d’Aubigné, Marquise de Maintenon, die zuvor seine Geliebte war. Sie hatte enormen Einfluss auf den König und die Hofpolitik, obwohl sie offiziell nie den Titel einer Königin trug.

Unter Ludwig XIV. wurde die Mätressenrolle formalisiert. Es gab die maîtresse en titre (offizielle Hauptmätresse) und weitere „kleinere“ Mätressen (petite maîtresses), die oft aus dem Adels- oder wohlhabenden Bürgertum stammten.

maetresse-maintenon-koenig-ludwig-frankreich
Quelle : Wikipedia


Ludwig XV. – vom Parc-aux-Cerfs zu Jeanne de Pompadour

Ludwig XV. (1715–1774) war ebenfalls für seine zahlreichen Mätressen bekannt. Besonders berüchtigt war der sogenannte Parc-aux-Cerfs, ein Ort, an dem junge Frauen vom König unterhalten wurden. Die berühmtesten Mätressen waren die Mailly-Nesle-Schwestern, von denen vier nacheinander die Position der Hauptmätresse innehatten.

Die bekannteste und politisch einflussreichste Mätresse war Jeanne-Antoinette Poisson, Marquise de Pompadour, die nicht nur Geliebte, sondern auch enge Beraterin des Königs war. Sie spielte eine zentrale Rolle bei der Kunstförderung, Kulturpolitik und politischen Entscheidungen am Hof. Zu den späteren Geliebten gehörten Anne Couppier de Romans, Baronne de Meilly-Coulonge. Aus dieser Beziehung stammte Louis-Aimé de Bourbon, der einzige legitimierte uneheliche Sohn des Königs. Zeitgleich war auch Lucie Madeleine d’Estaing eine von Ludwigs Mätressen, deren Liaison von 1760 bis 1768 dauerte.

maetressen-parc-cerfs
Quelle : BnF Gallica

maetresse-koenig-pompadour-boucher-gemaelde
Quelle: Wikipedia

Kommentar veröffentlichen

Neuere Ältere

Kontaktformular