Ravin de Corboeuf - Colorado der Haute-Loire

Östlich von Rosières in der Haute-Loire befindet sich mit den Ravins de Corbœuf eine geologisch außergewöhnliche Landschaft. Auf einer Länge von rund 500 Metern haben Wasser und Erosion tiefe Rinnen in mächtige Tonschichten geschnitten, zwischen denen schmale Grate und unterschiedlich gefärbte Hänge entstanden sind. Das Naturgebiet liegt am östlichen Rand der Ebene von Emblavez, wenige Kilometer von Le Puy-en-Velay entfernt, und lässt sich auf einem ausgeschilderten Rundweg erkunden.

Die Farben der freiliegenden Tonlagen reichen von Rot über Grün und Blau bis zu Gelb und Ocker und bilden einen deutlichen Kontrast zur bewachsenen Umgebung. Die Ravins de Corbœuf sind deshalb ein beliebtes Ausflugsziel in der Haute-Loire, besitzen jedochnicht nur landschaftlichen, sondern auch wissenschaftlichen Wert. Seit dem 26. Juni 2013 steht das Gebiet auf einer Fläche von rund 65 Hektar als geschützte Naturstätte unter besonderem Schutz.

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Die geologische Geschichte des Ravin de Corbœuf

Um die Entstehung der Schlucht zu verstehen, muss man mehrere zehn Millionen Jahre zurückgehen. Das Gebiet von Le Puy und Emblavez gehörte ursprünglich zu einem größeren tektonischen Becken, das vor etwa 40 Millionen Jahren durch die Absenkung und Zerlegung des granitischen Untergrunds des Velay entstand. In den abgesenkten Bereichen konnten sich Sedimente ablagern, während sich im Laufe der weiteren geologischen Entwicklung die einzelnen Becken voneinander abgrenzten.

Die Tonschichten der Ravins de Corbœuf entstanden in einem See- beziehungsweise Flusssystem, das damals einen wesentlich größeren Teil des heutigen Beckens einnahm. Die Ablagerungen werden dem oberen Eozän (etwa 40 bis 34 Millionen Jahre vor heute) zugeordnet, wobei eine genauere Datierung nicht möglich ist, da sie keine geeigneten Fossilien enthalten. Die Tonserie ist mehr als 50 Meter dick und besteht aus weitgehend horizontal gelagerten Schichten.

Im unteren Bereich finden sich unter anderem rötliche und grünliche, teilweise sandige Lagen, darüber folgen mächtige Abfolgen von hellen, beigen und bläulich gefärbten Tonen. Die einzelnen Schichten unterscheiden sich außerdem hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit. Härtere Lagen werden von der Erosion langsamer abgetragen als das umgebende Material und beeinflussen dadurch die heutige Form des Reliefs.

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Wie die Schluchten entstanden

Die heutigen Schluchten sind wesentlich jünger als die Sedimente, aus denen sie bestehen. Nachdem die Tonablagerungen entstanden waren, veränderten tektonische Bewegungen und vulkanische Aktivitäten das Relief der Region. Anschließend begann die Erosion, die weichen Sedimentschichten abzutragen und dabei immer tiefere Rinnen in den Untergrund zu schneiden.

Niederschläge, die an den Hängen konzentriert abfließen, führen das leicht erodierbare Material mit. Wo die Tonlagen widerstandsfähiger sind, bleiben schmalere Erhebungen erhalten, während weichere Bereiche stärker eingeschnitten werden. Auf diese Weise entstand das für die Ravins de Corbœuf typische Relief aus kleinen Schluchten, schmalen Graten und steilen Hängen.

Die Entwicklung des Reliefs ist dabei keineswegs abgeschlossen. Gerade diese fortschreitende Erosion ist ein Grund dafür, dass die eigentlichen Schluchten nicht betreten werden dürfen.

Geologen sprechen bei solchen durch intensive Erosion geprägten Landschaften von Badlands. Die Ravins de Corbœuf gelten als besonders anschauliches Beispiel für eine solche Landschaft im französischen Massif Central. Anders als beispielsweise bei den Ockerlandschaften von Roussillon handelt es sich beim Ravin de Corbœuf nicht um das Ergebnis aufgegebener Abbauflächen, sondern um eine natürliche Erosionslandschaft.

Zu den auffälligsten Merkmalen des Gebietes gehören die unterschiedlichen Farben der Sedimente. Die Schichten sind nicht überall gleich zusammengesetzt und wurden zudem unter unterschiedlichen Bedingungen abgelagert, wodurch sich verschiedene mineralogische und chemische Eigenschaften entwickelten. Im unteren Bereich finden sich unter anderem rote und grüne Tone, während darüber bläulich-grüne bis beige Schichten folgen. Je nach Licht und Jahreszeit treten die einzelnen Schichten unterschiedlich deutlich hervor. Besonders bei tief stehender Sonne lassen sich die verschiedenen Farbtöne gut unterscheiden. Auch die Vegetation verändert das Erscheinungsbild des Schluchtgebiets, denn im Sommer heben sich die offenen Sedimentflächen deutlich von den grünen Bereichen ab, während im Herbst die Farben der umliegenden Vegetation hinzukommen.

Die Ravins de Corbœuf werden als „Colorado du Velay“ oder „kleines Colorado der Auvergne“ bezeichnet.


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Ein empfindliches Naturgebiet

Die Ravins de Corbœuf sind nicht nur aus geologischer Sicht interessant. Die besonderen Boden- und Feuchtigkeitsverhältnisse haben Lebensräume entstehen lassen, in denen verschiedene Pflanzenarten vorkommen, die in der Region nicht überall vorkommen.

Untersuchungen des Conservatoire botanique national du Massif central haben die besondere Vielfalt der Lebensräume und Pflanzenarten dokumentiert. Die Vegetation steht dabei in Zusammenhang mit den unterschiedlichen Umweltbedingungen innerhalb des Schluchtgebiets und den landwirtschaftlich genutzten Flächen in seiner Umgebung.

Zu den am Standort genannten Pflanzen gehören unter anderem die Türkenbundlilie (Lilium martagon) und das Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis). Die geschützte Landschaft umfasst deshalb nicht nur die sichtbaren Lehmschluchten, sondern ein größeres Gebiet von rund 65 Hektar mit unterschiedlichen natürlichen und vom Menschen geprägten Lebensräumen.

Ein eigens eingerichteter Lehrpfad vermittelt Informationen über die Geologie sowie über Flora und Fauna des Gebietes und ergänzt damit die Wanderung um einen naturkundlichen Aspekt.

Die Ravins de Corbœuf wurden durch einen Erlass vom 26. Juni 2013 als Naturstätte unter Schutz gestellt.

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Von der Eisenbahn zum Wanderweg

Ein Teil des heutigen Zugangs führt über eine ehemalige Eisenbahnstrecke. In Rosières beginnt der ausgeschilderte Rundweg PR634, mit einer Länge von etwa 3,6 Kilometern, an der früheren Bahnstation und folgt zunächst der Trasse der sogenannten „Galoche“. Nach dem zweiten Viadukt zweigt der Weg ab und führt über einen ansteigenden Abschnitt zu Aussichtspunkten oberhalb der Schlucht.

Die Bahnlinie wurde 1890 eröffnet und verband Lavoûte-sur-Loire über Rosières und Yssingeaux mit weiteren Orten der Region. Die Strecke verlief durch das teilweise schwierige Gelände und erforderte mehrere Brücken und Viadukte. Der Eisenbahnverkehr wurde 1952 eingestellt und die ehemalige Trasse wird heute unter anderem als Weg genutzt. In Rosières sind neben dem früheren Bahnhof auch die Wasserzisterne erhalten, die einst zur Versorgung der Dampflokomotiven diente.

Der Name „La Galoche“ wird mit den Arbeitern in Verbindung gebracht, die am Bau der Strecke beteiligt waren und nach der regionalen Überlieferung Holzschuhe, sogenannte Galoschen, trugen. Die Bezeichnung ist bis heute mit diesem Abschnitt der ehemaligen Bahnlinie verbunden.

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Rosières und die Umgebung

Der Ravin de Corbœuf liegt wenige Kilometer von Le Puy-en-Velay entfernt und eignet sich deshalb gut für einen Ausflug während eines Aufenthalts in der Stadt. Rosières liegt am Rand der Emblavez, einer Landschaft, die von der Loire, Granitplateaus und zahlreichen vulkanischen Erhebungen geprägt wird.

Auch der Name Emblavez verweist auf die landwirtschaftliche Geschichte der Region. Er geht auf das französische Verb „emblaver“ zurück, das mit dem Aussäen von Getreide verbunden ist. Die fruchtbaren Böden der Ebene standen damit in deutlichem Gegensatz zu den steileren und landwirtschaftlich weniger gut nutzbaren Hängen der umliegenden Landschaft.



   

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