Château de Bussy-Rabutin – Aristokratisches Erbe zwischen Macht, Skandalen und Kunst

Im malerischen Burgund, einer Region, die weltweit für ihre Weinberge und historischen Stätten bekannt ist, steht abseits der typischen Touristenpfade das Schloss Bussy-Rabutin, ein Ort, der nicht nur durch seine Architektur besticht, sondern auch durch seine Geschichte, die untrennbar mit der Person von Roger de Rabutin verbunden ist. Er war ein Mann, dessen Leben von Provokationen, literarischen Skandalen und seiner Verbindung zum französischen Königshof geprägt war.

Sein Exil nutzte der Graf, um die originelle Innenausstattung des Schlosses mit einer erstaunlichen Galerie zu verschönern. Anekdoten aus seinem Leben machen die Besichtigung zu etwas ganz Besonderem.

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Von der „Maison-Forte“ zum Schloss mit einer künstlerischen Seele

Das Château de Bussy-Rabutin ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Entwicklung eines aristokratischen Wohnsitzes, der sich über mehrere Jahrhunderte hinweg verändert hat.
Bereits im 14. Jahrhundert befand sich hier ursprünglich eine Art „Maison-Forte“, ein befestigtes Wohngebäude, das von vier Türmen und einer Umfassungsmauer umgeben war, die durch Wassergräben geschützt wurde.

Im 16. Jahrhundert verschwand der mittelalterliche Baustil nach und nach und machte Platz für Elemente der Renaissance. Anstelle der alten Umfassungsmauer wurden zwei Galerien errichtet, die auf eleganten Korbbögen ruhten und mit kunstvollen Friesen geschmückt waren.

Als François de Rabutin, der Großvater von Roger de Rabutin (1618–1693), im Jahr 1602 das Schloss erwarb, modernisierte er das Gebäude grundlegend, um den architektonischen Stil der Zeit widerzuspiegeln. Unter seiner Leitung wurde die Fassade des Hauptgebäudes völlig neu gestaltet, wobei sie nun eine klare Symmetrie aufwies und sich harmonisch über drei Etagen erstreckte. Besonders auffällig war die helle Farbe des Bauwerks, die einen markanten Kontrast zu den dunklen Schieferdächern bildete und dem Schloss so eine elegante und dennoch imposante Ausstrahlung verlieh.

Roger de Rabutin erbte das Schloss nach dem Tod seiner Mutter und setzte die Arbeiten zur Verschönerung, besonders im Inneren, fort. Er betrachtete sein Schloss als „einen Ort mit außergewöhnlichen inneren Werten“.

"Bussy... ist prachtvoll gebaut und das Innere von einer einzigartigen Schönheit, die man sonst nirgends sieht", "...da sind einige sehr amüsante Sachen dabei..."
Roger de Bussy-Rabutin, Auszug aus der Korrespondenz

Mehr als 300 Gemälde zieren die Wände des Schlosses und erzählen von der faszinierenden Lebensgeschichte des Grafen und seiner tiefen Sehnsucht nach dem höfischen Leben, doch keines der Porträts trägt einen Künstlernamen oder eine Signatur. Besonders der Salle des Hommes de Guerre (Saal der Krieger) und das Cabinet de la Tour dorée (Kabinett des goldenen Turms) präsentieren zahlreiche Porträts von Zeitgenossen. Hier sind seine Großmutter (Winter), seine Mutter (Herbst), seine erste Frau (Sommer) und seine zweite Frau (Frühling) in Form der vier Jahreszeiten an der Decke dargestellt.

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Lebensweisheiten und Mottos sind in Form von „sprechenden Bildern“ und in vier Sprachen (Französisch, Latein, Spanisch und Italienisch) im gesamten Schloss verteilt, vor allem im Salle des Devises (Devisensaal). Dieser Raum erinnert an die strenge Jesuitenerziehung, die Roger de Rabutin erhalten hat.
In der Galerie des Rois sind auf der einen Seite Familienporträts, auf der anderen die französischen Könige zu sehen.

Als Roger de Rabutin 1665 ins Exil ging, begann er, nicht nur das Innere des Schlosses zu verschönern, sondern widmete sich auch der Gestaltung der Gärten.

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Vom Glanz vergangener Zeiten zur Bewahrung der Geschichte

Das Château de Bussy-Rabutin bleibt ein einzigartiges Erbe von Roger de Rabutin.
Seine Kinder verkauften es 1733 und in den darauffolgenden Jahrhunderten wechselte das Schloss mehrmals den Besitzer, wobei insgesamt mehr als fünf verschiedene Familien nach den Rabutin das Anwesen übernahmen. Jede dieser Familien bemühte sich darum, sowohl das Gebäude als auch die außergewöhnliche Ausstattung zu bewahren.

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Im Verlauf des 18. Jahrhunderts erlebte das Anwesen eine weitere bedeutende Umgestaltung durch Geneviève Alexis de Salins. Sie erwarb das Schloss im Jahr 1733 und ließ es nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1738 wieder instand setzen. Zu den umfangreichen Arbeiten gehörten die Wiederherstellung der Zugbrücken und Brücken, die den Zugang zum Schloss und den Garten ermöglichten.
Zwischen 1755 und 1758 ergriff sie dann die Gelegenheit, die Gartenlandschaft neu zu gestalten. Sie legte breite Wege an und pflanzte Lindenalleen.

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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging das Anwesen, dessen Park und Gärten stark verfallen waren, in den Besitz der Grafen von Sarcus über, die das Schloss einer umfangreichen Restaurierung unterzogen. Inspiriert vom englischen Gartenstil, der zu dieser Zeit populär war, veränderten sie das Erscheinungsbild des Parks hin zu einem natürlichen, weitläufigeren Stil. Zusätzlich integrierten sie mehrere Skulpturen in den Garten, um dessen ästhetische Wirkung zu verstärken.

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Am 5. August 1835 ersteigerte der leidenschaftliche Kunstsammler, Historiker und Archäologe Jean-Baptiste de Sarcus das Schloss im Rahmen einer Auktion. Über die folgenden zwanzig Jahre setzte sich Sarcus unermüdlich dafür ein, das Schloss in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Durch seine Arbeit konnte das Château de Bussy-Rabutin 1862 als erstes privates Schloss in der Region als historisches Monument anerkannt und in das Verzeichnis der französischen Denkmäler aufgenommen werden.

Im frühen 20. Jahrhundert entschloss sich die Familie Sarcus, das Schloss zu verkaufen, was zur Folge hatte, dass der französische Staat 1929 von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch machte und das Anwesen erwarb, um es einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und weiterhin als geschichtsträchtiges Wahrzeichen zu erhalten.

Während der Restaurierung in den 1990er Jahren wurde eine Labyrinth angelegt, obwohl es keine historischen Belege für ein solches Labyrinth zur Zeit von Roger de Rabutin oder im 18. Jahrhundert gibt. 2018 konnte es dank der Teilnahme an der Loto du Patrimoine Mission Bern einer weiteren Restaurierung unter der Leitung des Centre des Monuments Nationaux unterzogen werden, wodurch besonders der Flügel aus dem 19. Jahrhundert erneuert wurde. Im Zuge dieser Arbeiten wurden die Appartements der Grafen von Sarcus im Obergeschoss einer umfassenden Erneuerung unterzogen, die die Restaurierung von 1970 ergänzte.

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Nützliche Informationen

Adresse:
Château de Bussy-Rabutin
rue du château, 21150 Bussy-le-Grand

Anreise:
A6 von Paris oder Lyon, Abfahrt 23, dann D980 bis Semur-en-Auxois und D954 in Richtung Venarey-les-Laumes und Bussy-le-Grand.
Von Dijon, N71, dann D6 und D954.

Ein Parkplatz befindet sich 150 m vom Empfang entfernt (keine Ladestationen für Elektroautos).

Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre oder mit der Karte "Passion Monuments", sowie der erste Sonntag der Monate November, Dezember, Januar, Februar und März.
Normaltarif Schloss und Park 9€. Ticket für den Park 4€.

Internetseite:
https://www.chateau-bussy-rabutin.fr

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