Unweit von Nogent-sur-Seine und nur wenige Kilometer von der mittelalterlichen Stadt Provins entfernt, liegt das Château de La Motte-Tilly am linken Ufer der Seine, umgeben von einem 60 Hektar großen Park und Wäldern. Von seiner mittelalterlichen Burg über die elegante Sommerresidenz Joseph Marie Terrays bis hin zur sorgfältig eingerichteten Residenz der Marquise de Maillé erzählt das Schloss Geschichten von Aufstieg, Revolution und Wiederaufbau.
Schloss, Park und Gärten bilden ein harmonisches Ensemble und gehören zu den am besten erhaltenen Landsitzen des 18. Jahrhunderts in dieser Region Frankreichs.
Heute ist das Anwesen im Besitz des Centre des Monuments Nationaux und für die herausragende Gestaltung und Pflege seiner Gärten mit dem Label „Jardin remarquable“ ausgezeichnet.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die feudale Festung jedoch stark verfallen und entsprach weder den ästhetischen Vorstellungen noch den Lebensgewohnheiten der Zeit. 1748 erwarben die Brüder Joseph Marie Terray (1715-1778), Priester und Finanzminister Ludwigs XV., und Pierre Terray, Generalstaatsanwalt am Cours des Aides (Gericht für Steuerstreitigkeiten), das Gelände mitsamt den Ruinen. Sie entschieden sich, die mittelalterliche Burg aufzugeben und auf dem Plateau oberhalb des Flusstals eine neue Residenz errichten zu lassen.
Zwischen 1754 und 1757 entstand das heutige Schloss nach Plänen des Architekten François-Nicolas Lancret. Ein Teil der Baumaterialien der alten Festung wurde wiederverwendet. Der Neubau folgt den Prinzipien der klassischen Architektur des 18. Jahrhunderts mit einem symmetrischen Grundriss, streng gegliederten Fassaden, großen Fenster und langen Sichtachsen. Die Back- und Sandsteinfassade sowie das hohe Schieferdach verleihen dem Gebäude eine gewisse Eleganz.
Joseph Marie Terray nutzte La Motte-Tilly als komfortable Sommerresidenz und Ort geselliger Empfänge.
Am 5. Mai 1789 wurde Antoine-Jean als Abgeordneter des Adels zu den Generalständen nach Versailles entsandt. Anders als viele Angehörige seines Standes entschied er sich während der revolutionären Umbrüche bewusst gegen das Exil. Er fühlte sich nicht bedroht und genoss in der Region hohes Ansehen. Zwar wurde er im Oktober 1793 erstmals verhaftet und in Provins inhaftiert, jedoch bald wieder freigelassen.
Am 14. Dezember 1793 wurden Antoine-Jean Terray und seine Ehefrau erneut verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, im Jahr 1790 die Flucht ihrer vier Kinder nach England organisiert zu haben. Beide wurden zum Tode verurteilt und am 29. April 1794 guillotiniert. Sein Sohn Claude Hippolyte, Graf von Rozières, konnte das Anwesen später zurückerwerben und begann mit der Wiederherstellung des beschädigten Hauses. Er ließ einige Wirtschaftsgebäude sowie das Schloss-Theater abreißen und richtete 1823 in der ehemaligen Gärtnerwohnung eine Schule ein, in der bis 1905 Nonnen die Kinder des Dorfes sowie der umliegenden Gemeinden unterrichteten.
Im Jahr 1910 erwarb Charles Gérard de Rohan-Chabot (1870–1964), Graf von Ravèse und Urenkel von Claude Hippolyte Terray, das Schloss von seinen Verwandten.
Er leitete umfassende Restaurierungsarbeiten und ließ sowohl das Gebäude als auch die Gartenanlagen instand setzen. Im Obergeschoss stattete er alle Zimmer mit eigenen Badezimmern aus und gestalte den großen Korridor zur Ahnengalerie um. Dort hängte er zwölf Porträts auf, darunter auch das seines Sohnes, der im Juli 1918 auf dem Schlachtfeld fiel.
Die Familie nutzte das Schloss als Jagd- und Sommersitz. 1946 wurde das Anwesen als "Monument historique" unter Denkmalschutz gestellt.
Da sie keine direkten Erben hatte, vermachte die Marquise das gesamte Anwesen 1972 dem französischen Staat, vertreten durch das heutige Centre des monuments nationaux, unter der Bedingung, dass Schloss und Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Die Waldflächen des Anwesens wurden am 26. Dezember 1999 von einem schweren Sturm stark in Mitleidenschaft gezogen. Rund 70 Prozent des Waldbestandes wurden dabei zerstört. In den darauffolgenden Jahren wurde der Park schrittweise neu bepflanzt und landschaftlich angepasst.
Eine besondere Rolle spielt das seit 2005 angelegte Tilletum, eine botanische Sammlung von Lindenbäumen. Heute umfasst sie mehr als 70 verschiedene Arten. Die Linde war seit jeher ein prägendes Element der Landschaft des Seine-Tals und gab dem Ort La Motte-Tilly seinen Namen. Für seine Qualität und Pflege trägt der Park das offizielle Label „Jardin remarquable“.
Nützliche Informationen
Adresse :
Château de la Motte Tilly
D951, 10400 La Motte Tilly
Schloss, Park und Gärten bilden ein harmonisches Ensemble und gehören zu den am besten erhaltenen Landsitzen des 18. Jahrhunderts in dieser Region Frankreichs.
Heute ist das Anwesen im Besitz des Centre des Monuments Nationaux und für die herausragende Gestaltung und Pflege seiner Gärten mit dem Label „Jardin remarquable“ ausgezeichnet.
Von der mittelalterlichen Burg zum Landsitz der Aufklärung
Der Name La Motte-Tilly taucht erstmals 1369 in den Quellen auf. An dieser Stelle befand sich im Mittelalter eine befestigte Burg, die eine Furt über die Seine kontrollierte. Die Anlage lag direkt am Fluss, war von Wassergräben umgeben und bestand aus mehreren Hauptgebäuden, vier großen Türmen, einem Innenhof sowie zahlreichen Wirtschaftsgebäuden. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer und gehörte unter anderem den Familien de Trainel, Raguier, d’Elbeyne und Bournonville. Der Herzog von Bournonville, Gouverneur von Paris unter Ludwig XIV., wählte den Ort schließlich für seinen Ruhestand.Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die feudale Festung jedoch stark verfallen und entsprach weder den ästhetischen Vorstellungen noch den Lebensgewohnheiten der Zeit. 1748 erwarben die Brüder Joseph Marie Terray (1715-1778), Priester und Finanzminister Ludwigs XV., und Pierre Terray, Generalstaatsanwalt am Cours des Aides (Gericht für Steuerstreitigkeiten), das Gelände mitsamt den Ruinen. Sie entschieden sich, die mittelalterliche Burg aufzugeben und auf dem Plateau oberhalb des Flusstals eine neue Residenz errichten zu lassen.
Zwischen 1754 und 1757 entstand das heutige Schloss nach Plänen des Architekten François-Nicolas Lancret. Ein Teil der Baumaterialien der alten Festung wurde wiederverwendet. Der Neubau folgt den Prinzipien der klassischen Architektur des 18. Jahrhunderts mit einem symmetrischen Grundriss, streng gegliederten Fassaden, großen Fenster und langen Sichtachsen. Die Back- und Sandsteinfassade sowie das hohe Schieferdach verleihen dem Gebäude eine gewisse Eleganz.
Joseph Marie Terray nutzte La Motte-Tilly als komfortable Sommerresidenz und Ort geselliger Empfänge.
Revolution, Umbauten und wechselnde Besitzer
Nach dem Tod Joseph Terrays ging das Anwesen an seinen Neffen Antoine-Jean Terray über. Dieser ließ Teile des streng geometrischen französischen Gartens in einen großzügigeren Landschaftspark umgestalten, ganz im Geschmack des späten 18. Jahrhunderts.Am 5. Mai 1789 wurde Antoine-Jean als Abgeordneter des Adels zu den Generalständen nach Versailles entsandt. Anders als viele Angehörige seines Standes entschied er sich während der revolutionären Umbrüche bewusst gegen das Exil. Er fühlte sich nicht bedroht und genoss in der Region hohes Ansehen. Zwar wurde er im Oktober 1793 erstmals verhaftet und in Provins inhaftiert, jedoch bald wieder freigelassen.
Am 14. Dezember 1793 wurden Antoine-Jean Terray und seine Ehefrau erneut verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, im Jahr 1790 die Flucht ihrer vier Kinder nach England organisiert zu haben. Beide wurden zum Tode verurteilt und am 29. April 1794 guillotiniert. Sein Sohn Claude Hippolyte, Graf von Rozières, konnte das Anwesen später zurückerwerben und begann mit der Wiederherstellung des beschädigten Hauses. Er ließ einige Wirtschaftsgebäude sowie das Schloss-Theater abreißen und richtete 1823 in der ehemaligen Gärtnerwohnung eine Schule ein, in der bis 1905 Nonnen die Kinder des Dorfes sowie der umliegenden Gemeinden unterrichteten.
Im Jahr 1910 erwarb Charles Gérard de Rohan-Chabot (1870–1964), Graf von Ravèse und Urenkel von Claude Hippolyte Terray, das Schloss von seinen Verwandten.
Er leitete umfassende Restaurierungsarbeiten und ließ sowohl das Gebäude als auch die Gartenanlagen instand setzen. Im Obergeschoss stattete er alle Zimmer mit eigenen Badezimmern aus und gestalte den großen Korridor zur Ahnengalerie um. Dort hängte er zwölf Porträts auf, darunter auch das seines Sohnes, der im Juli 1918 auf dem Schlachtfeld fiel.
Die Familie nutzte das Schloss als Jagd- und Sommersitz. 1946 wurde das Anwesen als "Monument historique" unter Denkmalschutz gestellt.
Die Marquise de Maillé und das heutige Erscheinungsbild
Nach dem Tod des Grafen im Jahr 1964 übernahm seine Tochter, Aliette de Rohan-Chabot, Marquise de Maillé, das Schloss. Ihr ist das heutige Erscheinungsbild der Innenräume maßgeblich zu verdanken. Mit großer Sorgfalt richtete sie die Salons und Gemächer mit Möbeln, Gemälden und Kunstobjekten des 18. Jahrhunderts ein, hauptsächlich aus der Zeit Ludwigs XV., Ludwig XVI. oder der Régence (Kunststil unter der Herrschaft Philipps von Orléans, 1715-1723), geprägt von den besten Tischlern des Ancien Régime. Ziel war es nicht, ein Museum im klassischen Sinne zu schaffen, sondern den Eindruck einer bewohnten historischen Residenz zu bewahren.Da sie keine direkten Erben hatte, vermachte die Marquise das gesamte Anwesen 1972 dem französischen Staat, vertreten durch das heutige Centre des monuments nationaux, unter der Bedingung, dass Schloss und Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Park, Gärten und das Tilletum
Das Schloss ist von einem rund 60 Hektar großen Park umgeben, der Wälder, Rasenflächen, Wasserbecken und Gartenanlagen umfasst. Der Park vereint unterschiedliche Gestaltungsepochen. Reste des französischen Gartens treffen hier auf die freiere Gestaltung des englischen Landschaftsparks.Die Waldflächen des Anwesens wurden am 26. Dezember 1999 von einem schweren Sturm stark in Mitleidenschaft gezogen. Rund 70 Prozent des Waldbestandes wurden dabei zerstört. In den darauffolgenden Jahren wurde der Park schrittweise neu bepflanzt und landschaftlich angepasst.
Eine besondere Rolle spielt das seit 2005 angelegte Tilletum, eine botanische Sammlung von Lindenbäumen. Heute umfasst sie mehr als 70 verschiedene Arten. Die Linde war seit jeher ein prägendes Element der Landschaft des Seine-Tals und gab dem Ort La Motte-Tilly seinen Namen. Für seine Qualität und Pflege trägt der Park das offizielle Label „Jardin remarquable“.
Nützliche Informationen
Adresse :Château de la Motte Tilly
D951, 10400 La Motte Tilly
Anreise:
Mit dem Auto, aus Richtung Paris oder Troyes die N19 bis Nogent-sur-Seine, dann die D951.
Parkplätze direkt vor dem großen Tor (gratis).
Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre oder mit der Karte "Passion Monuments".
Normaltarif 9€. Der Park ist gratis zugänglich. Picknicken ist im Park gestattet.
Château de la Motte Tilly und Musée Camille Claudel 12€ (6 Monate gültig).
Internetseite:
https://www.chateau-la-motte-tilly.fr/
Mit dem Auto, aus Richtung Paris oder Troyes die N19 bis Nogent-sur-Seine, dann die D951.
Parkplätze direkt vor dem großen Tor (gratis).
Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 26 Jahre oder mit der Karte "Passion Monuments".
Normaltarif 9€. Der Park ist gratis zugänglich. Picknicken ist im Park gestattet.
Château de la Motte Tilly und Musée Camille Claudel 12€ (6 Monate gültig).
Internetseite:
https://www.chateau-la-motte-tilly.fr/








