Das Château d'Angers, eine der eindrucksvollsten Festungen Frankreichs, thront auf einem Felsvorsprung über dem Fluss Maine. Ihre markante Silhouette aus hellem Tuffstein und dunklem Schiefer blickt auf eine mehr als 800-jährige Geschichte zurück und galt einst, dank ihrer 40 Meter hohen und massiven Mauer, als uneinnehmbare Burg. Der Bau begann im 13. Jahrhundert unter der Regentin Blanka von Kastilien, der Mutter des zukünftigen Königs Ludwig IX., um die Stadt Angers und das gesamte Anjou vor dem englischen König Heinrich III. zu schützen.
Sie spiegelt die wechselvolle Geschichte einer Region wider, die lange im Zentrum europäischer Machtpolitik stand.

Der Einsatz des hellen Kalksteins hebt das Tor deutlich vom Rest der Festung ab. Der für den Bau benötigte Schiefer stammte direkt aus den neu ausgehobenen Gräben und aus den nahegelegenen Steinbrüchen von Saint-Nicolas.
Während des Hundertjährigen Krieges ließ Ludwig I. die Festung umfassend renovieren und sichern. Das Fallgitter der Porte des Champs stammt aus dieser Zeit.
Als leidenschaftlicher Sammler von Wandteppichen ließ gleichzeitig auch den Teppichzyklus der Apokalypse herstellen, ein gewaltiger Wandteppich zur Darstellung der biblischen Offenbarung. Zwischen etwa 1373 und 1382 in Pariser Werkstätten gewoben, gilt dieses Ensemble heute als das bedeutendste erhaltene mittelalterliche Werk der Welt.
Um 1410 ließ Ludwig II. von Anjou den Logis Royal errichten, das Herzstück der herzoglichen Residenz und seine Frau, Jolanthe von Aragón, ließ eine neue Kapelle bauen. 1409 brachte sie in den Gemächern des Schlosses ihren Sohn René zur Welt. Dieser trug zahlreiche weitere Titel. Er war Graf der Provence, Herzog von Bar und von Lorraine, zeitweise König von Neapel und Sizilien sowie König von Jerusalem. Er kämpfte um die italienischen Königreiche und musste Neapel 1442 aufgeben, und schließlich zwang ihn sein Neffe, König Ludwig XI., die Herzogtümer an die französische Krone zurückzugeben. 1471 zog er dich in die Provence zurück, wo er 1480 starb. Seine Ehefrau Jeanne de Laval erfüllte ihm seinen letzten Wunsch und ließ sein Herz in Angers beisetzen.
René stellte große Sammlungen an Büchern und Kunstobjekten zusammen. Er ließ den Logis Royal kunstvoll durch repräsentative Galerien, reich verzierte Fenster und gotische Gewölbe ausbauen.
In Angers erinnert heute eine Statue an René d’Anjou, geschaffen von David d’Angers und 1853 eingeweiht.
1593 wurde Pierre de Donadieu zum Stellvertreter des Gouverneurs von Anjou ernannt und in den Orden des heiligen Michael aufgenommen. 1596 übertrug ihm der König schließlich das Amt des Seneschalls von Anjou, womit er zum obersten königlichen Vertreter der Provinz aufstieg.
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wurde das Schloss zunehmend als Gefängnis genutzt. Zu den bekanntesten Gefangenen zählte Nicolas Fouquet, der mächtige Finanzminister von Ludwig XIV. Nach seiner Verhaftung im Château des ducs de Bretagne in Nantes wurde er 1661 unter der Aufsicht von d'Artagnan nach Angers gebracht, wo er etwa drei Wochen lang inhaftiert wurde.
Das Schloss beherbergte jedoch auch viele weniger bekannte Gefangene, darunter Kriegsgefangene, politische Häftlinge und sogar psychisch kranke Menschen.
Während der Revolution wurde es zum ersten Departementsgefängnis und behielt diese Funktion bis 1856. Im 20. Jahrhundert diente die Festung noch als Garnison der Armee und wurde während des Zweiten Weltkriegs zusätzlich als Munitionsdepot genutzt. Die dafür vorgenommenen baulichen Anpassungen an die Anforderungen moderner Artillerie führten allerdings dazu, dass ein Großteil der mittelalterlichen Gebäude innerhalb der Festungsmauern verschwand.
Während der Befreiung von Anjou im August 1944 wurde die Stadt stark bombardiert. Auch das Schloss, das zeitweise von der deutschen Besatzung genutzt worden war, erlitt erhebliche Schäden. 1947 übergab das Verteidigungsministerium schließlich die Festung offiziell an die Verwaltung der Monuments historiques. Im Rahmen des Wiederaufbaus wurden die historischen Gebäude restauriert, Gärten angelegt und Spazierwege geschaffen. 1948 konnten die ersten Besucher das Schloss besichtigen. Ein besonderes Projekt war die Einrichtung einer modernen Galerie, die der Präsentation eines der wertvollsten mittelalterlichen Kunstwerke dienen sollte, den Teppichzyklus der Apokalypse. Sie wurde 1954 eröffnet.
Im 15. Jahrhundert, vererbte König René die Wandteppiche der Kathedrale von Angers, wo sie über Jahrhunderte in Kisten gelagert und aufgerollt aufbewahrt wurde, um das empfindliche Gewebe zu schützen.
Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlitten die Wandteppiche erhebliche Schäden und wurde zerstückelt. 1782 versuchte das Kapitel der Kathedrale, die Tapisserie zu verkaufen, jedoch ohne Erfolg. Während der Französischen Revolution wurde sie für praktischere Zwecke genutzt. Sie dienten als Decken für Pferde oder zum Schutz der Orangenbäume im Winter. Auch danach blieb sie noch über Jahre hinweg in eher alltäglichem Gebrauch. Erst in späteren Jahrzehnten begann man, die historische Bedeutung des Werkes wieder anzuerkennen und es systematisch zu schützen. Sie war in fünfzehn Teile unterteilt und zeigte 58 Szenen, die jeweils vierfach zusammengefasst waren, ohne erkennbare Logik. Die Manufaktur der Gobelins spielte eine entscheidende Rolle bei der Restaurierung, da sie die für die Arbeiten benötigte Wolle bereitstellte.
Ursprünglich war der Wandteppich rund 140 Meter lang und 4,5 Meter hoch. Heute sind etwa 103 Meter erhalten. In der speziell eingerichteten Galerie werden die Wandteppiche unter streng kontrollierten Lichtverhältnissen gezeigt, um das empfindliche Gewebe zu schützen. Das gesamte Ensemble wurde in nur sieben Jahren fertiggestellt. Seit 2023 gehört die Tapisserie zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Unter Herzog René von Anjou dienten die trockenen Gräben als Turniergelände für Ritterspiele und wurden zeitweise zu Gehegen für exotische Tiere umgestaltet, darunter Affen, Ziegen, Hirsche, Wildschweine, Löwen und sogar Dromedare.
Später, im 18. Jahrhundert, wurden sie in Gärten und Nutzflächen umgewandelt, bevor die Stadt Angers 1912 die Pflege übernahm. Zwischen 1936 und 1999 lebten dort sogar Hirsche und Rehe. Heute zeigen die Broderie-Gärten streng geometrisch angelegte Beete und wechseln sich mit Rasenflächen und Wegen ab. Die Gestaltung setzt auch Mauern, Türme und das Schlossensemble wirkungsvoll in Szene.
Der sogenannte hängende Garten im Innenhof zeigt Pflanzen wie Rosen, Lilien und Garance, die früher zur Herstellung roter Farbstoffe genutzt wurde, sowie Heilkräuter, einen historischen Gemüsegarten mit traditionellen Plessis‑Beeten oder sogar einige Rebflächen.

Sie spiegelt die wechselvolle Geschichte einer Region wider, die lange im Zentrum europäischer Machtpolitik stand.
Das Schloss wird heute vom Centre des monuments nationaux verwaltet.
Unter römischer Herrschaft entstand Juliomagus (Markt des Julius), eine befestigte Stadt, die ihre Bewohner vor Invasionen schützen sollte. Auf einer weiten, rechteckigen Terrasse erhob sich ein Tempelbezirk, eingefasst von massiven Mauern mit Strebepfeilern. Im spätrömischen Reich wurde die Stadt durch eine imposante Umfassungsmauer von bis zu zwölf Metern Höhe gesichert. Teile der gallo-römischen Befestigung verlaufen unter dem heutigen Château.
Im 9. Jahrhundert zogen die Wikinger mit ihren legendären Drachenbooten durch das Westfrankenreich. Unter der Führung von Ragnar Lodbrok und seinem Sohn Björn Eisenseite gelang es ihnen, bis nach Paris vorzudringen und kurzzeitig die Stadt im Jahr 845 einzunehmen. Die schnellen und wendigen Drakkare verschafften den Wikingern dabei einen entscheidenden Vorteil.
Um solchen Angriffen entgegenzuwirken, ließ Karl der Kahle, ein Nachkomme Karls des Großen, im Jahr 851 einen Grafen auf dem Felsen ansiedeln. Aus dieser Entscheidung entstand das Schloss von Angers, das zunächst als königliche Schutzfestung diente. Mit der Zeit erlangten die Grafen immer mehr Eigenständigkeit, bauten ihren Einfluss über das Anjou hinaus aus und legten den Grundstein für mächtige Dynastien.
Im 12. Jahrhundert gelangte der Palast unter die Herrschaft der mächtigen Plantagenêts, doch ein verheerendes Feuer zerstörte große Teile der Anlage im Jahr 1131. Während des Wiederaufbaus erhielt die große Halle ihre heutige Pforte, und die Kapelle Saint-Laud wurde neu errichtet, teilweise auf den Überresten der alten römischen Befestigung. Durch geschickte Heiraten erweiterten die Plantagenêts ihren Einfluss und die Familie wurde zu einer der einflussreichsten Dynastien Europas. Richard Löwenherz und Johann Ohneland, Söhne der legendären Aliénor von Aquitanien, regierten ein Reich von den schottischen Highlands bis zu den Pyrenäen, blieben ihrer Heimat aber verbunden. Viele fanden ihre letzte Ruhestätte in der königlichen Abtei von Fontevraud.
Geschichte eines Hügels
Der Hügel, auf dem die Festung steht, war bereits in der Frühgeschichte von großer Bedeutung. Erste Spuren menschlicher Nutzung reichen bis in die Urgeschichte zurück, als die Gallier das Gelände als Verteidigungsposition nutzten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich der Hügel zu einem strategisch wichtigen Standort.Unter römischer Herrschaft entstand Juliomagus (Markt des Julius), eine befestigte Stadt, die ihre Bewohner vor Invasionen schützen sollte. Auf einer weiten, rechteckigen Terrasse erhob sich ein Tempelbezirk, eingefasst von massiven Mauern mit Strebepfeilern. Im spätrömischen Reich wurde die Stadt durch eine imposante Umfassungsmauer von bis zu zwölf Metern Höhe gesichert. Teile der gallo-römischen Befestigung verlaufen unter dem heutigen Château.
Im 9. Jahrhundert zogen die Wikinger mit ihren legendären Drachenbooten durch das Westfrankenreich. Unter der Führung von Ragnar Lodbrok und seinem Sohn Björn Eisenseite gelang es ihnen, bis nach Paris vorzudringen und kurzzeitig die Stadt im Jahr 845 einzunehmen. Die schnellen und wendigen Drakkare verschafften den Wikingern dabei einen entscheidenden Vorteil.
Um solchen Angriffen entgegenzuwirken, ließ Karl der Kahle, ein Nachkomme Karls des Großen, im Jahr 851 einen Grafen auf dem Felsen ansiedeln. Aus dieser Entscheidung entstand das Schloss von Angers, das zunächst als königliche Schutzfestung diente. Mit der Zeit erlangten die Grafen immer mehr Eigenständigkeit, bauten ihren Einfluss über das Anjou hinaus aus und legten den Grundstein für mächtige Dynastien.
Im 12. Jahrhundert gelangte der Palast unter die Herrschaft der mächtigen Plantagenêts, doch ein verheerendes Feuer zerstörte große Teile der Anlage im Jahr 1131. Während des Wiederaufbaus erhielt die große Halle ihre heutige Pforte, und die Kapelle Saint-Laud wurde neu errichtet, teilweise auf den Überresten der alten römischen Befestigung. Durch geschickte Heiraten erweiterten die Plantagenêts ihren Einfluss und die Familie wurde zu einer der einflussreichsten Dynastien Europas. Richard Löwenherz und Johann Ohneland, Söhne der legendären Aliénor von Aquitanien, regierten ein Reich von den schottischen Highlands bis zu den Pyrenäen, blieben ihrer Heimat aber verbunden. Viele fanden ihre letzte Ruhestätte in der königlichen Abtei von Fontevraud.
Festung unter der französischen Krone
Der französische König Philipp II. August (1165-1223) verfolgte das Ziel, die westlichen Gebiete von den Engländern zurückzuerobern. Nach dem Tod des Herzogs Arthur von Bretagne im Jahr 1203 wurden die Grafschaften Anjou und Maine direkt dem französischen König unterstellt. Unter der Regentschaft von Blanka von Kastilien (1188-1252), Witwe des Königs Ludwig VIII., wurde der Palast in eine imposante Festung verwandelt. Auf einer Fläche von 2,5 Hektar erhob sich eine mächtige Ringmauer mit siebzehn runden Türmen, jeder über vierzig Meter hoch, während nur das steile Nordufer zur Maine unbefestigt blieb. Zwei Tore kontrollierten den Zugang zur Festung: im Nordosten die Porte de Ville mit Zugbrücke und Fallgittern, die heute den Haupteingang bildet, und im Süden die Porte des Champs, die im Mittelalter als Haupttor diente. Zwei massive Holzgitter, von denen heute nur noch eins zu sehen ist, blockierten den Zugang. Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich dabei um das älteste datierbare Fallgitter ist, das je in einem französischen Schloss gefunden wurde. Im 19. Jahrhundert, als die großen Boulevards angelegt wurden, verlor die Porte des Champs endgültig ihre Funktion als Haupteingang.Der Einsatz des hellen Kalksteins hebt das Tor deutlich vom Rest der Festung ab. Der für den Bau benötigte Schiefer stammte direkt aus den neu ausgehobenen Gräben und aus den nahegelegenen Steinbrüchen von Saint-Nicolas.
Dieses Symbol königlicher Macht prägt bis heute die Silhouette von Angers.
Später ließ ihr Sohn König Ludwig IX. (genannt der Heilige, 1214-1270) die Stadt selbst durch eine eigene Stadtmauer sichern, sowohl die Viertel auf der linken Seite der Maine als auch das gegenüberliegende Ufer, den späteren Stadtteil La Doutre.
Später ließ ihr Sohn König Ludwig IX. (genannt der Heilige, 1214-1270) die Stadt selbst durch eine eigene Stadtmauer sichern, sowohl die Viertel auf der linken Seite der Maine als auch das gegenüberliegende Ufer, den späteren Stadtteil La Doutre.
Das Château als herzogliche Residenz
Im 14. und 15. Jahrhundert wurde das Château zur Residenz der Herzöge von Anjou. Ludwig I. von Anjou, Bruder von König Karl V., hielt sich zwar selten in der Stadt auf, doch er prägte den Palast durch mehrere bedeutende Bau‑ und Ausstattungsmaßnahmen. Der Seneschall (höchster Verwalter und Vertreter des Herzogs) erhielt eine neue Wohnung, die große Halle wurde mit breiteren Fenstern und einem neuen Kamin ausgestattet, und an die alte Küche schloss eine deutlich größere Kochstelle an.Während des Hundertjährigen Krieges ließ Ludwig I. die Festung umfassend renovieren und sichern. Das Fallgitter der Porte des Champs stammt aus dieser Zeit.
Als leidenschaftlicher Sammler von Wandteppichen ließ gleichzeitig auch den Teppichzyklus der Apokalypse herstellen, ein gewaltiger Wandteppich zur Darstellung der biblischen Offenbarung. Zwischen etwa 1373 und 1382 in Pariser Werkstätten gewoben, gilt dieses Ensemble heute als das bedeutendste erhaltene mittelalterliche Werk der Welt.
Um 1410 ließ Ludwig II. von Anjou den Logis Royal errichten, das Herzstück der herzoglichen Residenz und seine Frau, Jolanthe von Aragón, ließ eine neue Kapelle bauen. 1409 brachte sie in den Gemächern des Schlosses ihren Sohn René zur Welt. Dieser trug zahlreiche weitere Titel. Er war Graf der Provence, Herzog von Bar und von Lorraine, zeitweise König von Neapel und Sizilien sowie König von Jerusalem. Er kämpfte um die italienischen Königreiche und musste Neapel 1442 aufgeben, und schließlich zwang ihn sein Neffe, König Ludwig XI., die Herzogtümer an die französische Krone zurückzugeben. 1471 zog er dich in die Provence zurück, wo er 1480 starb. Seine Ehefrau Jeanne de Laval erfüllte ihm seinen letzten Wunsch und ließ sein Herz in Angers beisetzen.
René stellte große Sammlungen an Büchern und Kunstobjekten zusammen. Er ließ den Logis Royal kunstvoll durch repräsentative Galerien, reich verzierte Fenster und gotische Gewölbe ausbauen.
In Angers erinnert heute eine Statue an René d’Anjou, geschaffen von David d’Angers und 1853 eingeweiht.
| Das Châtelet |
Vom Schloss zur Festung und zum Gefängnis
Das Schloss wurde erneut militärisch genutzt. Während der Religionskriege im 16. Jahrhundert, diente es unter König Heinrich III. (1551-1589) als Gefängnis für Protestanten und wurde zweimal von den Hugenotten eingenommen. 1585 ordnete der König den Abriss der Festung an, doch der beauftragte Hauptmann Pierre de Donadieu de Puchairie sabotierte die Arbeiten bewusst. Stattdessen modernisierte er die Anlage, ließ Schießscharten zu Kanonenlöchern umbauen, Türme abflachen und neue Artillerieplattformen an Stelle der Wehrgänge anlegen. Diese Veränderungen verliehen dem Schloss seine heutige Erscheinung.1593 wurde Pierre de Donadieu zum Stellvertreter des Gouverneurs von Anjou ernannt und in den Orden des heiligen Michael aufgenommen. 1596 übertrug ihm der König schließlich das Amt des Seneschalls von Anjou, womit er zum obersten königlichen Vertreter der Provinz aufstieg.
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts wurde das Schloss zunehmend als Gefängnis genutzt. Zu den bekanntesten Gefangenen zählte Nicolas Fouquet, der mächtige Finanzminister von Ludwig XIV. Nach seiner Verhaftung im Château des ducs de Bretagne in Nantes wurde er 1661 unter der Aufsicht von d'Artagnan nach Angers gebracht, wo er etwa drei Wochen lang inhaftiert wurde.
Das Schloss beherbergte jedoch auch viele weniger bekannte Gefangene, darunter Kriegsgefangene, politische Häftlinge und sogar psychisch kranke Menschen.
Während der Revolution wurde es zum ersten Departementsgefängnis und behielt diese Funktion bis 1856. Im 20. Jahrhundert diente die Festung noch als Garnison der Armee und wurde während des Zweiten Weltkriegs zusätzlich als Munitionsdepot genutzt. Die dafür vorgenommenen baulichen Anpassungen an die Anforderungen moderner Artillerie führten allerdings dazu, dass ein Großteil der mittelalterlichen Gebäude innerhalb der Festungsmauern verschwand.
Von den Trümmern zur Galerie
Obwohl das Château d’Angers bereits 1875 als historisches Denkmal geschützt wurde, blieb es zunächst unter Militärverwaltung. 1936 wurde entschieden, die Verantwortung an die Beaux-Arts zu übertragen, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verzögerte die Umsetzung.Während der Befreiung von Anjou im August 1944 wurde die Stadt stark bombardiert. Auch das Schloss, das zeitweise von der deutschen Besatzung genutzt worden war, erlitt erhebliche Schäden. 1947 übergab das Verteidigungsministerium schließlich die Festung offiziell an die Verwaltung der Monuments historiques. Im Rahmen des Wiederaufbaus wurden die historischen Gebäude restauriert, Gärten angelegt und Spazierwege geschaffen. 1948 konnten die ersten Besucher das Schloss besichtigen. Ein besonderes Projekt war die Einrichtung einer modernen Galerie, die der Präsentation eines der wertvollsten mittelalterlichen Kunstwerke dienen sollte, den Teppichzyklus der Apokalypse. Sie wurde 1954 eröffnet.
Die Wandteppiche der Apokalypse als einzigartiges Kunstwerk
Dieser monumentale Wandteppichzyklus wurde 1375 im Auftrag von Ludwig I. von Anjou geschaffen und verband biblische Erzählung mit dem historischen, sozialen und politischen Kontext Frankreichs im 14. Jahrhundert. Er illustriert Szenen aus dem Buch der Offenbarung des Heiligen Johannes und spiegelt zugleich die Ängste, Hoffnungen und Umbrüche einer Epoche wider, die vom Hundertjährigen Krieg geprägt war.Im 15. Jahrhundert, vererbte König René die Wandteppiche der Kathedrale von Angers, wo sie über Jahrhunderte in Kisten gelagert und aufgerollt aufbewahrt wurde, um das empfindliche Gewebe zu schützen.
Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlitten die Wandteppiche erhebliche Schäden und wurde zerstückelt. 1782 versuchte das Kapitel der Kathedrale, die Tapisserie zu verkaufen, jedoch ohne Erfolg. Während der Französischen Revolution wurde sie für praktischere Zwecke genutzt. Sie dienten als Decken für Pferde oder zum Schutz der Orangenbäume im Winter. Auch danach blieb sie noch über Jahre hinweg in eher alltäglichem Gebrauch. Erst in späteren Jahrzehnten begann man, die historische Bedeutung des Werkes wieder anzuerkennen und es systematisch zu schützen. Sie war in fünfzehn Teile unterteilt und zeigte 58 Szenen, die jeweils vierfach zusammengefasst waren, ohne erkennbare Logik. Die Manufaktur der Gobelins spielte eine entscheidende Rolle bei der Restaurierung, da sie die für die Arbeiten benötigte Wolle bereitstellte.
Ursprünglich war der Wandteppich rund 140 Meter lang und 4,5 Meter hoch. Heute sind etwa 103 Meter erhalten. In der speziell eingerichteten Galerie werden die Wandteppiche unter streng kontrollierten Lichtverhältnissen gezeigt, um das empfindliche Gewebe zu schützen. Das gesamte Ensemble wurde in nur sieben Jahren fertiggestellt. Seit 2023 gehört die Tapisserie zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Gärten zwischen Mauern
Die heutigen Broderie-Gärten des Château d’Angers entstanden auf den früheren Festungsgräben, die bereits unter König Ludwig IX. als Schutzanlage ausgehoben wurden. Sie bildeten im Süden eine Grenze zum Vorort Esvière und im Norden zur Stadt. Im Lauf der Jahrhunderte wurden die Gräben mehrfach erweitert, und zwei Brunnen versorgten die Anlage mit Wasser.Unter Herzog René von Anjou dienten die trockenen Gräben als Turniergelände für Ritterspiele und wurden zeitweise zu Gehegen für exotische Tiere umgestaltet, darunter Affen, Ziegen, Hirsche, Wildschweine, Löwen und sogar Dromedare.
Später, im 18. Jahrhundert, wurden sie in Gärten und Nutzflächen umgewandelt, bevor die Stadt Angers 1912 die Pflege übernahm. Zwischen 1936 und 1999 lebten dort sogar Hirsche und Rehe. Heute zeigen die Broderie-Gärten streng geometrisch angelegte Beete und wechseln sich mit Rasenflächen und Wegen ab. Die Gestaltung setzt auch Mauern, Türme und das Schlossensemble wirkungsvoll in Szene.
Der sogenannte hängende Garten im Innenhof zeigt Pflanzen wie Rosen, Lilien und Garance, die früher zur Herstellung roter Farbstoffe genutzt wurde, sowie Heilkräuter, einen historischen Gemüsegarten mit traditionellen Plessis‑Beeten oder sogar einige Rebflächen.
Vom Wehrgang des Château d’Angers bietet sich einer der schönsten Ausblicke über die Stadt. Entlang der etwa 500 Meter langen Mauern erstreckt sich das Panorama in alle Richtungen. Im nördlichen Teil reicht der Blick über die charakteristischen Schieferdächer von Angers, bis zu den hohen Türmen der Cathédrale Saint‑Maurice und zum Tour Saint‑Aubin, dem letzten Überrest einer einst bedeutenden Abtei. Auf der Südseite dagegen eröffnet er sich auf den Fluss Maine mit seinen Brücken und den grünen Uferlandschaften.
Nützliche Informationen
Adresse:
2, promenade du Bout-du-Monde
49100 Angers
Anreise:
Der Nächstgelegener kostenlose Parkplatz ist am Place La Rochefoucauld (ca. 15–20 Minuten zu Fuß vom Schloss). Parkplätze direkt am Schloss sind kostenpflichtig. Bushaltestellen „Château“ oder „Office du tourisme“. Straßenbahn: Haltestelle „Ralliement“
Tarife:
Gratis für EU-Bürger bis 25 Jahren, Besucher aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (Island, Liechtenstein, Norwegen) oder mit der Karte "Passion Monuments".
Normaltarif 14€ / 11€ (5. September – 30. April).
Kombitickets (gültig ein Jahr ab Kaufdatum): Château d’Angers & Musée Jean‑Lurçat et de la tapisserie contemporaine: 13 €. Château d’Angers & Château d’Azay‑le‑Rideau 24€ / 20€ (5. September – 30. April).
Internetseite: