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Schlösser & verborgene Orte

Frankreichs Schlösser sind weit mehr als prachtvolle Fassaden, hohe Türme und kunstvolle Säle. Hinter ihren Mauern verbergen sich Intrigen, dramatische Schicksale, ungewöhnliche Kunstwerke und Spuren längst vergangener Zeiten. Auch unscheinbare Plätze, alte Häuser und abgelegene Ruinen können erstaunliche Geschichten erzählen. Wer genauer hinsieht, entdeckt Frankreich von einer ganz anderen Seite.



Geschichte · Schlösser & verborgene Orte · Hauts-de-France

Was hat ein französisches Schloss mit Neuschwanstein zu tun?

Ein französisches Schloss mit einer erstaunlichen Verbindung zu Bayern

Das beeindruckende Château de Pierrefonds in der Nähe von Compiègne sieht aus, als wäre es direkt einem mittelalterlichen Märchen entsprungen. Doch hinter seinen mächtigen Türmen steckt eine erstaunliche Geschichte.

Die ursprüngliche Festung wurde im 15. Jahrhundert für Louis d’Orléans errichtet, bevor sie im 17. Jahrhundert auf Befehl von Richelieu schwer beschädigt und schließlich weitgehend demontiert wurde.

Erst mehr als 200 Jahre später begann ein neues Kapitel. Napoléon III. war von den romantischen Ruinen begeistert und beauftragte 1857 den berühmten Architekten Eugène Viollet-le-Duc mit der Wiederherstellung.

Viollet-le-Duc wollte dabei allerdings nicht einfach das mittelalterliche Schloss originalgetreu rekonstruieren, sondern schuf seine eigene Vorstellung einer idealen mittelalterlichen Burg.

Eine zerstörte Festung, ein visionärer Architekt und ein bayerischer König - Wie aus einer romantischen Ruine eine Inspiration für Neuschwanstein wurde.

Und genau diese außergewöhnliche Architektur beeindruckte auch Ludwig II. von Bayern. Bei seiner Frankreichreise im Jahr 1867 besuchte der bayerische König Pierrefonds, um sich Anregungen für seine eigenen Bauprojekte zu holen.

Wenige Jahre später, ab 1869, entstand Schloss Neuschwanstein, das ebenfalls von der romantischen Mittelaltervorstellung des 19. Jahrhunderts geprägt wurde.

So gibt es eine erstaunliche Verbindung zwischen zwei der berühmtesten Schlösser Europas.




Legenden · Schlösser & verborgene Orte · Loiretal

Eine Schlossdecke voller Geheimnisse und ziemlich frechen Geschichten

Die rätselhaften Malereien des Château du Plessis-Bourré

Wenn ihr meinen Beitrag über das Château de Villeneuve-Lembron gelesen habt, kennt ihr Chicheface bereits. Das gefräßige Monster, das ausgerechnet treue Ehefrauen zum Fressen gern hat. Doch ich habe Chicheface noch an einem zweiten Ort entdeckt und diesmal befindet sie sich nicht auf einer Wand, sondern mitten auf einer prächtigen bemalten Schlossdecke.

Im Château du Plessis-Bourré im Loiretal befindet sich in der Salle des Gardes eine außergewöhnliche Decke aus dem späten 15. Jahrhundert. Rund 80 bemalte Felder bedecken die hölzerne Konstruktion und zeigen eine erstaunliche Mischung aus fantastischen Tieren, Sprichwörtern, alchemistischen Symbolen und Szenen aus dem damaligen Alltag.

Zwischen all diesen fantasievollen Darstellungen findet sich gleich zweimal Chicheface auf der Decke, und ihre Darstellung führt zu einer ziemlich kuriosen Geschichte.

Eine der Darstellungen könnte eine ziemlich freche Anspielung auf die Ehefrau des Schlossherrn sein.

Eine der Darstellungen zeigt das Monster dabei, wie es eine Frau verschlingt. Der Überlieferung nach soll es sich bei dieser Frau um Marguerite de Feschal gehandelt haben, die Ehefrau von Jean Bourré, dem Erbauer des Château du Plessis-Bourré.

Ob Marguerite tatsächlich gemeint war, lässt sich heute nicht mehr beweisen. Sollte die Darstellung tatsächlich auf die Ehefrau des Schlossbesitzers anspielen, hätte der Künstler seinem Auftraggeber eine ziemlich freche Geschichte direkt auf die Decke seines eigenen Schlosses gemalt.

Doch Chicheface ist nicht die einzige ungewöhnliche Szene auf dieser Decke.

Auf einem anderen Bild sitzt ein Mann beim Barbier. Der junge Friseur versucht, ihn zu rasieren, scheint dabei allerdings noch nicht besonders viel Erfahrung zu besitzen. Der Kunde beschwert sich offenbar darüber, dass ihm der Barbier dabei beinahe den Hals verdreht.

Auch hinter dieser Szene wird eine konkrete Person vermutet. Der dargestellte Mann soll Olivier Le Daim sein, ein enger Vertrauter von König Ludwig XI., der ursprünglich selbst als Barbier am königlichen Hof tätig gewesen sein soll.

Über der Szene steht ein französischer Spruch, der sinngemäß davon handelt, dass man am Bart eines Narren das Rasieren lernen könne.

Und genau solche kleinen Geschichten machen die Decke des Plessis-Bourré so interessant. Sie ist keine gewöhnliche mittelalterliche Dekoration, sondern wirkt fast wie ein Bilderbuch, in dem sich Humor, Spott, Moral und die Vorstellungen der damaligen Zeit miteinander vermischen.




Legenden · Schlösser & verborgene Orte · Auvergne

Welches Monster frisst eigentlich unterdrückte Ehemänner?

Bigorne und Chicheface: zwei bissige Figuren aus alten Legenden

Im Château de Villeneuve-Lembron gibt es Fresken, bei denen man zweimal hinschauen sollte. Sie erzählen von zwei ziemlich ungewöhnlichen Wesen aus einer alten Legende der Auvergne.

Da wäre zunächst Bigorne.

Dieses gefräßige Monster hat einen ganz besonderen Geschmack. Es verschlingt nämlich Männer, die von ihren Frauen herumkommandiert werden. Je mehr ein Ehemann unter der Fuchtel seiner Frau steht, desto besser offenbar für Bigorne.

Und dann gibt es Chicheface.

Bei ihr ist es genau umgekehrt. Sie frisst ausschließlich brave und treue Ehefrauen. Das Problem dabei ist allerdings, dass es davon angeblich so wenige gibt, dass Chicheface ständig halb verhungert ist.

Man könnte sagen, die beiden Monster bilden ein ziemlich bissiges mittelalterliches Ehepaar.

Besonders kurios wird es im Schloss von Villeneuve-Lembron. Dort sind Bigorne und Chicheface auf Wandmalereien dargestellt. Und mittendrin findet sich Rigault d’Aureille, der Erbauer des Schlosses und einstiger Haushofmeister der Könige Ludwig XI. und Karl VIII., als Astrologe.

Was wollte er uns damit sagen?

War es einfach ein humorvoller Seitenhieb auf die Ehe? Oder spielte Rigault d’Aureille mit der damaligen Vorstellung von Ehe, Moral und gesellschaftlichen Rollen?

Wir werden es wohl nicht mehr erfahren.

Aber eines ist sicher.

Wer im Château de Villeneuve-Lembron unterwegs ist, sollte nicht nur auf die Architektur schauen. Die Wände erzählen hier Geschichten, die überraschend frech sind.




Legenden · Schlösser & verborgene Orte · Normandie

Der Templerschatz von Gisors und das Geheimnis unter der Burg

Verborgene Räume, geheimnisvolle Truhen und eine Schatzsuche ohne Beweis

Drei Wagen voller Gold, geheimnisvolle unterirdische Räume und ein ehemaliger Burgwächter, der behauptete, einen verborgenen Schatz entdeckt zu haben. Was sich wie der Stoff eines Abenteuerromans anhört, wurde in Gisors in der Normandie tatsächlich zum Gegenstand aufsehenerregender Untersuchungen. Doch bis heute fehlt der Beweis, dass der sagenumwobene Schatz der Tempelritter dort jemals existiert hat.

Die Geschichte führt zurück ins Mittelalter, als die Burg von Gisors an einer strategisch wichtigen Grenze zwischen dem Herzogtum Normandie und dem französischen Königreich lag. Zwischen 1158 und 1160 wurde die Festung den Tempelrittern anvertraut, und später war hier auch Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Ordens, in Gefangenschaft.

Der Legende zufolge sollen einige Tempelritter im Oktober 1307, als der französische König Philipp IV. ihre Verhaftung anordnete, mit wertvollen Schätzen entkommen sein.

Ein ehemaliger Burgwächter berichtete von Sarkophagen und Truhen aus Edelmetall. Doch was verbarg sich wirklich unter dem Burghügel?

Jahrhunderte später erhielt die Legende neuen Auftrieb, als Roger Lhomoy, der in den 1940er-Jahren als Wächter und Gärtner auf der Burg arbeitete, eigene Grabungen durchführte. Er behauptete, unter dem Burghügel unterirdische Räume entdeckt zu haben, darunter eine romanische Kapelle mit neun steinernen Sarkophagen und 30 Truhen aus Edelmetall. Seine Schilderungen waren so konkret, dass die Geschichte vom verborgenen Schatz neue Aufmerksamkeit erregte. Doch die behaupteten Funde konnten nicht unabhängig bestätigt werden, während die Grabungen zugleich die Stabilität der Anlage gefährdeten.

1964 wurden auf Veranlassung des französischen Kulturministers André Malraux weitere Untersuchungen durchgeführt. Die Hoffnung, den geheimnisvollen Schatz aufzuspüren, erfüllte sich jedoch nicht, denn auch diese Untersuchungen erbrachten keinen Beweis für seine Existenz.

Ob unter dem alten Burghügel tatsächlich noch unbekannte Räume verborgen liegen oder ob aus den Erzählungen über die Tempelritter im Laufe der Zeit ein Mythos entstanden ist, lässt sich anhand der bisherigen Erkenntnisse nicht bestätigen.




Geschichte · Schlösser & verborgene Orte · Haute-Loire

Eine Burg, ein König und eine umstrittene Überlieferung: Espalys Geheimnis

Was verbindet Espaly-Saint-Marcel mit Karl VII.?

Die monumentale Statue des heiligen Josef prägt heute die Silhouette von Espaly-Saint-Marcel, doch hinter diesem religiösen Wahrzeichen verbirgt sich eine königliche Geschichte, die bis in die Wirren des Hundertjährigen Krieges zurückführt.

Hoch über dem Tal der Borne befand sich eine befestigte Burg, die den Bischöfen von Le Puy als Residenz diente. Zu ihren Besuchern gehörten mehrere französische Könige, darunter Karl VII.

Karl VII. bestieg 1422 den französischen Thron, während das Land im Hundertjährigen Krieg um seine Zukunft kämpfte.

Soll Karl VII. ausgerechnet auf dieser Burg zum König ausgerufen worden sein?

Einer lokalen Tradition zufolge soll er ausgerechnet auf der Burg von Espaly zum König ausgerufen worden sein.

Historisch gesichert ist diese Behauptung allerdings nicht. Bereits 1862 verwies der Historiker Auguste Vallet de Viriville auf eine andere Überlieferung. Karl soll vom Tod seines Vaters Karl VI. im Schloss Mehun-sur-Yèvre erfahren und dort am 30. Oktober 1422 den Königstitel angenommen haben.

Dennoch ist Karl VII. tatsächlich mit Espaly verbunden. Im Dezember 1424 hielt er sich auf der Burg auf, deren Name Château de Charles VII bis heute im Volksmund an ihn erinnert.

Frankreich steckt voller historischer Orte, die abseits der bekannten Sehenswürdigkeiten erstaunliche Geschichten erzählen.

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